Transsubstantiation: Jesus Christus und die Magensäure

Auf katholisch.de geht man in diesem Beitrag vom 18.5.2017 (also im 21. Jahrhundert) der Frage nach, wie lange die Verwandlung (Transsubstantiation) von Oblaten in Menschenfleisch nach deren Verzehr anhält.

Befasst man sich kritisch mit religiösen Scheinwirklichkeiten, so stößt man mitunter auf Bizarres. Viele Geschichten sind so hanebüchen, dass man sich kaum vorstellen kann, dass erwachsene Menschen sie heute noch für wahr halten.

Interessanterweise sind auch tiefgläubige Menschen oft problemlos in der Lage, religiöse Absurditäten aller Art zu erkennen. Aber nur, solange es sich nicht um ihre eigene Religion handelt.

Mormonen-Gründer Joseph Smith soll die Goldplatten mit dem Buch Mormon mit Hilfe der Sehersteine Urim und Tummim, welche sich bei den Platten befanden haben sollen, ins Englische übertragen haben? Lächerlich!

Männer und Frauen dürfen in der hawaiischen Religion nicht gemeinsam essen, außer auf Seereisen in kleinen Kanus? Den Frauen ist der Verzehr von Schwein, Meeresschildkröte und Hunden, sowie Bananen und Kokosnüssen durch Tabu grundsätzlich verboten? Völlig Absurd!

Oblaten und Wein können durch einen priesterlichen Zauberspruch in menschliches Fleisch und Blut verwandelt werden und behalten diese Eigenschaft, bis sie nach etwa 15 Minuten nach dem Verzehr durch die Magensäure aufgelöst werden? Aber natürlich!

Transsubstantiation: Religiöse Scheinwirklichkeit und verordneter Denkverzicht

Diese Vorstellung ist in der katholischen Lehre dogmatisch als Wahrheit festgelegt. Unter anderem deshalb halte ich es für durchaus legitim, in Bezug auf die katholische Lehre von einer religiösen Scheinwirklichkeit zu sprechen.

Konfrontiert man Christen mit der Tatsache, dass ihre Religion einen Denkverzicht von ihnen verlangt, so reagieren sie nicht selten mehr oder weniger beleidigt. Dieses Beleidigtsein ist recht einfach nachvollziehbar: Es macht vermutlich nicht gerade Spaß, Dinge, die jeglicher Plausiblität entbehren, wider besseres Wissen für wahr halten zu müssen. Und noch viel weniger, solche Ideen auch noch argumentativ verteidigen zu müssen.

Am besten hilft hier, kritisches Hinterfragen tunlichst zu vermeiden. Und einfach zu glauben.  So, wie es die christliche Lehre ja auch von ihren Anhängern verlangt.

Also etwas für wahr zu halten, was augenscheinlich und offensichtlich nicht wahr ist. Zum Beispiel, dass man als gläubiger Katholik tatsächlich menschliches Fleisch verzehrt, wenn man sich eine verzauberte Oblate auf der Zunge zergehen lässt.

Jetzt ist es nicht etwa so, dass es sich dabei um längst in Vergessenheit geratene, aus dem Mittelalter übriggebliebene bizarre Riten handelt, die heute keine Rolle mehr spielen.

Im Gegenteil: Die Transsubstantiation, also die tatsächliche (und nicht etwa nur symbolische) Verwandlung von Brot und Wein in das Fleisch und Blut von Jesus Christus ist ein zentrales katholisches Dogma.

Und für die katholische Kirchen von so großer Bedeutung, dass gemeinsame Feiern mit den christlichen Glaubensbrüdern und -Schwestern von der evangelischen Abteilung bis heute am “unterschiedlichen Eucharistieverständnis” scheitern.

