Gedanken zu: Impulse von Stadtpfarrer Buß: Wo wohnt Gott?

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Gedanken zu: Impulse von Stadtpfarrer Buß: Wo wohnt Gott?, veröffentlicht am 16.06.21 von osthessennews.de

Darum geht es

Diesmal präsentiert Pfarrer Buß ein weiteres Beispiel religiöser Realitätsverweigerung, die genau die Kriterien einer Wahnerkrankung erfüllt.

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Kinder fragen oft danach, wo Gott wohnt.
(Quelle der so als Zitat gekennzeichneten Abschnitte: Impulse von Stadtpfarrer Buß: Wo wohnt Gott?, veröffentlicht am 16.06.21 von osthessennews.de)

Die Frage, wo Gott wohnt, stellen nur Kinder, denen Erwachsene von ihren jeweils selbst geglaubten Göttern erzählt haben. Kinder, bei denen die religiöse Indoktrination das vernünftige, kritische Denken noch nicht so weit korrumpiert hat, dass sie diese Frage nicht mehr stellen, weil sie sich das Geschwurbel ihrer Eltern oder ihres Pfarrers angeeignet haben.

Kinder von Eltern, die zum Beispiel an Shiva glauben werden kaum fragen, wo zum Beispiel Jahwe wohnt.

Dass „Gott“ ein problemlos austauschbarer Platzhalter für alles Beliebige ist, scheint Christen keine größeren Kopfschmerzen zu bereiten. Gläubige meinen mit Göttern immer ihre eigenen Götter.

Antworten in Bildern – was auch sonst?

Und auch Erwachsene wollen wissen, wo sie Gott finden: In der Natur? Im Gottesdienst? Oder in der Stille? Andere stellen sich vor, dass Gott im Himmel wohnt, auch wenn sie freilich nicht genau wissen, wie sie sich den Himmel vorstellen sollen. Wieder andere glauben, Gott sei in der Natur, sein Geist würde die ganze Natur durchdringen.

All das sind Antworten in Bildern.

Natürlich sind das Antworten in Bildern. Andere als bildhafte, symbolische Antworten könnte es ja nur geben, wenn man wenigstens irgendwelche Anhaltspunkte hätte, um von einer tatsächlichen Existenz eines Gottes ausgehen zu können. Oder zu müssen.

Die Bibel macht erstaunlich detaillierte Angaben über ihren Gott. Nur sind die so absurd, dass das offenbar kaum noch jemand so für wahr halten möchte, wie es da nun mal geschrieben steht.

Kaum erstaunlich: Der Bibelgott ist, bei Licht betrachtet, der wohl unangenehmste Charakter menschlicher Fiktion.

Christen bleibt gar nichts anderes übrig, als gegen das diesbezügliche biblische Gebot zu verstoßen und sich irgendwelche Bilder von ihrem Gott zu machen.

Religiös Gehirngewaschen

Wenn ich Kinder durch die Kirche führe und frage sie, „Was meint ihr, wo wohnt Gott?“ Da kommt oft die Antwort: „Vorne im Tabernakel, wo das Hl. Brot aufbewahrt wird, da wohnt Jesus!!“

…das sind dann die Kinder, bei denen die religiöse Gehirnwäsche schon weiter fortgeschritten ist.

Martin Buber (1878 – 1965, jüd. Religionsphilosoph) beantwortet die Frage „Wo wohnt Gott?“: „Gott wohnt dort, wo man ihn einlässt.“ Er meint damit wohl das menschliche Herz.

Das menschliche Herz ist, so unromantisch das vielleicht klingen mag, ein Hohlmuskel, der Blut durch den Körper pumpt.

Zustimmen könnte ich Herrn Buber, wenn er nicht das menschliche Herz, sondern das menschliche Bewusstsein gemeint haben sollte. Denn, Achtung, Spoiler-Alarm, genau da wohnen Götter. In menschlichen Gehirnen. Wie alle anderen Phantasiewesen und -vorstellungen auch.

Mir selbst nicht gut genug

Es bedeutet, dass ich mein Herz öffne für Gott – aus der Überzeugung heraus, dass ich mir selbst nicht genug bin. Wenn ich nur bei mir selbst bleibe, bin ich leicht in Gefahr, nur um mich und um mein Wohlgefühl zu kreisen.

Herzen öffnen sollte man Herzchirurgen oder Forensikern überlassen. Spaß beiseite – natürlich haben wir es hier – einmal mehr – mit einer Metapher zu tun.

Gemeint ist das Antrainieren und -gewöhnen der Einbildung, der geglaubte Gott sei nicht nur eine reale Größe, sondern er stünde in einer persönlichen Beziehung zu einem selbst.

Paradoxerweise beschreibt das, wovor Pfarrer Buß hier warnt, genau den Effekt, der Götterglaube dem Gläubigen bietet: Ein Kreisen um sich selbst und um das eigene Wohlgefühl.

Götter dienen als Projektionsflächen für die eigenen Wünsche, Ängste und Hoffnungen. Zumindest Monogötter finden immer genau das gut und richtig, was man selbst gut und richtig findet.

