Alles Sch …? – Das Wort zum Wort zum Sonntag

Lesezeit: ~ 7 Min.

Alles Sch …? – Das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Alexander Höner, veröffentlicht am 10.6.23 von ARD/daserste.de

Darum geht es

Offenbar in Ermangelung religiöser Themen versucht Herr Höner, den evangelischen Kirchentag 2023 als ein besonders wertvolles und bedeutsames gesellschaftliches Ereignis zu verkaufen, während er Kritik vorsorglich mit einem klassischen "Strohmann" begegnet.

Zum Einstieg schwärmt Herr Höner heute von seinen Eindrücken beim evangelischen Kirchentag 2023 in Nürnberg. Seinen zu bewerbenden Gott bringt er nicht wie sonst üblich schnell noch kurz vor Schluss, sondern diesmal gleich am Anfang schon mal ins Spiel:

Verbunden miteinander und mit dem großen Ganzen

Ich hätte hier auf dem Kirchentag in Nürnberg bei 2.000 Veranstaltungen mein Wort zum Sonntag sprechen können. Aber: ich wollte unbedingt genau hier hin. Hier, wo Sie selbst die Stimmung sehen können, diese Lebensfreude, die durch die Altstadt von Nürnberg schwabbt. 10tausendfach. Das verändert die ganze Stadt. Es sind die vielen Christinnen und Christen. Sie haben es die vergangenen vier Tage geschafft, Gott und das Leben zu feiern und aus dieser Stadt eine mitreißende Diskussions-, Streit- und auch Partymeile zu machen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich verbunden fühlt. Verbunden miteinander und mit dem großen Ganzen – für mich: mit Gott.

(Quelle der so als Zitat gekennzeichneten Abschnitte: Alles Sch …? – Wort zum Sonntag, verkündigt von Alexander Höner, veröffentlicht am 10.6.23 von ARD/daserste.de)
Quelle: 11tes-gebot.de
Moses beim evangelischen Kirchentag 2023 in Nürnberg – Foto: 11tes-gebot.de

Tja. Mit einer Subventionierung in Höhe von rund 10 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln (Quelle) kann man es schon mal krachen lassen.

Das Fremdfinanzierungsmodell, mit dem sich eine religiöse Minderheit hier wiedermal ihr Sommerfest hatte staatlich und stattlich subventionieren lassen, läuft nach wie vor wie geschmiert. Im wahrsten Sinn des Wortes.

Auch wenn sich „10tausendfach“ erstmal nach viel anhört: Die schwabbende 10tausendfache Lebensfreude, die das Abfeiern des gemeinsamen Aberglaubens offenbar verursacht hatte war für die Allgemeinheit wahrlich kein Schnäppchen.

Evangelischer Kirchentag 2023 Nürnberg: 40% Besucherrückgang

Und ein „10tausendfach“ kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Erwartungen in Sachen Besucherzahlen nicht mal ansatzweise erfüllt worden waren:

[…] Nun stellte sich heraus: Zwar befanden sich laut Kirchentag etwa 130.000 Menschen während des kostenlosen „Abends der Begegnung“ am Mittwoch in der Nürnberger Innenstadt (in der parallel unter anderem auch das Fränkische Bierfest stattfand); die Gesamtzahl der zahlenden Besucher:innen belief sich jedoch gerade einmal auf 70.000. Das bemerkenswerte daran: Dies umfasst sowohl diejenigen, die eine Dauerkarte für alle fünf Tage erwarben, als auch die, die nur Tagestickets lösten. Bisher hatten die Kirchentagsveranstalter hier immer eine Differenzierung vorgenommen. Ein deutlicher Hinweis, dass man offenbar versucht, die Bilanz weniger gravierend erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich ist.

(Quelle: Gisa Bodenstein via hpd.de: 40 Prozent weniger Besucher beim Kirchentag in Nürnberg)

Eine Atmosphäre, in der man sich verbunden fühlt, Lebensfreude, die nicht nur 10tausend-, sondern Millionenfach durch die Stadt schwabbt – das kann ein CSD auch. Ohne 10 Millionen-Subventionierung durch die Öffentlichkeit. Verbunden miteinander und mit dem großen Ganzen – und das ganz ohne Gott!

