wählerisch-sein: Art. 33 (2) (3)

Auf der Webseite wählerisch-sein.de betreibt das Evangelisch-Lutherische Landeskirchenamt Sachsens laut eigener Darstellung eine “Guerilla-Kampagne für mehr Wahlbeteiligung & Demokratie.” 

Der Versuch, einigen Artikeln aus dem Grundgesetz irgendwie passend erscheinende Bibelzitate zuzuordnen legt allerdings eher die Vermutung nahe, dass es sich dabei um einen Versuch handelt, die Wahl dazu zu nutzen, die “Heilige Schrift” noch als irgendwie relevant für die heutige Zeit darzustellen.

Art. 33 (2) Jeder Deutsche hat nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte.
Art. 33 (3) Der Genuß bürgerlicher und staatsbürgerlicher Rechte, die Zulassung zu öffentlichen Ämtern sowie die im öffentlichen Dienste erworbenen Rechte sind unabhängig von dem religiösen Bekenntnis. Niemandem darf aus seiner Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einem Bekenntnisse oder einer Weltanschauung ein Nachteil erwachsen.

Du sollst das Recht nicht beugen und sollst auch die Person nicht ansehen und keine Geschenke nehmen. Denn Geschenke machen die Weisen blind und verdrehen die Sache der Gerechten. (Deut 16,19)

Jetzt scheinen sich die Autoren von wählerisch-sein.de ganz von der Vorgabe verabschiedet zu haben, dass ihre Bibelstelle irgendetwas mit dem Grundgesetzartikel zu tun haben sollte. Einen Zusammenhang zwischen diesem Gesetzestext und der biblischen Aufforderung, keine Bestechung anzunehmen, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Themaverfehlung. Setzen, 6.

Einen Passus, der Rechte unabhängig vom religiösen Bekenntnis garantiert, wird man freilich in der Bibel vergebens suchen. Denn hier ist gerade das das wichtigste Unterscheidungsmerkmal.

Was religiöse Verkünder nicht davon abhält, die biblischen Anweisungen so zu darzustellen, als seien damit alle Menschen, also auch Un- und Andersgläubige gemeint. Was nicht der Fall ist (Hervorhebung von mir):

  • Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. (Joh 14,15)
  • Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht! Marána tha – Unser Herr, komm! (1. Kor 16, 22)
  • Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ihr König werde bringt sie her und macht sie vor meinen Augen nieder! (Lk 19,27)

Quellen

  • Quelle der Auszüge aus dem Grundgesetz: © Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Stand: 23.12.2014
  • Quelle der als Zitat gekennzeichneten Bibelstellen: © Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung revidiert 2017
  • Quelle der kursiv gekennzeichneten, eingerückten Bibelzitate: Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart.

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Letzte Aktualisierung: 30. August 2017