Gib uns Frieden!“ – Das Wort zum Wort zum Sonntag

Lesezeit: ~ 9 Min.

„Gib uns Frieden!“ – Das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Anke Prumbaum, veröffentlicht am 26.02.2022 von ARD / daserste.de

Darum geht es

Frau Prumbaum schildert heute, wie sie als Christin mit dem Krieg in der Ukraine umgeht. Ihre Strategie: Singen für den Frieden.

Zunächst erzählt sie von Angst und Ratlosigkeit, die ihr im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine in ihrem Umfeld begegnen.

Ja, das hilft?

[…] Wir haben angefangen zu beten in unseren Kirchen, bei uns in Moers und überall in Deutschland, ja, das hilft. Es war nicht die Zeit für große Worte, das fand ich auch richtig so, aber es war Zeit für große Bitten und zaghaftes Singen.

(Quelle der so als Zitat gekennzeichneten Abschnitte: „Gib uns Frieden!“ – Wort zum Sonntag, verkündigt von Anke Prumbaum, veröffentlicht am 26.02.2022 von ARD / daserste.de)

Hier gilt es zu differenzieren, was die Frage angeht, wem und wie es etwas hift, in dieser Situation zu beten.

Hilfreich mag dieses Verhalten tatsächlich für die sein, die sich da versammeln, um ihre Solidarität zum Ausdruck zu bringen. Das funktioniert aber auch ganz ohne Götter und Gebete.

…aber sicher nicht so, wie erbeten

Dass es jedoch tatsächlich hilfreich sein könnte, einen Wüstengott, den sich ein halbnomadischer Wüstenstamm in der ausgehenden Bronzezeit aus früheren Gottesvorstellungen zusammenphantasiert hatte um irgendetwas zu bitten, kann und sollte bis zum Beweis des Gegenteils ausgeschlossen werden:

Weder für die Existenz von Göttern außerhalb menschlicher Phantasievorstellungen, noch für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen deren angeblichen Absichten und Handlungen und der irdischen Wirklichkeit lässt sich auch nur ein einziger belastbarer Beleg finden.

Gäbe es einen solchen, bräuchte ja niemand mehr zu glauben.

Natürlich spricht nichts dagegen, einen Standpunkt oder eine Hoffnung zum Ausdruck zu bringen.

Allerdings führen sich Gläubige selbst in die Irre (bzw. lassen sich von Berufschristen in die Irre führen), wenn sie ihre Hoffnung auf die Unterstützung ihrer jeweils geglaubten Götter setzen.

Sowas fällt in der Gemeinschaft sicher leichter, als wenn man sich vor einen Spiegel stellt und seine Bitten an seinen jeweils geglaubten Gott formuliert.

Gebete lindern kein Leid

Am Freitag, während ich selber mal eben schnell einkaufen muss, denke ich daran, dass sich jetzt in Kiew lange Schlangen in den Läden und an den Tankstellen bilden, die Leute wollen weg. In der Kita neben meinem Garten höre ich die Kleinen kreischen und ich weiß, dass andere Kinder, gerade mal 2700 km entfernt, weinen vor Angst.

Und Sie meinen ernsthaft, Ihre „große Bitten“ an Ihren Gott würden an diesem Leid irgendetwas ändern? Wie stellen Sie sich das konkret vor, Frau Prumbaum?

Dass sich der allmächtige, allwissende und allgütige Schöpfer des Universums aus der biblisch-christlichen Mythologie sagt:

„Ouu… da muss ich jetzt aber dann wohl doch mal etwas unternehmen, wenn mich die Frau Prumbaum so groß darum bittet… …oder erfülle ich doch lieber die Bittgebete von Kirill und unterstütze Putin bei seinem Krieg…“?

Auf Kirill werden wir später noch zu sprechen kommen.

Schräge Gleichzeitigkeiten

Was für eine schräge Gleichzeitigkeit. Alle kleben an der Berichterstattung, die sozialen Medien voller weißer Tauben und das Brandenburger Tor in blau-gelb.

Ich erkenne hier auch eine weitere schräge Gleichzeitigkeit: Auf der einen Seite der Erkenntnis- und Entwicklungsstand der Weltbevölkerung zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Mit all ihren Problemen und Chancen.