Immer wenns vulgär wird…

Es ist eine leichte Übung auf diesem Planeten, etwas Scheiße zu finden oder aggressive Stimmung zu verbreiten. Die wesentlich anspruchsvollere Übung ist es, an einen Ort zu gehen, mitzuhelfen eine gute Atmosphäre zu schaffen und diese Energien mitzunehmen in den Alltag.

Es ist eine leichte (und leicht durchschaubare) Übung auf diesem Planeten, Kritik aus dem Weg zu gehen, indem man sich erstmal einen praktischen Universal-Strohmann bastelt.

Wenn man dann noch bewusst offen lässt, auf welche Kritiker und auf welche Art von Kritik man sich bezieht, kann man damit bequem auch alle anprangern, die sich nicht nur erfrechen, mit etwas nicht einverstanden zu sein (vulgär mit „etwas Scheiße finden“ abgewertet), sondern die sich mit ihrer Kritik auch noch zu Wort melden („aggressive Stimmung verbreiten“).

Ein solcher Strohmann ermöglicht es seinem Schöpfer, Dinge zu sagen, ohne sie direkt auszusprechen.

Gestritten wurde auf dem Kirchentag auch, wie wir gleich noch erfahren werden. Aber natürlich nicht-konfrontativ und immer gut gelaunt, wie sich das für gute Christen gehört.

Herz aus Filz

Nachdem er also schonmal ein diffuses Feindbild definiert hat, schwärmt Herr Höner erstmal weiter von seinen Eindrücken, die er beim Kirchentag in Nürnberg genossen hatte. Besonderes Highlight neben Musik, Tanz und Gebeten:

An einer Straßenecke reichte mir jemand einfach ein Herz aus Filz und lächelte mich an. Das mögen einige banal finden, ich habe es genossen.

A propos Filz:

Bei einem Zeltpavillon musste ich mich durch eine große Traube Menschen schieben und entdeckte, dass dort eine berühmte Altpolitikerin von guter Streitkultur sprach. Streiten, Beten, Singen. Was für ein inspirierender Abend!

In meiner persönlichen medialen Wahrnehmung des diesjährigen Kirchentages in Nürnberg schien die evangelische Sommersause in erster Linie ein Schaulaufen für Politiker gewesen zu sein.

Politiker, die, statt zum Beispiel auf die Bedeutung des Begriffes „Säkularstaat“ hinzuweisen, größtenteils einfach nur versuchten, sich bei den noch im christlichen Schafstall verbliebenen Schäfchen mit frommem Gesäusel anzubiedern.

Die Predigten von Steinmeier und Konsorten wirkten da wie ein Schlag ins Gesicht der hierzulande eigentlich geltenden Trennung von Staat und Kirche.

Zehntausende mit türkisfarbenen Schals

Nachdem Herr Höner also erstmal alle potentiellen Kritiker mit einer albernen Strohmann-Scheinargumentation diffamiert hat, lobt er nun die außergewöhnliche Diskussions- und Streitkultur der Zehntausenden mit ihren türkisfarbenen Schals.

Von denen findet natürlich niemand irgendwas Scheiße. Die fürchten sich zum Beispiel vor Naturkatastrophen. Aber statt Kritik zu äußern hoffen sie darauf, dass es noch nicht zu spät ist, die Dinge zum Guten zu verändern.

In einem solchen Standpunkt kann man es sich mindestens genauso bequem machen wie wenn man sich in einen türkisfarbenen Schal einwickelt. Der hoffentlich nicht aus Mischgewebe hergestellt wurde. Weil, das kann der liebe Gott so gar nicht verknusen.

ansteckende Lust statt viel zu emotional

[…] Ich habe aber aktuell das Gefühl, dass die meisten müde von den großen Themen sind, weil es so oft keinen Respekt mehr vor der anderen Meinung gibt. Weil alles viel zu emotional und absolutistisch besprochen wird. Anders hier auf dem Kirchentag: Ich erlebe eine ansteckende Lust, die aktuell relevanten Themen miteinander zu besprechen. Verbunden durch den gemeinsamen Glauben, verbunden durch den Respekt voreinander.

Alles wird viel zu emotional besprochen, aber auf dem Kirchentag wird stattdessen mit ansteckender Lust diskutiert?

Und wer oder was hat denn einen absolutistischeren Anspruch als das biblisch-christliche Glaubenskonstrukt mit seinem allmächtigen (!) und krankhaft geltungssüchtigen Rachegott und dessen radikal-fundamentalistischen Stiefsohn?