Anachronismus Deluxe

Die Macher der Webseite katholisch.de nutzen modernste Internet-Technik, um Dinge wie diese online zu verkündigen:

 Für die katholische Kirche ist die Sache klar: Die Eucharistie ist kein Gedächtnismahl, keine bloße Zeichenhandlung. Im Sakrament ist “wahrhaft, wirklich und substanzhaft der Leib und das Blut zusammen mit der Seele und Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und daher der ganze Christus enthalten” (KKK 1374). Der Katechismus der katholischen Kirche drückt mit diesen Worten den Glauben an die Realpräsenz, die wirkliche Gegenwart Christi aus. In der Messe werden aus Brot und Wein tatsächlich Leib und Blut des Herrn.*

Wer solche Ideen ernsthaft für wahr hält, dem stellen sich einige Fragen. Allen voran die Frage nach dem Geisteszustand. Die katholische Theologie hingegen hat ganz andere Fragen zu bewältigen, wie zum Beispiel die im Folgenden gestellte:

Aber wie lange hält seine Gegenwart an, nachdem die Hostie bei der Kommunion verzehrt wurde?

Man mag es kaum für möglich halten, aber mit Themen wie diesen haben sich schon Generationen von Theologen ernsthaft auseinandergesetzt. Bis ins kleinste Detail hat man sich mit solchen und ähnlichen Fragen befasst. Bis heute.

Man tut einfach so, als gehe man tatsächlich und ganz selbstverständlich davon aus, dass eine Backoblate durch eine Zauberformel in das Fleisch eines Menschen, der vor rund 2000 Jahren gestorben sein soll, verwandelt werden könne. Scheinprobleme einer angemaßten Möchtegern-Wissenschaft.

Etwa 15 Minuten nach dem Verzehr ist Jesus Geschichte

Die nach katholischer Lehre für wahr zu haltende Antwort sei dem geneigten Leser nicht vorenthalten:

Die Realpräsenz hält solange an, bis die Gestalten keinen Bestand mehr haben, sie sich also im Magen aufgelöst haben. Denn die sakramentale Gegenwart ist an das Zeichen – Brot und Wein – gebunden. Allgemein geht man davon aus, dass eine Hostie – gewöhnlichen Verdauungsprozessen entsprechend – nach etwa 15 Minuten vollständig aufgelöst ist.

Nochmal: Das steht nicht etwa in einem klösterlichen Manuskript aus dem frühen Mittelalter. Sondern auf einer Webseite im Internet. Veröffentlicht am 18. Mai 2017.

Gläubige werfen Glaubenskritikern mitunter vor, dass diese sich über ihre Glaubensinhalte lustig machen. In Anbetracht solcher Behauptungen erübrigt sich das mit dem Lustigmachen. Und weicht einem ungläubigen Kopfschütteln…

Die Gedanken sind frei – auch die ganz besonders wirren

Und trotzdem: So widerlich, abstoßend und verstörend (bzw. gestört) die Vorstellung auch sein mag, in menschliches Fleisch verwandelte Oblaten zu sich zu nehmen – wer meint, ein solches Ritual sei irgendwie sinnvoll, dem sei der Spaß natürlich gegönnt, solange dabei keine gleichberechtigten Interessen anderer verletzt werden.

Eine milliardenschwere staatliche Subventionierung und Sonderprivilegierung einer Institution, die den Verzehr von Menschenfleisch und -blut als bedeutsamste Zeremonie durchführt, ist jedoch ein nicht tolerierbarer Skandal.

Dass es einer solchen Institution gestattet ist, Menschen vom Säuglingsalter an mit ihrer wirren mythologischen Scheinwirklichkeit zu indoktrinieren, halte ich für einen katastrophalen Missstand.

Wer heute noch ernsthaft an die besondere Wirk- und Bedeutsamkeit von solch bizarren rituell-kannibalistischen Zeremonien glaubt, kann nicht erwarten, irgendwie ernst genommen zu werden.

Und trotzdem maßen sich genau solche Leute an, aus ihrer religiösen Scheinwirklichkeit heraus Aussagen über die natürliche, irdische Lebenswirklichkeit aller Menschen im 21. Jahrhundert zu treffen.

*Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Beitrag zum Thema Transsubstantiation.
**Wir haben keinen materiellen Nutzen von verlinkten oder eingebetteten Inhalten oder von Buchtipps.

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Letzte Aktualisierung: 19. Mai 2017