Um ihrem Gott zu begegnen, brauchen Gläubige ihre eigene Gedankenwelt nicht zu verlassen. Und deshalb meinen sie, Gott überall anzutreffen: Weil sie selbst ihn in ihrem eigenen Hirn mit sich herumschleppen.

Obwohl sich auch der Bibelgott exakt so verhält, als gäbe es ihn nicht, vertrauen gläubige Christen darauf, dass er es gut mit ihnen meint bzw. ihnen vergibt, wenn sie sich falsch verhalten haben. Und sie bilden sich ein, positive Erlebnisse in der realen Welt seien ein Beleg für die Unterstützung durch ihren wohlmeinenden und in ihrem Sinne handelnden imaginären Himmelsdiktator.

Herr, deine Liebe ist wie Schnaps im Glase…

Interessanterweise unterscheidet sich das Wohlgefühl, das sich Gläubige mit ihrem Götterglauben verschaffen nicht von dem Wohlgefühl, das sich Alkoholabhängige Menschen durch Alkohol zu verschaffen versuchen: Löst zwar kein einziges Problem, fühlt sich aber gut an, solange der Rausch anhält.

Beim Christengott kommt hinzu, dass Christen glauben, dieser würde dereinst über ihre postmortale Ewigkeit entscheiden. Also geht es auch hier wieder letztlich um sie selbst.

Je nach Ausprägung kann eine solche Überzeugung auch krankhafte Dimensionen annehmen (Hervorhebung von mir):

  • Wahn ist der Name für einen seelischen Zustand, der von starker Ichbezogenheit und falschen Urteilen über die Realität geprägt ist und so zu unkorrigierbaren Überzeugungen führt. Wenn ein solcher Zustand das Leben der betroffenen Person vollständig bestimmt, kann der Wahn als Krankheit aufgefasst werden.
    (Quelle: Wikipedia: Wahn)

Mit anderen Worten: Je ernster Gläubige ihren Götterglauben nehmen, desto mehr bewegen sie sich in Richtung Wahn.

Auch das scheint für Gläubige kein Problem darzustellen: Bei Bedarf können sie sich ihre private Gottesvorstellung ja jederzeit so zurechtbiegen, wie sie ihnen angenehm oder zumindest unverfänglich erscheint. Ohne dass sich faktisch irgendetwas ändert. Oder sie halten einfach an ihren unkorrigierbaren Überzeugungen fest.

Schwurbelfaktor 9000+

Genau diese religiös induzierte Ichbezogenheit und der glaubensbedingte Realitätsverlust kommen in Pfarrer Buß‘ weiteren Ausführungen zum Ausdruck:

Gott einlassen heißt also: Ich traue meiner Sehnsucht, dass nur Gott allein mein Herz beruhigen kann. Nur wenn ER in meinem Herzen wohnt, komme ich wirklich zu mir, werde ich frei von den Bildern, die ich mir von mir selbst gemacht habe. Dann bringt mich Gott mit dem Bild in Berührung, das er sich von mir gemacht hat.

Auch hier kann man wieder „Gott“ durch „Schnaps“ ersetzen, ohne dass sich an der Aussage etwas wesentlich ändert.

Es ist kein Gott, der jemanden mit irgendwas „in Berührung bringt.“

Sondern es ist der Gläubige selbst, der seine idealisierte, auf den Begriff „Gott“ projizierte Selbstwahrnehmung mit seiner tatsächlichen Selbstwahrnehmung abgleicht. Götter verhalten sich immer genau so, wie Gläubige meinen, dass sie selbst sich verhalten sollten. Dafür ist es völlig egal, an welchen Gott jemand glaubt.

Sehnsucht nach Gott?

Und wo Gott, das Geheimnis, in mir ist, kann ich bei mir selbst daheim sein. Dass Gott Wohnung nimmt im eigenen Herzen, das entspricht der tiefsten Sehnsucht des Menschen.

Also ich bin bei mir selbst daheim, ohne dass ich mir einbilden muss, ein Gott sei in mir. Den ich auch noch als „Geheimnis“ bezeichnen muss, um ihn an meinem Verstand und meiner intellektuellen Redlichkeit vorbeizumogeln.

Ob Herr Buß Menschen, die seine göttliche Realitätsverweigerung nicht teilen nicht als Menschen betrachtet oder ob er so tief in seiner religiös verstrahlten Vorstellungswelt gefangen ist, dass er gar nicht bemerkt, dass seine Pauschal-Aussage über die „tiefste Sehnsucht des Menschen“ eine arrogante Anmaßung ist, lässt sich nicht sicher sagen. Ich halte beides, oder auch eine Kombination davon für denkbar.

Herr Buß möge sich jedenfalls bei Aussagen über „tiefste Sehnsüchte“ auf seine eigenen beschränken.

…und alle anderen werden verbrannt

Jesus verheißt denen, die ihn lieben: „Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“ (Jo. 14,23) Die Liebe zu Jesus ist demnach eine Weise, das eigene Herz so zu öffnen, dass Gott darin einziehen kann.