Wenn dieser Anspruch heute nicht mal mehr für die Christen noch eine Rolle spielt, dann zeigt das, wie irrelevant die eigentlichen Inhalte dieses „gemeinsamen Glaubens“ selbst für Christen inzwischen geworden sind.

Es scheint ihnen völlig zu genügen, irgendwas nicht näher defniertes „Großes Ganzes“, das sie Gott nennen als verbindendes Element zu zelebrieren, das zudem gegen Kritik oder auch nur Infragestellung immunisiert (bzw. tabuisiert) ist.

Ehrlich gestritten?

Aber: Es ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen. Es wird ehrlich gestritten und nicht diffamiert. Im Anderen den Nächsten sehen und nicht den Gegner.

Wie will man denn Ehrlichkeit für sich reklamieren, wenn man sich vorsätzlich weigert, zwischen religiöser Mythologie und irdischer Realität zu unterscheiden?

Was soll bei Debatten herauskommen, in denen sich beide Seiten auf die Autorität einer und dann auch noch der selben „Heiligen Schrift“ berufen? Die sowohl „Schwerter zu Pflugscharen!“, als auch „Pflugscharen zu Schwertern!“ im Angebot hat? Und mit der sich praktisch jedes beliebige Verhalten biblisch „legitimieren“ lässt?

Welche Relevanz können in einer gesellschaftlichen und/oder politischen Debatte die Beiträge von Leuten haben, die ernsthaft davon ausgehen, das irdische Geschehen würde von einem bestimmten Gott gelenkt oder zumindest beeinflusst, den sich ein vergleichsweise primitives Wüstenvölkchen in der ausgehenden Bronzezeit aus früheren Gottesbildern zweckdienlich zusammengebastelt hatte?

Die Legende von der christlichen Moral

Wie zum Beispiel auch Herr Höner, der sein Publikum gleich noch mit einem absurden „Kommen Sie behütet durch die Nacht“ in eben jene entlassen wird?

Leute, die sich persönlich angegriffen fühlen und beleidigt bzw. beleidigend reagieren, wenn man ihren Aberglauben nicht nur nicht teilt, sondern sogar noch öffentlich und mit guten Argumenten kritisiert? Denen es immer weniger gelingt, ihr unmenschliches und umoralisches biblisch-christliches Belohnungs-Bestrafungskonzept noch so zu verbiegen, dass es zumindest oberflächlich betrachtet tolerierbar erscheint?

Einmal mehr sei an dieser Stelle das Buch „Die Legende von der christlichen Moral – Warum das Christentum moralisch orientierungslos ist“ von Andreas Edmüller zur Lektüre empfohlen.

wir alle, wir alle

Das müssen wir versuchen, finde ich! Wir sind nicht nur Einzelkämpferinnen und – kämpfer. Christen sind durch den Glauben verbunden, aber wir alle, wir alle – vor allem durch unser Menschsein.

Wir sind gemeinsam auf dem Weg. Nur so haben wir eine Chance.

Grundlegende Funktion einer Religion wie das Christentum ist die Abgrenzung und Überhöhung der Zugehörigen (=ingroup, wir, die Guten, die von Gott Erwählten und Erlösten) gegenüber allen anderen (=outgroup, die Anderen, die Bösen, die von Gott Verdammten). Kriterium für die Zugehörigkeit ist dabei die Unterwerfung unter den „richtigen“ Gott. Genauer: Unter den Gott, den die Priester als den „einzig richtigen“ ausgeben.

Diese Religion ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Sie propagiert und legitimiert Trennung und Spaltung von Menschen aufgrund ihres Glaubensbekenntnisses bzw. aufgrund ihrer Weltanschauung. Mit einem Gott, der dafür verehrt und angebetet wird, dass er genau diese Trennung final und gnadenlos vollziehen soll.

Wenig lustiger fun fact: Genau darauf bezieht sich übrigens die Bibelstelle, aus der das Motto des diesjährigen evangelischen Kirchentages stammt. Dazu gleich noch mehr.

Bei Herrn Höner sind es natürlich irgendwelche andere Menschen, die „alles Scheiße“ finden und Aggression verbreiten. Während sich die Christen, auf dem Kirchentrag am türkisfarbenen Schal zu erkennen, verbunden im Glauben und deshalb respektvoll und immer voller positiver Wohlfühl-Vibes streiten.

