Adventsserie Teil 2 – Familienfest ?! – Gedanken zu Nachgedacht … (250)

Adventsserie Teil 2 – Familienfest ?! – Gedanken zu Nachgedacht … (250), Originalbeitrag verfasst von Christina Lander, veröffentlicht am 10.12.2017 von Osthessennews

[…] Heute starten wir mit der ersten der drei Topantworten: Familienfest.

Familienfest ist die erste der drei Topantworten? Hatten wir nicht letzten Sonntag schon mit der ersten der drei Topantworten gestartet: Besinnlichkeit?

Wir werden gerade medial überschüttet: Lebensmitteldiscounter, Onlineshops und Werbung möchten uns das Weihnachtsgefühl mitverkaufen und ganz oben auf der Marketingliste steht: Emotionen wecken.

Ich habe den Eindruck, dass das in Wirklichkeit genau andersherum ist. Denn die Kirchenfunktionäre und ihre Angestellten profitieren doch vorzüglich von dem Weihnachtshype, den der Handel alljährlich aufs Neue entfacht.

Wie ja auch die Umfrage der Autorin bestätigt hatte, interessieren sich immer weniger Menschen überhaupt noch für die religiöse Bedeutung dieses Festes. Ohne die Emotionen, die der Handel für seine Zwecke weckt, wäre vermutlich auch das Weihnachtsfest schon längst in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

Was mit religiösen Festen passiert, die nicht kommerziell instrumentalisiert wurden, sieht man zum Beispiel an Pfingsten. Oder auch an allen anderen Feiertagen außer Ostern und Weihnachten. Diese spielen außerhalb der christlichen Herde praktisch keine Rolle mehr. Nicht mal dann, wenn sie mit einem arbeitsfreien Tag verbunden sind.

Familienfest: Es fehlt etwas?

Die Werbung erfreut uns, ein Sohn kommt wieder nach Hause, die Familie ist an Weihnachten vereint. Das allein finde ich schon wirklich toll, aber es fehlt für mich einfach etwas.

Frau Lander, Sie können sich Ihr persönliches Weihnachten doch so mit Elementen aus der biblischen Wüstenmythologie erweitern, wie es Ihnen gefällt. Niemand hindert Sie daran. Die Gedanken sind seit Aufklärung und Säkularisierung frei. Denken Sie, was Sie wollen. Und glauben Sie, was Ihnen glaubwürdig erscheint.

Sie leben in einem Land, in dem Sie heute niemand mehr daran hindert, zu glauben, was Sie möchten. Oder Sie dafür bestraft, wenn Sie an den falschen Gott glauben. Die Meinungs-, Religions- und Redefreiheit sind Werte, von denen heute in offenen und freien Gesellschaften auch die profitieren, die diese Werte mit brutalster Gewalt bekämpft hatten, solange sie noch die Macht dazu hatten.

Weihnachten wird verkauft?

Weihnachten wird uns immer mehr als pompöses Fest verkauft, an dem das Styling, das Essen und die Atmosphäre perfekt sein müssen.

Wie schon geschrieben: Seien Sie doch froh, dass das so ist! Dass noch jemand ein Interesse daran hat, zumindest die gesellschaftlich-traditionell-folkloristisch-kommerziellen Aspekte von Weihnachten alle Jahre wieder zu aktivieren.

Auch wenn mittlerweile kaum noch jemand das Christuskind vermisst. Das auch dieses Jahr wieder nicht auf die Erde nieder kommen wird. Außer natürlich in der Phantasie von Christen. Und werbewirksam in Form von Schauspielern auf diversen Weihnachtsmärkten.

Wobei diese heutzutage eher in der Liga spielen, in der auch Weihnachtsmänner unterwegs sind. An den biblischen Geburtsmythos erinnert da bestenfalls noch die Namensähnlichkeit.

Was verlangt Weihnachten uns ab?

Und im besten Fall ist das ein Tag, an dem die Familie sich wieder einmal trifft – man möchte mit seinen “Lieben” zusammen sein.

Jawoll!

Doch geht das nicht an dem, was Weihnachten von uns abverlangt, auch ein bisschen vorbei?

Also, von mir verlangt Weihnachten gar nichts ab. Weder in religiöser, noch in kommerzieller Hinsicht. Jeder kann doch selbst entscheiden, was ihm dieses Fest bedeutet. Und wie, bzw. ob er es feiert.

Sollen wir uns wirklich in unserer Wohlfühlzone den Bauch vollschlagen, um dann einmal jährlich in die Kirche zu spazieren und den lieben Christen zu spielen?

Wers mag – warum nicht? Ohne den großen Anteil der so genannten U-Boot-Christen, also die, die nur zu Ostern, Weihnachten und vielleicht noch anlässlich einer Taufe, Hochzeit oder Beerdigung in einer Kirche auftauchen, hätten die christlichen Kirchen ihren völlig unverhältnismäßigen Sonderstatus schon längst eingebüßt.

Harte Wirklichkeit

Das sind harte Worte, aber Weihnachten allein als Familienfest zu verkaufen, reicht einfach nicht.

