Taufe?

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Die evangelische Kirche bietet einen Online-Beantwortungsservice für religiöse Fragen. Dort finden sich allerlei Fragen, dazu Antworten aus evangelischer Sicht sowie ab und zu Kommentare von weiteren Lesern.

In dieser Frage wollte der Fragesteller wissen, was die Taufe im Christentum bedeute.

Die evangelische Pfarrerin Frau Löw antwortete zunächst, dass die Taufe von Jesus eingesetzt worden wäre. So sicher sind sich da aber nicht mal die Kirchenvertreter selbst. So findet sich zum Beispiel auf der Webseite einer evangelisch-lutherischen Gemeinde ein Text mit diesen Aussagen (Hervorhebungen von mir):

  • Johannes hat Recht behalten, auch wenn Jesus selbst niemanden getauft hat: In jeder Taufe in seinem Namen handelt nicht der, der tauft, sondern der Herr Jesus selbst.
  • Der, der uns getauft hat, heißt Jesus.

Jesus hat selbst niemanden getauft und der, der uns getauft hat, heißt Jesus? In der christlichen Gedankenwelt spielt Logik keine Rolle. Der Widerspruch und die sich daraus ergebende Unsinnigkeit und damit Unredlichkeit dieser Aussage bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Weiter gings in Frau Löws Antwort mit einem Zitat von Johannes Brenz, also des Mittelalter-Theologen, der Halluzinationen für Dämonenwerk hielt, der Hagel als Strafe Gottes ansah, der deswegen für mildere Hexenbestrafung plädierte und dessen Definition des Begriffes “Taufe” von Christen offenbar bis heute als bedeutsam und gültig angesehen wird:

Was ist die Taufe?
„Die Taufe ist ein Sakrament und göttlich Wortzeichen, womit Gott, der Vater durch Jesus Christus, seinen Sohn, samt dem Heiligen Geist bezeugt, dass er dem Getauften ein gnädiger Gott wolle sein und verzeihe ihm alle Sünden aus lauter Gnade um Jesu Christi willen und nehme ihn auf an Kindes Statt und zum Erben aller himmlischer Güter.“*

Mit der Taufe soll also ein Gott durch seinen Sohn und “samt dem Heiligen Geist” etwas bezeugen. Wie kann jemand oder etwas, für dessen Existenz es keinen einzigen seriösen Beleg gibt, etwas bezeugen? Natürlich bestenfalls genauso, wie zum Beispiel das Tapfere Schneiderlein bezeugen kann, dass es “Sieben auf einen Streich” erledigt hat.

Dieser erfundene, dreiteilige Gott bezeugt also angeblich zumindest seine Willensabsicht, ein “gnädiger Gott” zu sein (wirklich versprechen will ers wohl lieber mal nicht…). Als kleine Aufmerksamkeit verzeiht er dem Täufling außerdem alle Sünden.

Was ist von Menschen zu halten, die behaupten, Neugeborene hätten Sünden, die ihm göttlicherseits erstmal verziehen werden müssten? Die Behauptung einer realen “Erbsünde” ist Unsinn, weil sie nur auf dem Märchen von Adam und Eva basiert. In Wirklichkeit ist es viel einfacher als geglaubt: Ohne Adam und Eva keine Erbsünde, ohne Erbsünde keine Erlösung, ohne Erlösung kein Christentum.

Wer genau “an Kindes Statt” aufgenommen und beerbt werden soll, geht aus meiner Sicht nicht eindeutig aus dieser Aussage hervor, spielt aber in Wirklichkeit genausowenig eine Rolle wie alle anderen Behauptungen, die nur von nicht real existierenden Wesen bezeugt werden.

Wenn man Brenz’ Definition der Taufe annimmt, kann man die Antwort kurz und knapp zusammenfassen:

Die Taufe ist eine Zeremonie, in der Menschen vorgegaukelt wird, es gäbe einen Gott, der es ab jetzt besonders gut mit ihnen meint.

Da es keinen einzigen seriösen Anhaltspunkt für die Existenz von Göttern gibt und es somit folglich auch keine verbindlichen Aussagen über göttliche Eigenschaften oder Absichten geben kann, ist die oben zitierte Begründung nichts als eine heuchlerische Illusion. Wer solche Zeremonien an Kindern durchführt, verhält sich höchst frag- und kritikwürdig.

Die Taufe zeigt, dass ich damit Gottes Kind bin – ich gehöre zu Gott. Und ich gehöre in die Gemeinschaft der Glaubenden: in die Kirche.

Menschen sollten unbedingt selbst frei entscheiden können, ob und wenn ja ab wann und zu welchen Göttinnen oder Göttern sie “gehören” möchten. Nicht, weil die Taufe irgendeine tatsächliche Auswirkung hätte, sondern weil sie meist der Beginn der religiösen Indoktrination ist. Und so wundert es nicht, dass Frau Löw nach einigen lutherischen Anmerkungen zur Taufe in ihrer Antwort noch ergänzt:

Lass ich mein Kind taufen, dann ist wichtig, was auf die Taufe folgt. Eltern, Pat/innen und die Gemeinde müssen dem Kind vorleben, was das heißt, dem Vater im Himmel zu vertrauen. Wenn das Kind nicht durch ihr Beispiel zu eigenem Glauben und Vertrauen kommt, bleibt die Taufe schließlich leer und für die Getauften bedeutungslos.

Hier kommt nicht nur die tatsächliche Bedeutungslosigkeit, sondern auch die Tatsache zum Ausdruck, dass es in Wirklichkeit natürlich sehr wohl um den Beginn der Indoktrination mit religiösen Ideen geht.

Zu “eigenem Glauben und Vertrauen” zu kommen bedeutet in diesem Fall, kritisches Denken und Hinterfragen in Bezug auf religiöse Behauptungen abzulegen und durch ein möglichst unkritisches Akzeptieren von nicht beweisbaren Aussagen zu ersetzen.

Von einer Taufe allein hat die Kirche nur einen Anhänger mehr in der Statistik; erst durch die möglichst frühe, systematische Indoktrination werden die religiösen “Werte” und Ideen an die nächste Generation weitergegeben.

[…] Es ist die Frage, ob sie sich dann als etwas ältere Kinder oder als Jugendliche entscheiden können, ob sie getauft werden wollen. Wie sollen sie erleben, spüren, was Christsein ist, wenn sie es nicht von denen erfahren, denen sie vertrauen?

Genau das ist der Knackpunkt. Gerade in den ersten Lebensjahren übernehmen Kinder Werte und Informationen von ihren Eltern, ohne diese Aussagen kritisch hinterfragen zu können. Das hat sich in der sozio-kulturellen Entwicklung bewährt, kann jedoch auch dazu missbraucht werden, Kindern zum Beispiel religiöse Scheinwahrheiten von ihren Eltern einpflanzen zu lassen.

Aber zunächst sollten die Kinder erfahren: Meinen Eltern ist die Nähe Gottes wichtig, auch für mich.

Das könnten sie auch erfahren, ohne dass sie dazu gleich selbst ohne ihr Einverständnis in diese fragwürdige Gemeinschaft aufgenommen wurden. Wenn sie dann später auch noch die illusorische Geborgenheit Gottes tatsächlich für bedeutsam halten, könnten sie sich auch noch als Erwachsene für eine Mitgliedschaft entscheiden.

Die Gefahr, dass Menschen die Nähe Gottes als Illusion durchschauen könnten, ist viel zu groß, als dass die Kirchen anständigerweise auf die Indoktrination von Kindern verzichten könnten.

*Alle als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Originalartikel.

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