Und auf der anderen Seite Menschen, die die Mythologie eines halbnomadischen Wüstenstammes aus der ausgehenden Bronzezeit bis heute für bedeutsam halten:

In Moers in unserer Stadtkirche haben wir gesungen: Gottes Wort gibt Trost, gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten. Das war gut. Und gleichzeitig schäme ich mich, dass ich hier über Gefühle rede, wo doch andere Angst um ihr nacktes Überleben haben.

Vorab: Dass „Gottes Wort“ nicht „Hoffnung und Zukunft“ gebracht hat, wie in Ihrem zitierten Kirchenlied behauptet, steht nach knapp 2000 Jahren in Anbetracht der „Kriminalgeschichte des Christentums“ wohl außer Frage. Allein schon deshalb halte ich eine solche kollektive Autosuggestion nicht für gut, sondern für ignorant und/oder infantil.

Scham für Mitgefühl?

Keine Frage: Es gibt Ereignisse und Situationen, die nur schwer zu verstehen und nur sehr schwer zu ertragen sind. Zusätzlich belastend kann die Erkenntnis sein, kaum etwas (oder auch gar nichts) an einem Leid verursachendem Zustand ändern zu können.

Wieso schämen Sie sich dafür, dass die Kriegssituation bei Ihnen Gefühle wie Traurigkeit und Verzweiflung auslöst, Frau Prumbaum?

Meines Erachtens könnte man es als Zeichen von Mitgefühl und Altruismus deuten, wenn Sie zwischen Ihren persönlichen Gefühlen und dem realen Leid der vom Krieg unmittelbar betroffenen Menschen differenzieren.

Dieses Schameingeständnis klingt für mich wie ein Versuch, eine diesbezügliche Kritik vorsorglich zu entkräften.

Ein tatsächlicher Grund, sich zu schämen

Einen tatsächlichen Grund, sich zu schämen, stellt vielmehr Ihr Umgang mit diesen Gefühlen dar:

Statt sich einzugestehen, dass Sie an der Situation an sich (vermutlich) weder kurz-, noch mittel- und auch nicht langfristig viel ändern können, flüchten Sie sich in Ihre religiöse Phantasiewelt.

Wo Sie sich Trost ausgerechnet von dem erhoffen, der die Welt, jedenfalls laut biblisch-christlicher Mythologie, so trostlos erschaffen hat. Von einem, der sich, sollte es ihn geben, exakt so verhält, als gäbe es ihn nicht.

Einmal mehr ist es ausgerechnet der religiöse Aspekt, den Sie getrost einfach hätten weglassen können. Wenn es sich beim „Wort zum Sonntag“ nicht um eine christlich-religiöse Verkündigungssendung handeln würde.

I hope the russians love their children too

Dass man sich mit dem Thema auch rein menschlich, also ohne Götterphantasien und Flucht in religiöse Scheinwirklichkeiten auseinandersetzen kann, belegt Frau Prumbaum nun selbst mit folgender Erwähnung:

Ich hatte vorher auch einen anderen Song im Kopf, aus den 80ern, von Sting. Ein Song aus der Zeit des Kalten Krieges, und er beschreibt die wachsende Anspannung zwischen der westlichen Welt und Russland. Sting fragt in dem Song, wie er seinen Sohn schützen könnte, wenn es denn zum Äußersten käme. Ich hatte immer wieder die Zeile im Ohr: I hope the russians love their children too. Übersetzt: Ich hoffe, die Russen lieben ihre Kinder auch.

Gordon Matthew Thomas Sumner, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Sting war zwar schon in den 1970er Jahren aus der Kirche ausgetreten, bezeichnet sich als Agnostiker und vertritt heute offenbar ein diffus-deistisches Weltbild.

Sting und das Katholische

Trotzdem finden sich in etlichen seiner Werke offenbar genügend biblisch-christliche Bezüge, um von der katholischen Kirche für die angeblich katholische Prägung seines Œvres gelobt zu werden.

Ob das soziale und politische Engagement von Sting tatsächlich in diesem, von der Kirche gerne kolportierten Zusammenhang speziell mit dem „Katholischen“ steht, wage ich zu bezweifeln.