Falsche Versprechen, falsche Drohungen

Noch viel deutlicher wird die Problematik, wenn wir nicht die sowieso schon bis zur völligen Beliebig- und Bedeutungslosigkeit weichgespülte und entkernte EKD-Wischiwaschi-Glaubensvariante, sondern die weltweite Entwicklung des Christentums betrachten.

Da tritt der selbe christliche Glaube nicht wie von Herrn Höner irreführend suggeriert als verbindendes Element in Erscheinung, das die Weltbevölkerung („wir alle, wir alle“) auf ihrem gemeinsamen Weg angeblich irgendwie weiterbringt.

Sondern – im Gegenteil – nämlich genau so, wie dieser Glaube zweifellos auch grundlegend konzipiert worden war: Zur Abgrenzung und zur gleichzeitigen Unterdrückung und Überhöhung der ingroup. Kontrolle und Macht mit Hilfe von falschen Versprechen – und ebenso falschen, wenngleich erschreckend wirksamen Höllendrohungen.

Religion: Brauchen wir das noch oder kann das weg?

Und wem es trotzdem noch ein Anliegen ist, sich im Glauben an ausgerechnet diesen Gott (nur echt mit Erbsünde, Apokalypse und ewiger Höllenqual) mit Gleichgesinnten verbunden zu fühlen – sei es aus Überzeugung oder aus Faulheit – der möge das gefälligst auf eigene Kosten und nicht mit 10-Millionen-Euro-Subventionierung aus öffentlichen Mitteln tun.

Jene Christen, denen die Zukunft der Menschheit tatsächlich ein ernsthaftes Anliegen ist, sollten bzw. müssten jedoch erstmal damit aufhören, ihre surreale christliche Phantasiewirklichkeit mit der irdischen Realitiät zu vermischen. In der irrigen Annahme, ihr Gott würde seinen ewigen Allmachtsplan womöglich in ihrem Interesse ändern, wenn sie ihn mit Gebeten darum bitten. Beim Glauben an den Weihnachtsmann war es den meisten Christen ja auch irgendwann gelungen, sich davon zu befreien…

Eine Institution, die von ihren Anhängern verlangt, Dinge für wahr zu halten, die nachweislich nicht mit der Realität übereinstimmen, kann im öffentlichen Diskurs nicht mehr Respekt erwarten als zum Beispiel als eine fiktive Vereinigung, die sich damit brüstet, bei ihren Treffen respektvoll und voll positiv darüber zu diskutieren, wie man Dagobert Duck dazu bringen könnte, doch bitte mal einen Teil seines Vermögens (beziffert auf 5 Fantastilliarden und 9 Trillionen Taler sowie 16 Kreuzer, Quelle) zur Rettung der Erde einzusetzen.

Nachtrag zum Kirchentagsmotto: „Jetzt ist die Zeit“

Der Vollständigkeit halber und weil Herr Höner in seiner Fernsehpredigt kein einziges Wort über irgendwelche religiösen Inhalte des Kirchentags oder dessen Motto verloren hatte sei noch kurz notiert, dass sich die Veranstalter mit dem Motto des diesjährigen Kirchentages „Jetzt ist die Zeit“ ausgerechnet den größten und wohl auch grundlegendsten Irrtum aller neutestamentarischen Narrative bzw. des gesamten Christentums herausgepickt hatten.

Die Stelle, auf die sich das Motto „Jetzt ist die Zeit“ bezieht lautet:

  1. Nachdem dann Johannes ins Gefängnis gesetzt war, begab Jesus sich nach Galiläa und verkündete dort die Heilsbotschaft Gottes
  2. mit den Worten: »Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes nahe herbeigekommen; tut Buße und glaubt an die Heilsbotschaft!«
(Markus 1,14-15 MENG)

Heute, rund 2000 Jahre nach dieser angeblichen Aussage können wir wohl getrost davon ausgehen, dass sich Jesus schlicht geirrt hatte, was seine Ankündigung der vermeintlich und angeblich unmittelbar bevorstehenden gnadenlosen göttlichen Endabrechnung betrifft.

Ebenso können wir annehmen, dass die Aufforderung „tut Buße und glaubt an die Heilsbotschaft“ nur denen nutzt, die ihr Geld mit dem Vertrieb des christlichen Glaubens verdienen.

Zur Lösung aller sonstigen Probleme müssen sich die Menschen Strategien überlegen, die tatsächlich etwas bewirken.

