Wer die Wahl hat, hat die Qual? – Das Wort zum Wort zum Sonntag

Wer die Wahl hat, hat die Qual? – Das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündet von Elisabeth Rabe-Winnen (ev.), veröffentlicht am 23.8.2017 von ARD/daserste.de

[…] Mein Zukunftsbild ist dies: Menschen wohnen Tür an Tür. Als Weltenbürger, die sich nebenan Zucker leihen. [Frau Rabe-Winnen beschreibt im Weiteren ihre Zukunftsvisionen] […] Und wir alle sind frei. Und setzen unsere Freiheit ein. Für jeden. Und besonders für die Hilflosen. Die, die in meiner Straße wohnen. Oder am anderen Ende der Welt, eingeholt von Katastrophen.*

Frau Rabe-Winnen, Sie beschreiben hier mehr oder weniger eine freie und offene Gesellschaft. Wenn Sie sich für diese Freiheit einsetzen möchten, empfehle ich das Projekt vom teamfreiheit.info. Dort macht man sich Gedanken darüber, worauf eine solche Gesellschaft basiert. Und worauf es ankommt, um eine solche Freiheit zu erreichen.

And no religion, too

Alle beliebigen religiösen Glaubensinhalte sind in solchen Gesellschaften frei wähl- und glaubbar. Solange sie nicht die Gesetze und ethische Standards verletzen.

Auch wenn religiöser Glaube gerne einen Platz in offenen und freien Gesellschaften haben kann: Als Grundlage für solche Gesellschaften sind Religionen indes überflüssig geworden. Weil Religionen keine Antworten oder gar brauchbare Lösungen für die Herausforderungen liefern, vor denen die Menschheit heute steht.

Und dann gibt es auch Menschen, die gänzlich andere Vorstellungen davon haben, wie die Menschen in Zukunft zusammen leben sollten. Auch die behaupten, im Namen, Sinne und Auftrag ihres Gottes zu handeln. Die verleihen allerdings selten Zucker an ihre weltbürgerlichen Nachbarn…

Einmal mehr sei in diesem Zusammenhang auf das Buch “Die Legende von der christlichen Moral” verwiesen.

Gott bei der Wahl?

Gott hat uns gewählt, uns um die Welt zu kümmern.

WahlFrau Rabe-Winnen, woher wissen Sie, dass Gott uns gewählt hat? Aus einer Mythen- und Legendensammlung, die sich Menschen in der Bronzezeit und im Vormittelalter ausgedacht haben? Falls ja: Halten Sie antik-orientale Mythologie tatsächlich für eine brauchbare Quelle, wenn es um ein so gewichtiges Thema wie die Zukunft der Menschheit geht?

Und was soll das für ein Gott sein, der sich eine Welt erschafft, in der es praktisch allgegenwärtig unvorstellbares Leid und Elend gibt und der dann eine bestimmte höherentwickelte Trockennasenaffenart damit beauftragt, sich um sein verpfuschtes Werk zu kümmern? Trotz angeblicher Allmacht, Allwissenheit und Allgüte? Ein sadistischer Psychopath?

Ist es nicht viel näherliegend und sinnvoller, sich des irdischen Lebens wegen darum zu bemühen, die Erde als einen friedlichen und gesunden Lebensraum für alle Lebewesen zu erhalten? Statt ein göttliches Phantasiewesen mit mehr als fragwürdigen moralischen Standards ins Spiel zu bringen?

Wer kümmert sich um die Welt?

Und wenn Sie unbedingt an der Vorstellung festhalten möchten, Gott hätte irgendwann mal vor der Wahl gestanden, wen er mit der Verwaltung seiner Welt beauftragen solle: Dann dürfte die Wahl  ja wohl eher zum Beispiel auf Bakterien gefallen sein, oder? Von denen wusste man freilich noch nichts, als die biblischen Texte damals verfasst wurden. Und natürlich möchte man sich lieber selbst als die “Krone der Schöpfung”, “nur wenig geringer gemacht als der Herr selbst” fühlen.

Und wen meinen Sie eigentlich mit “uns”? Die ganze Menschheit? Oder nur die Anhänger des biblischen Monogottes?

[…] Er sagte: Ich vertraue Euch diese Welt an. Und ihre Zukunft. Und er sagte: Ich bin da. Mit meinem Segen. Und begleite Euch.

