Luther: Nackte Tatsachen beim Evangelischen Kirchentag 2017

Die Kunstaktion 11tes-gebot.de zieht nun schon seit mehreren Jahren mit ihrer Moses-Statue durch die Lande und war auch beim evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin vor Ort.

Einmal mehr ermahnt Moses die Kirchen zur Einhaltung des 11. Gebotes, das sich auf einer bisher verschollenen dritten Steintafel befunden haben soll: “Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen!”

Moses in Berlin - (c) David Farago / 11tes-gebot.deDenn nach wie vor lassen sich sowohl die evangelische, als auch die katholische Kirche ihre Sommerfeste jeweils mit mehreren Millionen Euro vom Bund, von Ländern und von Kommunen subventionieren.

Die Moses-Aktion zum einen, aber besonders auch immer wieder die Reaktionen der Kirchen zum anderen haben dazu beigetragen, dass dieser Missstand, der sonst gerne und nach Möglichkeit verschwiegen wird, ins öffentliche Interesse gerückt wurde und wird. Also auch ins Interesse derer, deren Steuergeld für diese Glaubensfeste in Millionenhöhe verpulvert werden.

Nun verkündigen Religionsvertreter ja bei jeder Gelegenheit, wie wichtig Aufeinander-Zugehen, Dialogbereitschaft und Offensein für Gespräche sei. Wie heuchlerisch diese Offenheit ist, zeigt sich daran, wie die Kirchen mit der Kritik an der widerrechtlichen Subventionierungspraxis umgehen.

Auch zum Evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin war Moses angereist, um die EKD daran zu erinnern, dass sie ihren Kirchentag gefälligst selber zahlen möge.

Moses und Luther beim evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin, Leipzig und Wittenberg

Doch aus gegebenem Anlass kam Moses diesmal nicht allein. Denn anlässlich des 500jährigen Reformationsjubiläums gipfelt die “Lutherdekade” in einer schieren Glorifizierung von Martin Luther.  Mit rhetorsichen Tricks versucht man zwar, den Fokus auf die Reformation und damit weg von der mehr als problematischen Gestalt Luthers zu verschieben.

Das ändert aber nichts an dem Personenkult, den die evangelische Kirche genauso veranstaltet wie zahlreiche Politiker. Auch bei der Lutherdekade (die ja auch nicht Reformationsdekade heißt) sind wieder Millionen von Euro an öffentlichen Geldern im Spiel.


Quelle: rbb via facebook

Genauso ungern wie über Geld redet die evangelische Kirche über die dunklen Seiten ihres Helden. Und solche Seiten hat Luther wahrlich mehr als genug: Der Reformator war auch erklärter Frauenhasser, Sozialrassist – und er pflegte einen eliminatorischen Judenhass.

Grund genug, der christlichen, aber natürlich auch der religionsbefreiten Bevölkerung auch “die nackte Wahrheit” über Luther zu präsentieren. Und genau das ist die Message der zweiten überlebensgroßen Figur, die Aktionskünstler David Farago aus glasfaserverstärktem Pappmachée seinem Moses an die Seite stellte:

Fotos: David Farago / 11tes-gebot.de

In einem Interview mit dem Ketzerpodcast verrät David einiges über die Hintergründe und darüber, was es mit seinem zeigfreudigen Luther auf sich hat.

Kirchen verschaffen der Aktion durch ihr Verhalten zusätzlich Publicity

Wie auch schon letztes Jahr beim Katholikentag in Leipzig sorgten auch diesmal die Veranstalter des Glaubensfestes unfreiwillig für richtig viel Publicity. So war “Moses und Martin” trotz vorliegender Genehmigung  der “Zutritt” zum Veranstaltungsgelände mit Verweis auf das Hausrecht untersagt worden.

Die Anzeige wegen des Anfangsverdachtes auf Volksverhetzung durch eine aufgebrachte Passantin sorgte für einen vorübergehenden Platzverweis, was später jedoch wieder aufgehoben wurde.

Man hätte sich nicht deutlich genug von den antisemitischen Äußerungen Luthers, die auf dessen Mantel zu lesen sind, distanziert, hatte es zunächst geheißen. Natürlich war Dr. Martin Luther als Quelle dieser unsäglichen Forderungen gut sichtbar auf der Figur angegeben.

Und deutlicher lässt sich eine Distanzierung von diesen Ansichten ja wohl kaum darstellen als durch dieses Gesamtkunstwerk. Bei dem am Schluss sogar noch das Material ausgegangen und eine bestimmte “nackte Tatsache” deswegen besonders minimalistisch ausgefallen war…

Trotzdem (oder vielleicht auch gerade deswegen) griffen etliche regionale und überregionale Medien das Thema auf und berichteten darüber. So brachte etwa auch die “heute-show” (ZDF) einen Beitrag, in dem aus dem Kirchentags-Slogan “Ich sehe dich” der Slogan “Ich bezahle dich” wurde:

In einem weiteren Beitrag stellte Birte Schneider als Pastorin eines nicht ökomenischen, sondern eines okönomischen Gottesdienstes dar, von welchen Firmen sich der Kirchentag zusätzlich noch hatte sponsoren lassen:

Infos rund um den Kirchentag 2017 und das 11. Gebot

Ausführliche Informationen zur Moses/Luther-Aktion im Rahmen des ev. Kirchentages 2017 in Berlin, Leipzig und Wittenberg gibts u. a. hier:

*Bilder mit freundlicher Genehmigung des Urhebers David Farago / 11tes-gebot.de
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Letzte Aktualisierung: 27. Mai 2017