Wenn man als Kirche die Chance hat, das eigene Image mit einem katholisch sozialisierten Weltstar aufzubessern, dann scheint man auch schon mal in Kauf zu nehmen, dass dieser der katholischen Kirche schon vor Jahrzehnten, wohl auch wegen physischer Gewalterfahrungen als Schüler an einer katholischen Schule (Quelle) den Rücken gekehrt hatte.

Ein bisschen Frieden…

Was denn sonst?
So wie wir unsere Kinder lieben, und die Ukrainerinnen und Ukrainer und überhaupt alle Menschen auf der Welt. Manche Ungeheuerlichkeit wird erst deutlich, wenn wir sie ins Verhältnis setzen zu den Kindern – und ihrem Hunger nach Leben, ihrem Bedürfnis nach Sicherheit und ihrem Recht auf Zukunft. Die Kinder, die jungen Menschen, die doch nicht die Soldaten von morgen sein sollen… so wie Marlene Dietrich sang: Sag mir, wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben – und dann die Mädchen, und die Männer, und dann: Sag mir, wo die Männer sind, zogen fort, der Krieg beginnt.

Ein, wie ich finde interessanter Gedankengang. Und ganz ohne irgendwelche religiöse Phantasievorstellungen…

Dem Schrecken des Krieges entgegen zu singen

Hilflos bin ich, aber nicht sprachlos. Nicht tonlos. Menschen aller Zeit haben Worte und Lieder gefunden, um dem Schrecken des Krieges entgegen zu singen. In den Psalmen der Bibel, in Liedern, in der Friedensbewegung.

Vorab: Auf die Frage, wie hilflos Frau Prumbaum tatsächlich ist, werden wir gleich noch zu sprechen kommen.

In den Psalmen der Bibel wird dem Schrecken des Krieges wenn überhaupt nur äußerst bedingt entgegen gesungen. Denn dort werden kriegerische Handlungen durchaus auch zur göttlichen Machtdemonstration glorifiziert.

Mit einer erschreckend kreativen Vielfalt präsentierten die Psalmisten da ihre Rache- und Kriegsgelüste. Sie beschrieben detailreich und anschaulich, wie sie sich die göttliche Unterstützung bei ihren eigenen Kriegen ausmalten.

Friedensappelle in den Psalmen der Bibel?!

Das fatale Gut-Böse-Schema wird bereits im ersten Psalm zugrunde gelegt:

  • Denn es kennt der HERR den Weg der Gerechten; doch der Gottlosen Weg führt ins Verderben.
    (Psalm 1,6 MENG)

Den Frieden erbitten sich die Psalmisten stets für die Zugehörigen ihrer Glaubensgemeinschaft.

Für alle anderen, also die „Gottlosen“ bitten sie ihren lieben Gott darum, dass dieser sie auf möglichst brutale und gnadenlose Art und Weise foltern und vollständig vernichten, oder sein auserwähltes Volk wenigstens dabei unterstützen möge, dies zu tun.

Den Gottlosen die Zähne zerschmettert

Und dann gehts direkt weiter mit zahllosen Stellen, die Frau Prumbaum komplett weglassen muss, wenn sie die biblischen Psalmen als Friedensgebete verkaufen möchte (Hervorhebungen von mir):

  1. Was soll das Toben der Völker und das eitle Sinnen der Völkerschaften? (Apg 4,25)
  2. Die Könige der Erde rotten sich zusammen, und die Fürsten halten Rat miteinander gegen den HERRN und den von ihm Gesalbten:
  3. »Laßt uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Fesseln!«
  4. Der im Himmel thront, der lacht, der Allherr spottet ihrer.
  5. Dann aber wird er zu ihnen reden in seinem Zorn und sie schrecken in seinem Ingrimm:
  6. »Habe ich doch meinen König eingesetzt auf dem Zion, meinem heiligen Berge!« –
  7. Laßt mich kundtun den Ratschluß des HERRN! Er hat zu mir gesagt: »Mein Sohn bist du; ich selbst habe heute dich gezeugt (Apg 13,33; Hebr 1,5; 5,5).
  8. Fordre von mir, so gebe ich dir die Völker zum Erbe und dir zum Besitz die Enden der Erde.
  9. Du sollst sie mit eiserner Keule zerschmettern, wie Töpfergeschirr sie zerschlagen!« –
  10. So nehmt denn Klugheit an, ihr Könige, laßt euch warnen, ihr Richter der Erde!
  11. Dienet dem HERRN mit Furcht und jubelt ihm zu mit Zittern!
  12. Küsset den Sohn, auf daß er nicht zürne und ihr zugrunde geht auf eurem Wege! denn leicht entbrennt sein Zorn. Wohl allen, die bei ihm sich bergen!
    (Psalm 2, 1-12 MENG)

