Good News – Das Wort zum Wort zum Sonntag

~ 4 Minuten

Good News – Das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Frau Sobottke am 14.12.2019, veröffentlicht von ARD/daserste.de

Darum geht es

Dass sie ihre Bastelsachen doch noch gefunden hat, zählt Pastorin Sobottke zu ihren 10 besten “good news” des Jahres. Wenn das mal kein Gottesbeweis ist!

Was ist nur aus dem lieben Gott geworden? Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn hatten sich seine Erfinder den Allmächtigen noch als den Schöpfer des gesamten Universums samt Himmel, Erde und Lebewesen und allem Pipapo imaginiert.

Später ließen sie ihn sich dann als mächtigen und gnadenlosen Kriegsherrn profilieren.

Nachdem die Geschichte dann doch nicht so verlaufen war, als dass man sich damit der Unterstützung durch den Allmächtigen hätte rühmen können, entstand – nolens volens – das Gottesbild vom eigentlich nur noch lieben Gott. Zu diesem Zweck war die neu hinzugekommene Gottessohnlegende nach und nach umfunktioniert worden.

Und heute? Heute versteckt der liebe Gott die Bastelsachen von Pastorin Sobottke. Damit diese darin die “Spuren Gottes in dieser Welt” erkennen kann. Und damit sie was zu erzählen hat im “Wort zum Sonntag.”

Dabei weiß doch heute jedes Kind, dass es in Wirklichkeit der Pumuckl® ist, der Dinge versteckt. Und nicht der Bibel-Christengott Jahwe (nur echt mit den drei Persönlichkeiten).

Top 10 der guten Nachrichten des Jahres

Im Ernst: Was soll man noch kommentieren, wenn eine erwachsene, studierte, geistig sicher gesunde und vermutlich ansonsten vernünftig denkende Frau im Jahr 2019 öffentlich erklärt, dass die beiden Erlebnisse

  1. auf der Suche nach Bastelsachen die Examensarbeit wiedergefunden und
  2. später auch die Bastelsachen doch noch gefunden

zu ihren persönlichen “Top 10 der guten Nachrichten des Jahres” gehören?

Und die, als ob es nicht schon so peinlich genug wäre, diese Punkte ursächlich dem Wirken oder zumindest der Absicht ihrer Gottesvorstellung zurechnet, wie der ursprünglichen Version des Teasertextes zur heutigen Sendung zu entnehmen war?

Good news werden nur als god news verkauft

Immerhin weicht die heutige Fernsehpredigt mal etwas vom sonst üblichen Wort-zum-Sonntag-Schema ab.

Denn sehr oft präsentieren die Berufschristen zunächst einen Missstand. Zu dessen Behebung sie dann irgendeine Lösung oder Anweisung nennen, die sie dann meistens auch schon in der biblischen Mythologie gefunden haben wollen.

Klar: Das Geschäft von Heilsverkäufern basiert auf Angst, Leid, Not und Verzweiflung.

Good news können diese Menschen höchstens dazu gebrauchen, um diese zu Indizien für die Existenz ihres allmächtigen, allgütigen Gottes zu erklären. Alle “good news” sollen dann als “god news” gelten.

Religiöse Phantasie vs. irdische Wirklichkeit

Unerwartete Heilungen, Liebesgeschichten, positive Wendungen, politische Entscheidungen, von denen Menschen profitieren: All das kann man sicher der Kategorie “good news” zuordnen.

Und immerhin in diesem Punkt stimme ich Frau Sobottke zu: Katastrophenmeldungen verkaufen sich wesentlich besser als good news wie etwa diese 99 Beispiele, die krautreporter.de jetzt veröffentlicht hat.

Eine einseitige Berichterstattung kann, besonders verbunden mit einigen weiteren kognitiven Fehlern und Schwächen zu einer verzerrten Wahrnehmung führen. Stichwort: Verfügbarkeitsheuristik.

Dass es für alle 10 Punkte auf Frau Sobottkes persönlicher “best of good news”-Liste weitaus plausiblere und damit bessere Erklärungen gibt als ausgerechnet das geheimnisvolle Handeln eines bestimmten magischen Himmelswesens, das offenbar seinen Spaß daran hat, wenn seine Anhänger von positiven Wahrnehmungen auf seine Existenz schließen, ohne sich zu fragen, warum ihr lieber Gott trotz Allmacht nicht in der Lage oder willens ist, unvorstellbares und allgegenwärtiges Leid zu mindern oder gleich ganz aus der Welt zu schaffen, ist so offensichtlich, dass es fast schon weh tun könnte, mit welcher Selbstverständlichkeit und sprichwörtlich schlafwandlerischen Selbstsicherheit Frau Sobottke ihre religiöse Wunschvorstellung (positive Ereignisse sind versteckte Hinweise eines Gottes an seine Anhänger) und die irdische Wirklichkeit (Ereignisse sind die Folge von Ereignissen, die dazu geführt haben) vermischt.

Religions-Tourette?

Geradezu grotesk, wenn nicht sogar schon fast etwas Besorgnis erregend erscheinen die sinn- und zusammenhangslos eingestreuten Glaubensphrasen wie:

  • Gottes gute Nachricht ist: Jesus kommt uns entgegen und läuft schon mit auf all den krummen Wegen!
  • Ich weiß nicht, was Ihre liebste gute Nachricht des Jahres ist, aber ich weiß, die Engel singen schon und Gott ist ganz nah.
  • Jesus kommt! Freund der Armen und der Liebenden, der Zartherzigen und Eigensinnigen. Wir kratzen unseren Mut zusammen und gehen tastend auf seinen Wegen. So wendet sich das Herz aus Furcht in Sehnsucht, ins Hoffen und ins Handeln. ‘Über dir geht Gottes Licht auf, und sein Glanz erscheint über dir.’
    (Quelle: Wort zum Sonntag, verkündigt von Frau Sobottke am 14.12.2019, veröffentlicht von ARD/daserste.de)

Frau Sobottke, auch wenn ich nicht weiß, was Sie mit diesem theologischen Füllmaterial ausdrücken möchten: Gerne können Sie unseren Theologie-Generator TheoGen 2 kostenlos nutzen, um sich weiteres theologisch klingendes Getexte für Ihre nächste Verkündigung generieren zu lassen.

Viel Spaß beim Basteln! Und Vorsicht mit der Schere!

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3 Gedanken zu „Good News – Das Wort zum Wort zum Sonntag“

  1. ” … aber ich weiß, die Engel singen schon und Gott ist ganz nah.” Sag`ich doch (siehe meinen Kommentar zu Frau Behnkens WzS vom 30.11.2019): Advent, Advent, ein Tütchen brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei …

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  2. Ab einer gewissen Schwelle kann ich nicht mehr an Dummheit glauben. Das, was Frau Sobottke da absondert, ist eine vorsätzliche, gezielte Verarsche der Schafe. Um derartiges fertigzubringen, muss man schon verdorben und bösartig sein. Aber wozu sonst studiert man Theologie?

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