Jetzt ist die Zeit auszutreten - Quelle: 11tes-gebot.de
Quelle: 11tes-gebot.de

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5 Gedanken zu „Alles Sch …? – Das Wort zum Wort zum Sonntag“

  1. Es gibt nun mal genau so viele Jesusse, wie es Spinner gibt, die vorgeben ein persönliches Verhältnis mit einer bestimmten mythologischen Gestalt zu pflegen, welche ihnen noch nie begegnet ist…
    Seltsam, aber so steht es geschrieben…

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  2. „Weil alles viel zu emotional und absolutistisch besprochen wird.“: Genau das ist doch bei religiösen Themen unvermeidlich, Herr Höner: Weil Sie und ihre Glaubensgenossen keinerlei vernünftige Argumente anzubieten haben!

    Erstens: Es gibt nichts, was den Namen „christliches Moralsystem“ verdienen würde – belastbare Argumentation im normativen Bereich (Moral & Gerechtigkeit) auf Basis der Bibel ist ein Hirngespinst. Dafür haben wir die säkulare Moral-, Rechts- und Staatsphilosophie.

    Zweitens: Empirische Argumentation (Wie sieht die Welt aus?) auf Basis der Bibel ist ebenfalls nicht möglich. Dafür gibt es die Wissenschaften.

    Drittens: Theologische „Argumentation“ ist so sinnvoll wie die Frage nach Rumpelstilzchens Schuhgröße. Dafür gibt es Fachkliniken.

    Genau diese umfassende Unmöglichkeit des Christentums, irgendeinen sinnvollen Beitrag zu rationalen Problemlösungen zu leisten, erklärt einen guten Teil der so brutalen und menschenverachtenden Kriminalgeschichte des Christentums. So gesehen besteht die größte Leistung des Kirchentages darin, ohne Massenschlägereien abgelaufen zu sein: Ich gratuliere!

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  3. Katholikentag und evangelischer Kirchentag werden demnächst zusammengelegt, habe ich mir sagen lassen.
    Nicht weil man sich so lieb hat, sondern weil man aus der Not eine Tugend macht und um sich dann per Statistik in die Tasche lügen zu können. Einmal hunderttausend hört sich doch besser an als zweimal fünfzigtausend, oder?

    Und ich bin jetzt ein bisschen gehässig, wenn ich behaupte, dass bei jedem Zweit-Liga-Heimspiel des 1. FC Nürnberg dreimal mehr Fan-Schals in der Altstadt zu sehen sind, als bei diesem Kirchentag.

    Inhaltlich mag ich mich zu dem nichtssagenden Hofbericht des Herrn Höner nicht äussern.

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  4. Alles wie ghabt!
    Christen in ihrer Mächenblase! Berauscht wie durch ne Flasche Wein, oder nen Joint!
    Alles für ihren lieben Kuschelgott und seinem Spößling!
    Dennoch sind ALLE(!!!) Menschen auf das Weltliche, Materielle angewiesen!
    Ohne Ausnahme!
    Mir ist kein eindeutig belegter Fall bekannt, wo tatsächlich (ein) Gott, jemand ernährt, seine Krankheit geheilt, oder sonst irgentwie beschützt, oder getröstet hat!
    Sämliche (angeblichen) Erfahrungen mit (einem) Gott, sind subjektiv und völlig wilkürlich definierbar.

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  5. „Es ist eine leichte Übung …“
    „Etwas Scheiße finden“ klingt für mich nach normalem Sprachgebrauch, wenn man konkret bennennt, was das Etwas ist; Scheiße finde ich allerdings wenn man alles Scheiße findet.

    „ein Herz aus Filz“
    auf dem geschrieben stand „kann ich sonst noch was für Sie tun ?“

    „Im Anderen den Nächsten sehen und nicht den Gegner.“
    Kein Gegner ? Warum nicht ? Wenn jemand etwas anderes erreichen will oder andere Prioritäten setzt als ich, dann muss ich ihn doch in diesem Zusammenhang als meinen Gegner wahrnehmen. Wenn ich nur an die unterschiedlichen Positionen zur Unterstützung der Ukraine denke, dann ist doch da keine harmoniesüchtige Kuschelei möglich.

    „In der irrigen Annahme, ….“
    Ist man da in der katholischen Kirche schon weiter ? Beide, Ratzinger und Bergoglio, verkünden sinngemäß: man soll nicht glauben, dass man den „Heilsplan“ Gottes durch Gebete ändern könne. Beten soll man natürlich am laufenden Band aber immer unter der unterwürfigen Prämisse „DEIN Wille geschehe“.