…und so geht das immer weiter:

  1. Ich legte mich nieder, schlief ruhig ein: erwacht bin ich wieder, denn der HERR stützt mich.
  2. Ich fürchte mich nicht vor vielen Tausenden Kriegsvolks, die rings um mich her sich gelagert haben.
  3. Steh auf, o HERR! Hilf mir, mein Gott! Du hast ja all meinen Feinden Backenstreiche versetzt, den Gottlosen die Zähne zerschmettert.
  4. Beim HERRN steht die Hilfe: über deinem Volke walte dein Segen! SELA.
    (Psalm 3, 6-9 MENG)

Man braucht schon ein sehr scharfes Skalpell um ausgerechnet in den biblischen Psalmen irgendwas Unverfängliches zum Thema Krieg und Frieden herausschnippeln zu können…

Lamm Gottes – and no religion too

Ich will Dona nobis pacem singen und Imagine von John Lennon.

Dass auch „Imagine früher oder später nicht mehr vor einer religiösen Vereinnahmung verschont bleiben würde, hatte ich schon seit Längerem befürchtet.

Frieden

Ich wäre gerne anwesend, wenn Frau Prumbaum mit ihrer Pfarrgemeinde im vollbesetzten Gotteshaus erst mit Dona nobis pacem das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt um Frieden bittet. Und anschließend John Lennons Zukunftsvision Imagine zum Besten gibt.

Einschließlich der Zeile „…and no religion too“, die Imagine meines Wissens bisher immer zuverlässig vor einer religiösen Instrumentalisierung oder einer Aufnahme in religiöse Liedtextsammlungen bewahrt hatte.

Wenn sich das jetzt geändert hat, muss ignoriert werden, dass das erstgenannte Lied die christliche Religion als (einzige) Lösung beschreibt. Und der andere Titel Religion allgemein nicht als als Teil der Lösung, sondern des Problems.

Patriarch Kirill: Kriegsdienst eine „Bekundung von Nächstenliebe nach dem Evangelium“

Dass die Geschichte seit Entstehen des Christentums und bis in die Gegenwart klar für Lennons Auffassung spricht, zeigt sich zum Beispiel an den Äußerungen von Kirill, dem Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche:

  • Am Vorabend der Invasion lobte der Patriarch [Kirill, Anm. v. mir] gegenüber Putin die Kühnheit, den Mut und die Opferbereitschaft all jener, die die Wehrhaftigkeit und die nationale Sicherheit des Vaterlands durch ihren Dienst in der Truppe stärkten. Der Patriarch ließ wissen, dass die russisch-orthodoxe Kirche im Kriegsdienst eine Bekundung von „Nächstenliebe nach dem Evangelium“ erblicke und ein Beispiel der Treue zu den hohen sittlichen Idealen des Wahren und Guten. Dem Präsidenten wünschte Kirill Seelenfrieden und Gottes Hilfe bei seinem hohen Dienst am russischen Volk. (Quelle: Kerstin Holm via faz.net: Russisch-orthodoxe Kirche – Brudermord aus Neid)

Die „Gegenseite“ hofft und vertraut also auf die Unterstützung des selben Gottes, den Frau Prumbaum um Frieden bittet. Nach welchen bzw. nach wessen Maßstäben sich Gott hier wohl entscheiden würde, wenn es ihn gäbe?

Was taugen die Evangelien als Moralquelle? Eine Quelle, die so diffus ist, dass sie nachweislich von Kriegstreibern und von Friedensaktivisten gleichermaßen zur Legitimierung ihrer Standpunkte herangezogen werden kann?

Frieden ist kein gottgegebenes Gut. Das ist etwas, das die Menschheit selbst zustande bringen kann und – im eigenen Interesse und im Interesse aller Mitlebewesen auch zustande bringen sollte.

Singen für den Frieden – und weiter…?