Die Liebe zu Jesus ist bei Licht betrachtet eine klassische Nötigung. Denn denen, die es vorziehen, keine oder andere (Halb-)Götter zu lieben (also die Mehrheit der Menschheit), verheißt der biblische Romanheld dies (Hervorhebung von mir):

  1. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.
  2. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen.
    (Jo. 15, 5-6 EU)

Dieser Gott samt Sohn, Geist und seiner ganzen fiktiven Entourage kann von mir aus gerne bleiben, wo der himmlische Pfeffer wächst. Sowas will ich nicht in meinem Herz, Hirn oder sonstwo haben.

Was soll denn das für eine Art von Liebe sein, bei der man nicht nur wie im gerade genannten Gleichnis verbrannt, sondern laut biblischer Aussage zeitlich unbegrenzt mit physischer und psychischer Höllenfolter bei vollem Bewusstsein dauergequält wird, nur weil man sich zu Lebzeiten ausgerechnet diesen Gott nicht als Dauergast in die eigene Weltanschauuung holen mochte?

Ob es wohl mit der zölibatären Lebensweise zusammenhängt, wenn Leute seltsame Vorstellungen von „Liebe“ haben und diese zum Beispiel nicht von einer Erpressung unterscheiden können?

Wo Gott nicht wohnt

Eine Geschichte erzählt von dem Rabbi, der zu einem Kind sagte: „Ich gebe dir einen Gulden, wenn du mir sagen kannst, wo Gott wohnt.“

Darauf antwortete das Kind: „Und ich gebe dir einen Gulden, wenn du mir sagen kannst, wo Gott nicht wohnt.“ Klar, so ist das: Gott wohnt überall. Er wohnt in seiner gesamten Schöpfung. Gott ist überall zu Hause. Und dieses Wissen ist sehr tröstlich.

Dieses Wissen ist kein Wissen. Sondern Glauben.

Als solcher kann er genauso tröstlich sein wie der in diesem Beitrag zugegebenermaßen jetzt schon leicht überstrapazierte Schnaps des Alkoholkranken.

Den Gulden verdiene ich mir gerne und beantworte die Frage: Auch der Bibelgott wohnt bis zum Beweis des Gegenteils da, wo auch Zeus, Odin, Das Fliegende Spaghettimonster, der Weihnachtsmann und Benjamin Blümchen wohnen: In der menschlichen Phantasie.

Wenn Gott überall wohnt, dann ist es eigentlich egal, wo ich selbst gerade bin, dann weiß ich an jedem Ort: Gott ist schon da, er ist nahe bei mir.

Das stimmt demzufolge natürlich: Wer Göttervorstellungen, oft schon vom Kleinkindalter an in seinem Hirn mit sich herum trägt, der wird sie womöglich so schnell nicht los.

Und trotzdem kann es gelingen, sich von Gotteseinbildungen zu befreien und gottlos glücklich zu sein.

Einmal mehr sei auf die vielen Vorzüge eines möglichst wirklichkeitskompatiblen Weltbildes hingewiesen: Es nimmt einem zwar nicht das Denken und die Verantwortung ab wie religiöser Glaube. Aber es erleichtert den Umgang mit der Wirklichkeit, wenn man sich dieser stellt, statt sich in religiöse oder andere Scheinwirklichkeiten zu flüchten. Denn Götter lösen Probleme genauso wenig wie Schnaps.

Fragen Sie mal die Opfer pädokrimineller Priester und Nonnen, wo Ihr Gott wohnt, Herr Buß…

Wenn Gott überall wohnt, dann wohnt er zum Beispiel auch in den Einrichtungen, in denen katholische Priester und Nonnen der Kinderfickersekte (wie man die katholischen Kirche straffrei bezeichnen kann) Jahrzehntelang Kinder systematisch misshandelt und brutal vergewaltigt haben:

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1 Gedanke zu „Gedanken zu: Impulse von Stadtpfarrer Buß: Wo wohnt Gott?“

  1. >>Ob Herr Buß Menschen, die seine göttliche Realitätsverweigerung nicht teilen nicht als Menschen betrachtet oder ob er so tief in seiner religiös verstrahlten Vorstellungswelt gefangen ist, dass er gar nicht bemerkt, dass seine Pauschal-Aussage über die „tiefste Sehnsucht des Menschen“ eine arrogante Anmaßung ist, lässt sich nicht sicher sagen. Ich halte beides, oder auch eine Kombination davon für denkbar.<<

    Diese Auffassung ist sehr häufig bei Gläubigen anzutreffen!
    Es wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass ALLE(!!!) Meschen die selben Vorstellungen und Sehnsüchte haben, sowie die selben Erwartungen und Ansprüche, die nur Jahwe&Sohn erfüllen kann und wird!
    Das ein solches Verhalten, bzw. Einstellung an ein Stalker-Verhalten grenzt, ist dabei kaum bewusst!
    Denn, sie meinen es ja gut, wenn sie mir ihrer grenzelosen Liebe von Gott und Jesus' Liebestot, als Beweis dafür, losschwurbeln!

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