    „respektvoll und voll positiv …“
    Der Clou: darüber diskutiert man ja am Kirchen- oder Katholikentag ganz gewiss nicht
    Geld spielt da keine Rolex. Das Thema, wofür man das Geld besser verwenden könne wird da ja sorgfältig vermieden.

    Was die Parusieverzögerung angeht, liefert JAR im Band 2 seiner Jesus-Trilogie eine atemberaubend schwurbelige Erklärung: die „Zeit der Heiden“ müsse erst vorübergehen, habe Jesus schon verkündet. Damit ist gemeint, dass erst die „Vollzahl der Heiden“ die Frohe Botschaft (KB: dass sie ggf. in die Hölle kommen) empfangen haben muss, bevor ER wiederkommt. Wie man sieht kann das noch eine Weile dauern. Immerhin stehen noch ein paar Reste Urwald. Und danach kann man ja problemlos die Heiden auf Exoplaneten mit einbeziehen.

    Zum Motto des Kirchentages und einigen Programmpunkten hatte ich schon mal einen Kommentar formuliert, den ich etwas modifiziert anfüge.

    Wie immer lohnt sich ein Blick in die Bibel, um den Vers – diesmal reicht schon der eine Vers – in seiner Gänze zu lesen, dann stellt sich heraus:
    »Lutherbibel 2017 (ev.) 14Nachdem aber Johannes überantwortet war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes 15und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!«
    1. Das Motto entspricht nicht dem Wortlaut der Textstelle; vielmehr heißt es da theologisch verquast „die Zeit ist erfüllt“; da das reichlich esoterisch anmutet, wurde es wohl auf dieses eigentlich nicht weniger kryptische „Jetzt ist es Zeit“ verfälscht. Zeit für was fragt man sich ratlos. Doch dazu später noch was.
    2. „das Reich Gottes ist nahe gekommen“ kennt man schon von Mormonen und Zeugen Jehovas. Es fehlt hier nur ein genaues Datum. Ist natürlich clever und auch angebracht, da der Zeitbegriff Gottes selbstverständlich ein ganz anderer ist und sowieso unbegreiflich.
    3. „Tut Buße und glaubt an das Evangelium“ ist natürlich an die herzlich eingeladenen Un- und Andersgläubigen gerichtet. Schließlich hat man als Salz der Erde und Sauerteig einen Missionsauftrag.
    Also für was ist jetzt Zeit ? Die Bibelarbeit zu Lukas 17,20-25 gibt wenig Anlass zur Hoffnung auf ein nachvollziehbares Ergebnis, denn da heißt es : „20Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen; 21man wird auch nicht sagen: Siehe, hier!, oder: Da!“
    Also Wie ? Was ? Wann und Warum ? Wie haben die Kirchtagsveranstalter erkannt, dass jetzt die Zeit IST ? Und nicht WAR ? Oder SEIN WIRD ?

    „Kirchentagspsalm“ Psalm 31,15-25 sollte den Un- und Andersgläubigen eine Warnung sein:
    „18… Die Frevler sollen zuschanden werden und verstummen im Totenreich.“ und
    „24…Die Gläubigen behütet der Herr und vergilt reichlich dem, der Hochmut übt.“

    Für was jetzt Zeit ist wurde beim Schlussgottesdienst dann erläutert. Dafür hat man das bei Beerdigungen reichlich strapazierte „Alles hat seine Zeit“ (Prediger 3,1-8) ausgesucht. Selten zitiert wird da aber „8lLIEBEN hat seine Zeit, HASSEN hat seine Zeit; STREIT hat seine Zeit, FRIEDE hat seine Zeit.“
    Oder auf die heutige Zeit bezogen: Krieg in der Ukraine hat seine Zeit, Pandemie hat seine Zeit, Tsunami hat seine Zeit … Macht aber nix, denn wir sind ja alle in Gottes Hand. Blöd nur dass da auch all die Trump, Putin, Orban ….sind.

    Zum Abschluss noch was gescheiteres zum Thema Zeit:

    Wie schnell doch die Zeit vergeht und wie leicht ist nichts getan.

    Da wir noch reden entflieht die neidische Zeit,
    Ergreife den Tag, so wenig wie möglich traue dem nächsten.

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