Und am liebsten würde ich’s überall hören, in unseren Supermärkten und Kaufhäusern, als Pausengedudel in CallCenter Warteschleifen, im Bus und an der Tankstelle. Wir sind nicht sprachlos und auch nicht tonlos.

Aber, wie weiter oben beschrieben, (zumindest gefühlt) hilflos? Und vielleicht auch… ahnungslos?

Weil wir uns vielleicht bisher einfach viel zu wenig mit komplexen weltpolitischen Themen, oder, ganz allgemein mit dem befasst hatten, was auf der Welt vor sich geht?

Zum Beispiel, weil es uns einfach noch nie so nahe persönlich betroffen hatte? Oder weil wir unsere Zeit stattdessen lieber mit der Verehrung eines egomanischen, erpresserischen und fiktiven Himmelsdiktators verbracht hatten? Weil wir unsere Hoffnung auf Gott und nicht auf die Menschheit gesetzt hatten?

Damit mag es vielleicht gelingen, sich selbst ein wohlig-sedierendes Gefühl zu verschaffen: Ich habe getan, was ich konnte – ich habe meinen Gott um Frieden gebeten! Jetzt ist der dafür zuständig…

Aber wenn es um die Bewältigung oder auch nur um das Verstehen von komplexen Vorgängen, und, ganz allgemein, um eine aktive und tatsächlich effektive Verminderung von Leid geht ist Beten nicht hilfreicher als seinen Sorgen, seinem Wissensdefizit und seiner Verantwortung beispielsweise mit einer Flasche Schnaps zu begegnen.

Augen auf beim Spenden!

Ganz so hilflos sind Sie übrigens gar nicht, Frau Prumbaum: Auch wenn Sie den Krieg nicht werden beenden können, so haben Sie trotzdem zahlreiche Möglichkeiten, aktiv dazu beizutragen, das Leid der vom Krieg betroffenen Menschen zumindest zu lindern.

Wie immer, wenn es um Spenden geht, sollte man sich genau anschauen, welche Organisation/en man finanziell unterstützt.

So fällt zum Beispiel auf, dass unter dem Dach der „Aktion Deutschland Hilft“ nicht nur viele kirchliche soziale Dienstleister, sondern auch der Verein „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.“ zu finden ist. Und eine Organisation, die sich so bezeichnet, möchte man ja nun wirklich nicht auch noch mit Spenden subventionieren.

Frau Prumbaum, falls es Ihnen gelingen sollte, Ihre Arbeitgeberin von Ihren guten Absichten zu überzeugen: Ein paar Millionen Euro für eine effektive Soforthilfe sollten da locker drin sein! Singen können Sie ja dann trotzdem noch…

Quelle: Netzfund

Zu schlicht? Ja.

Ist es zu schlicht?

Ja, ist es. Schlicht, naiv, infantil.

In etwa auf dem Niveau eines WhatsApp-Statusbildes, mit dem Kinder dazu aufgerufen werden, der Ukraine zu helfen, indem sie einen Strich malen und das Bild weiter teilen.

Ich glaube, trotzdem muss es getan werden: Wir können ein Werkzeug des Friedens sein, und sei es „nur“, indem wir wieder und wieder vom Frieden singen.

Na dann! …und bitte auf die Betonung der Zeile „and no religion too“ achten!

Sicher ist es menschlicher, sich als „Werkzeug des Friedens“ zu fühlen, wenn man Friedensgesänge anstimmt als wenn man zum Beispiel Kriegswaffen und Soldaten segnet. Oder wenn man Atombomben zu Werkzeugen der Nächstenliebe erklärt. Wie der evangelische Theologe Walter Künneth es 1958 tat.

Trotzdem gibt es, wie gerade dargestellt, sicher auch noch weitere und vor allem noch wirksamere Möglichkeiten als Singen, um zum Weltfrieden beizutragen. Nein, Beten ist nicht gemeint.

Und noch einmal der Hinweis, Frau Prumbaum: Sie könnten die Glaubwürdigkeit Ihrer Verkündigung enorm steigern, wenn die christlichen Kirchen einen signifikanten Teil ihres dreistelligen Milliardenvermögens sinnvoll für humanitäre Zwecke investieren würden.

