Mit Gläubigen sprechen: Street Epistemology

In einem Beitrag des Humanistischen Pressedienstes hpd stellte Autor Tobias Wolf den didaktischen Ansatz der Street Epistemology vor.

Der amerikanische Philosoph Peter Boghossian beschreibt diesen Ansatz in seinem Buch “A Manual for Creating Atheists“. Seiner Erfahrung zufolge sei diese Methode in Diskussionen mit Gläubigen erfolgreicher als andere.

Street Epistemology ist kurz gesagt ein dialektischer Ansatz mit dem Ziel, Menschen zur Reflexion über die Verlässlichkeit der Methode zu bringen, die sie nutzen, um zu ihren grundlegenden Überzeugungen zu gelangen.

Um das Konzept hinter diesem Neologismus besser zu verstehen, ist eine weitergehende Begriffsbestimmung hilfreich: “Epistemology” oder Epistemologie wird im Deutschen allgemein als Synonym für den philosophischen Zweig der Erkenntnistheorie benutzt.

Diese versucht (stark verkürzt) grundlegende Fragen nach den Voraussetzungen und dem Zustandekommen von Erkenntnis bzw. Wissen zu beantworten. Je nachdem, zu welchen Ergebnissen man hierbei kommt, fundiert man eine eigene Epistemologie. (Quelle: hpd)*

Weitere Informationen zu Street Epistemology findet man im oben erwähnten Beitrag, im Buch von Peter Boghossian oder auf streetepistemology.com. Dort wird der Begriff so definiert:

Foto: © Paul Pardi, wikimedia, (CC BY-SA 3.0)

Peter Boghossian lecturing
at Portland State University**

Street-Epistemologie (SE) ist ein dialektischer Ansatz, der den Menschen hilft, die Zuverlässigkeit der Methoden reflektieren, die sie verwendet haben, um zu einem tief verwurzelten Glauben zu gelangen.

Street-Epistemologie ist die Anwendung der Epistemologie (die Studie des Wissens) außerhalb des formalen akademischen Kontextes.

Es ist ein Verfahren und ein Konzept für sinnvolle, zivilisierte, nicht-konfrontative, respektvolle und produktive Gespräche, die sich an den Grundlagen unserer Überzeugungen bezüglich der Realität orientieren.

Ziel der Street-Epistemologie ist es, Menschen dazu zu anzuregen, die Prozesse, durch die sie zu ihren Erkenntnissen kommen, zu hinterfragen, ihren Glauben stärker zu reflektieren und Dogmatismus zu durchbrechen.

Street-Epistemologie ist dialektisch basiert, beruht auf der sokratischen Methode und wurde in in einem breiten Spektrum von Disziplinen, wie motivierende Gesprächsführung, angewandte Philosophie und kognitive Verhaltenstherapie durch die jüngsten evidenzbasierten Fortschritte modifiziert.

Kernprinzipien:

  • Verstandbasierte Prozesse – Nutzung von nachweislich sicheren Prozessen.
  • Der Glaube an die Grundlage von Beweismitteln.
  • Nicht vorgeben, Dinge zu wissen, die man nicht weiß.
  • Doxastische Offenheit – die Bereitschaft, den eigenen Glauben zu revidieren, wenn jemand genügend Beweise vorlegt.
  • Der Versuch, eine defensive Haltung zu vermeiden.
  • Konzentration darauf, Fragen zu stellen und den Standpunkt des anderen zu verstehen, statt zu debattieren.

(Quelle: streetepistemology.com)

Sehenswerte 5-Minuten Street-Epistemology-Gespräche gibts im Youtube-Feed von Anthony Magnabosco.

*Der als Zitat gekennzeichnete Abschnitt stammt aus dem eingangs genannten und verlinkten Beitrag des hpd.

**Teaserbild: Peter Boghossian lecturing at Portland State University – Foto: © Paul Pardi, wikimedia, (CC BY-SA 3.0)

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Letzte Aktualisierung: 29. Januar 2017