Das sagte er genauso, wie Rumpelstilzchen sagte: “Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß’!” Oder Darth Vader zu Luke: “Nein, ich bin dein Vater.” Das hat er nämlich tatsächlich gesagt, und nicht etwa, wie oft zu hören: “Ich bin dein Vater.” Aber eben nur im Film. Nicht in “echt.”

Nein, Frau Rabe-Winnen, Gott hat nichts gesagt. Noch kein Gott hat jemals irgendetwas tatsächlich gesagt. Es waren immer nur Menschen, die behauptet haben, Gott habe etwas gesagt.

Und auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole: Was wäre ein solcher Gott anderes als ein sadistischer Psychopath? Wenn er trotz angeblicher Allmacht, Allwissenheit und Allgüte (was schon rein logisch gar nicht möglich ist) das von ihm geschöpfte Elend segnend, also tatenlos begleitet? Statt etwas dagegen zu tun?

Verantwortung für seine Welt?

Gott hat uns gewählt, Verantwortung zu tragen für seine Welt.

Nein, hat er nicht. Wir tragen selbst Verantwortung. Nicht für seine, sondern für die Welt, auf der und in der wir leben. Egal, wie oft Sie Ihre mythenbasierte Scheinwirklichkeit noch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen oder sonstwo öffentlich verkünden: Sie wird dadurch nicht wahrer, relevanter, oder wenigstens sinnvoller.

Aber vermutlich mussten Sie nur wiedermal möglichst einige Sätze in Ihrer Verkündigung unterbringen, in denen Begriffe zum heutigen Schlüsselwort “wählen” vorkommen. Und vermutlich rechnen Sie auch nicht damit, dass sich irgendwer mit Ihrer Verkündigung auseinandersetzt. Schon gar nicht kritisch.

Wie wahr hilft Gott?

[…] Und dann werden sie vereidigt. Und sagen: Ja, ich tue meinen Dienst. Und viele von ihnen sagen dann auch diese Worte: So wahr mir Gott helfe.

Manche Machthaber greifen sicherheitshalber sogar gleich zu zwei Bibeln, um darauf zu schwören. Doppelt hät besser, scheint die Devise zu sein. Nur: Null plus Null gibt Null. Göttern ist es völlig egal, wer auf ihre Hilfe schwört.

Auf die Hilfe eines Gottes zu schwören, öffnet freilich ein cleveres Hintertürchen. Denn Götter helfen nicht. Nichts kann redlicherweise mit dem Wirken von übernatürlichen Wesen in einen ursächlichen Zusammenhang gebracht werden. So etwas kann man sich lediglich ausdenken. Und (sich etwas darauf) einbilden.

Mit einem Schwur auf die Wahrheit, dass Gott einem helfe, hat man den Wahrheitsbegriff elegant ausgehebelt. Denn wenn es wahr sein können soll, dass Gott helfe, dann kann alles Beliebige andere auch wahr sein..

Was wird wirklich wirklich?

[…] Ja, manchmal gelingt es. Da hat eine ein Bild der Zukunft im Kopf. Und das wird wirklich. Entwerfen Sie Ihr Bild der Zukunft – und halten Sie es lebendig! Daraus wächst die Kraft für jeden Schritt.

Genau: Daraus wächst die Kraft für jeden Schritt. Aus den Vorstellungen und Zukunftsbildern von Menschen.Und zur Gestaltung der Zukunft der Menschheit im 21. Jahrhundert ist es allerhöchste Zeit, sich von mythenbasierten Vorstellungen über Götter, Geister und Gottessöhne und deren behaupteten Eigenschaften, Absichten und Verhaltensweisen zu verabschieden.

Und sich der irdischen, natürlichen Wirklichkeit zuzuwenden. Also der Wirklichkeit, in der Götter nur in der menschlichen Phantasie existieren und agieren. Im höchsteigenen und im Interesse der Mitlebewesen sollte man sich Gedanken um die Zukunft machen. Und nicht wegen eines vermeintlichen Auftrages eines bestimmten Götterwesens.

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich Ihnen!

Was konkret meinen Sie mit “gesegnet”? Was unterscheidet einen gesegneten von einem nicht gesegneten Sonntag?

*Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Originalbeitrag zum Thema Wahl.
**Wir haben keinen materiellen Nutzen von verlinkten oder eingebetteten Inhalten oder von Buchtipps.

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Letzte Aktualisierung: 25. September 2017