Solange das nicht der Fall ist, mögen Ihre Gesänge freilich Ihre persönliche Einstellung zum Ausdruck bringen. Bezogen auf die Kirche, für die Sie tätig sind und in deren Namen und Auftrag Sie auftreten, wirken Singen und Beten allerdings erst recht wie eine Heuchelei.

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4 Gedanken zu „Gib uns Frieden!“ – Das Wort zum Wort zum Sonntag“

  1. So, ich pfeif mir jetzt 3 Röhrchen Globuli rein, dann reiss ich das Fenster auf, und schreie allen Nachbarn entgegen: „Ihr gottverdammten Arschlöcheeeer!!!“. Das ganze untermalt von erbaulichen Klängen (Massacra: -Final Holocaust-)…

    Hilft zwar nur, meine Nachbarn regelmässig zu verunsichern, aber ich bin danach wieder total ruhig und ausgeglichen.

    Sehen Sie Frau Prumbaum, es geht auch völlig ohne Gottesbezug sich ein angenehmes wohliges Gefühl zu verpassen!

    Wenn dann die Nebenwirkungen der Globuli nachlassen, gehts weiter mit John Lennon…

    (Wer Spuren von Ironie und Zynismus entdeckt, darf sie gerne behalten!)

    Antworten
  2. Echt jetzt Frau Prumbaum?

    Sie wollen tatsächlich diesen Jahwe um Frieden anbeten?

    Ist das bei Ihnen kindliche, native und religiöse Realitätsverweigerung oder schlichtweg völlige Unkenntnis ihres angebeteten Gottes.
    Wen Sie da anbeten hat folgende Eigenschaften:

    Zitat Richard Dawkins (Gotteswahn)
    :
    „Der Gott des Alten Testaments ist… die unangenehmste Gestalt in der gesamten Literatur: Er ist eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, ekliger, grössenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann.” Zitat Ende.
    AUSGERECHNET DEN WOLLEN SIE UM FRIEDEN ANBETEN?

    Betteln sie lieber bei Frau Meier von nebenan um Frieden, oder nehmen sie einen der anderen tausenden Götter, die sich die Menschheit je ausgedacht hat, aber doch nicht DEN!

    Mensch Frau Purzelbaum, die Auswahl ist doch wirklich groß genug!

    Zu Putin passt der allerdings wie die Faust auf’s Auge.

    Puhh, nochmal Glück gehabt, der existiert glücklicherweise nur in der Phantasie leichtgläubiger Menschen.

    Jene die gerne die unbefleckte Empfängnis, Auferstehung von den Toten und anderen esoterischen Klimbim für wahr halten.

    Bitte Frau Prumbaum, befreien Sie sich von diesem Unsinn!
    Zeigen Sie einfach Mitgefühl, Spenden etwas, nehmen Sie Flüchtlinge auf, bieten Sie Hilfe oder organisieren Sie Hilfe.

    Antworten
  3. Es ist doch beachtlich, wie die Menschen grad‘ zusammenrücken und einander helfen, OHNE(!!!) sich auf irgendeinen Gott, und/oder irgendwelche Gottessöhne, die uns ja so wahnsinnig lieb haben, zu berufen! Und so ganz ohne das Materielle und Weltliche, klappt’s dann wohl doch nicht!

    Antworten
  4. Tja, Frau Prumbaum, heute findet sich bei ntv.de folgende Meldung:

    „Der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche in Russland, Kirill, misst dem Krieg in der Ukraine eine höhere Bedeutung zu. Dies berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax. Dem Patriarchen zufolge sei Russland in der Ukraine in einen Kampf eingetreten,“ der keine physische, sondern eine metaphysische Bedeutung hat“. Der Patriarch stelle ausdrücklich fest, dass heute „unsere Brüder im Donbass, orthodoxe Menschen, zweifellos leiden, und wir können nicht anders, als bei ihnen zu sein – in erster Linie im Gebet“.“

    Meine Frage: Wessen Gebete (und Gesänge) erhört denn Jahwe – Ihre, die des Kiril, die anderer Scharfmacher hinter Putin, die der ukrainischen Betprofis auf der anderen Seite oder … Ich hoffe, es geht Ihnen so langsam ein kleines Lichtlein auf. Denken Sie doch einfach mal nach, wenigstens ein bisschen und für den Anfang nur ganz kurz.

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