Die Worte sind nicht hart. Hart mag die Erkenntnis für Kirchenangestellte sein, dass sich immer weniger Menschen die absurde christliche Wüstenmythologie verkaufen lassen möchten.

Wie schon geschrieben: Gestalten Sie sich Ihr Weihnachtsfest doch einfach nach Ihren persönlichen Vorstellungen!

Und hoffen Sie, dass Sie in die richtige Religion hineingeboren wurden. Die den tatsächlich wahren Gott verehrt. Die Wahrscheinlichkeit ist nämlich verschwindend gering, in Anbetracht der vielen tausend Götter, die sich die Menschheit schon ausgedacht hat.

Erstaunlicherweise haben die meisten religiös Gläubigen mit dieser großen statistischen Unwahrscheinlichkeit kaum Probleme. Denn natürlich wähnt sich jeder Gläubige, den einzig wahren Gott oder die einzig wahren Götter zu verehren.

Vielleicht…

Wir sollen unsere Herzen an Weihnachten öffnen und dort Menschen hinein lassen, die wir vielleicht abgeschrieben haben. Wir sollen vielleicht auch einmal unser Haus für Menschen öffnen, die es nicht so gut wie wir haben.

Dann tun Sie das doch einfach, Frau Lander! Und berichten Sie mal in einem der nächsten NACHGEDACHT von Ihrem Weihnachtsfest mit Menschen, die Sie vielleicht abgeschrieben oder die es nicht so gut wie Sie haben.

[…] Gerade für die Einsamen, die Verletzten, die Traurigen ist Weihnachten das Fest aller Feste, weil da jemand für sie kommt, der ihre einsamen Herzen wieder erfüllen möchte.

Meinen Sie mit “jemand” sich? Vermutlich nicht, weil Sie ja der Meinung sind, dass jedes Jahr zur Wintersonnwende der immer selbe Gottessohn wiedergeboren wird. Wieder und wieder. Alle Jahre wieder, sozusagen.

Alle Jahre wieder… kommt kein Christuskind

Insgeheim scheint Ihnen aber ja offenbar doch irgendwie bewusst zu sein, dass in der wirklichen Wirklichkeit keine Gottessöhne mit Herzerfüllungswünschen auf die Erde kommen.

Denn die unangenehme Frage, wieso es denn Einsame, Verletzte, Traurige gibt, deren Herzen auch dieses Jahr wieder nicht vom unehelichen Götternachwuchs aus der biblischen Legende erfüllt werden, umschiffen Sie in gewohnt theologischer Manier:

Nehmen wir uns doch einmal vor, uns an Weihnachten von dem kleinen Kind berühren zu lassen, um dann andere Menschen tief zu berühren.

Überlegen wir einmal, was das bedeutet. Da gibts also einen allmächtigen, allgütigen Gott. Als solcher müsste er ja eigentlich dafür sorgen können und wollen, dass niemand unter Einsamkeit, Verletzung und Traurigkeit leiden muss.

Ein Blick in die irdische Wirklichkeit zeigt, dass alle Arten von Leid quasi allgegenwärtig sind. Statt dieses Leid abzustellen, zieht es dieser Gott jedoch vor, sich Menschen in der Bronzezeit und im Vormittelalter zu offenbaren, was diese in Form von Mythen und Legenden niedergeschrieben hatten. Stichhaltige Beweise für die Existenz dieses Gottes gibt es freilich bis heute keine.

Jetzt hofft dieser Allmächtige darauf, dass sich Menschen von der Geburtslegende seines Sohnes (wahlweise seines eigenen zweiten Drittels) rund 2000 Jahre später noch berühren lassen, um sich dann an Seiner statt mitmenschlich zu verhalten?

Besonders viel scheint Gott nicht an der Krone seiner Schöpfung zu liegen, wenn er einen solch unsicheren Umweg wählt, um den Menschen seine Liebe zu zeigen. Oder genauer: Zeigen zu lassen. Bei Licht betrachtet scheint Göttern das Geschehen hienieden völlig einerlei zu sein. Gerade so, als ob es sie gar nicht gäbe.

Miteinander feiern – einfach so

Was spricht also dagegen, zum Jahresabschluss einfach “nur” ein Familienfest zu feiern? Vielleicht noch ein bisschen nach persönlichem Gusto garniert mit den heidnischen Symbolen und Gesten, die sich das Christentum irgendwann mal einverleibt hatte? So können Gläubige, Abergläubige und Glaubensbefreite problemlos und friedlich miteinander eine schöne Zeit verbringen und füreinander da sein.

Und wem ein Familienfest nicht reicht, um froh und munter zu sein: Die Wintersonnwende war schon lang vor der christlichen Zweckentfremdung ein Grund für Menschen, ausgelassen zu feiern.

Das Grippenspiel könnten Sie ja durch eine szenische Aufführung des beliebten und lehrreichen Märchens von Des Kaisers Neuen Kleidern ersetzen. Hier spielt ebenfalls ein kleines Kind die Schlüsselrolle.

*Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Originalbeitrag zum Thema Weihnachten als Familienfest.

FacebooktwitterredditpinterestlinkedintumblrmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedintumblrmail

Letzte Aktualisierung: 22. Dezember 2017