Tiefe Sehnsucht – Dunkle Welt – Das Wort zum Wort zum Sonntag

Lesezeit: ~ 5 Min.

Tiefe Sehnsucht – Dunkle Welt, das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Stefanie Schardien, veröffentlicht am 02.12.2023 von ARD/daserste.de

Darum geht es

Frau Schardien möchte sich mit ihrer tiefen Sehnsucht in der Adventszeit nichts vorgaukeln – um dann direkt im Anschluss genau das zu tun.

Frau Schardien berichtet heute davon, wie sie bei ihren Weihnachtsvorbereitungen das schlechte Gewissen plagt, weil ja gleichzeitig auch so viel Schlimmes auf der Welt geschieht:

[…] Nur: Was mach ich dann mit meinem Stern in der Hand? Was mache ich denn dann in diesem Jahr mit meinem schönen Advent? Ausfallen lassen? Manche machen das so: Ich lass diesen Adventskram bleiben, dieses Friede Freude Eierkuchen-Gedöns. Ist doch sinnlos und kitschig. Schauen wir der Härte und Kälte ins Auge. Auch zuhause.

(Quelle der so als Zitat gekennzeichneten Abschnitte: Tiefe Sehnsucht – Dunkle Welt, Wort zum Sonntag, verkündigt von Stefanie Schardien, veröffentlicht am 02.12.2023 von ARD/daserste.de)

Wie schon so oft im „Wort zum Sonntag“ bastelt sich diesmal Frau Schardien im „Wort zum Sonntag“ mit dem Titel „Tiefe Sehnsucht – Dunkle Welt“ ein „Falsches Dilemma“ zurecht: Entweder ihr religiöses Adventsgedusel – oder der Härte und Kälte ins Auge schauen.

Tiefe Sehnsucht – Falsches Dilemma

Die Option, die letzten Wochen des Jahres ganz ohne religiöse (eigentlich ja: heidnische) Zeremonien, Symbole und Gebräuche als gemütliche und entspannte Zeit zu genießen – auch im Bewusstsein, dass gleichzeitig andere Menschen großem Leid ausgesetzt sind – scheint es für sie nicht zu geben.

Natürlich kann und sollte man überlegen, wie man selbst effektiv dazu beitragen kann, im Rahmen seiner eigenen, realistischen Möglichkeiten wenigstens etwas von diesem Leid zu mindern. Dieser Aspekt taucht bei Frau Schardien allerdings überhaupt nicht auf. So weit scheint die Nächstenliebe dann doch nicht zu reichen…

Ihr geht es heute bei ihrer tiefen Sehnsucht aber auch gar nicht primär um das Leid anderer Menschen. Sondern um ihr eigenes schlechtes Gewissen.

Glitzersterne in der Fußgängerzone

Mit der nun folgenden Anekdote zeigt Frau Schardien, dass „Glitzersterne in der Fußgängerzone“ zumindest zur Ablenkung von Kindern funktionieren:

Und dann das: Gestern hab ich in der Stadt einen kleinen Jungen gesehen, vielleicht zwei Jahre alt. Der saß im Kinderwagen, hat Rotz und Wasser geheult. Aber auf einmal hat er die Glitzersterne über sich in der Fußgängerzone gesehen. Ganz plötzlich war er still und hat gestaunt und dahin gezeigt und gelächelt. Ich hatte das Gefühl: Der Glanz färbt direkt auf sein Gesicht ab.

Bei einem zweijährigen Kind kann man wohl davon ausgehen, dass es sich noch nicht von einer biblisch-christlichen symbolhaften Bedeutung der Sterne, sondern von deren Glitzern in Erstaunen versetzen lässt.

Es geht nicht darum, dass ich beim Advent etwas vorgaukele

Da ihr Publikum aber kaum aus Kleinkindern besteht, gilt es nun, diese Faszination auf Erwachsene zu übertragen:

Wohin schaue ich? Nur noch auf das, was mich verzweifeln lässt? Lasse ich mich unterbrechen vom Glanz so wie der Junge? Es geht nicht darum, dass ich beim Advent etwas vorgaukele. Es geht nicht darum, dass ich Sterne aufhängen muss, um so zu tun, als wäre alles gut und alles wie immer.

Frau Schardien betont hier, dass sie sich beim Advent nicht etwas vorgaukeln möchte.

Seien wir also gespannt, ob und wenn ja wie es Frau Schardien gelingt, ihre Adventsgefühle und ihre tiefe Sehnsucht zu rationalisieren.

Sehnsucht nach einer Hoffnungsleuchte

Nein, umgekehrt: Gerade wenn ich hoffnungslos bin in diesen Dunkelheiten, können diese alten Symbole MICH tragen. Die schenken MIR Hoffnung. Es ist, als könnte ich mich gerade bei all den furchtbaren Nachrichten an ihnen festhalten und an ihren Botschaften: Jeder Stern könnte mich doch an den Stern von Bethlehem erinnern, diese Hoffnungsleuchte über dem total trostlosen Stall: Wartet ab, hier wird bald Jesus geboren, die Liebe und Gerechtigkeit in Person.

Oder die Engelfiguren jetzt um uns – in der Bibel gute Boten mit ihrem „Fürchtet euch nicht!“ und „Frieden auf Erden“. Und jede Kerze im Advent lässt mich auf Gottes Versprechen hoffen, dass das Licht die Finsternis – die auf meiner Seele – besiegt.

Gerade eben hatte Frau Schardien noch vorgegeben, beim Advent nichts vorgaukeln zu wollen.

Und jetzt, nur wenige Augenblicke später, tut sie genau das: Sie gaukelt (sich) vor, das angebliche Versprechen eines bestimmten eifersüchtigen und dauerzornigen Wetter-Berge-Wüsten-Kriegs-Vergeltungs- und Rachegottes, den sich ein Wüstenvolk in der ausgehenden Bronzezeit aus früheren Gottesbildern zu ihrem Stammesgott zweckdienlich zurechtphantasiert hatte, sei etwas, das nicht in die Kategorie des Vorgaukelns fallen würde.

Klassischer Selbstbetrug

Wobei ich eher von (Selbst-)betrug sprechen würde: Denn natürlich weiß Frau Schardien, dass ihr Gott in Wirklichkeit ein rein menschliches Phantasieprodukt ist. Wie alle anderen Götter auch. Und sollte es ihren Gott entgegen jeder Plausibiliät tatsächlich auch außerhalb menschlicher Wunschvorstellung geben, dann verhält er sich exakt so, als gäbe es ihn nicht.

Weder die biblische Romanfigur Jesus Christus, noch ein realer Mensch, dessen Biographie möglicherweise als Vorlage für die Konstruktion des biblischen Gottessohnes gedient haben könnte verdient die Bezeichnung „Liebe und Gerechtigkeit in Person.“ Wer daran zweifelt, dem sei zum Beispiel „Jesus ohne Kitsch – Irrtümer und Widersprüche eines Gottessohns“ oder „Der Jesuswahn“, beide von Dr. Heinz-Werner Kubitza zur Lektüre empfohlen.

Als Theologin kennt Frau Schardien natürlich auch die Kriminalgeschichte des Christentums. Und weiß, dass weder ihr Gott, noch dessen Anhänger der Welt in Summe mehr „Frieden auf Erden“ gebracht haben.

Bis heute stellt das christliche Glaubenskonstrukt täglich unter Beweis, dass es sich viel einfacher zur Legitimierung von Krieg und Gewalt eignet als für friedliche Zwecke. Bei letzterem Einsatzzweck sind jedenfalls ungleich mehr Verbiegungen und Weglassungen erforderlich.

Frau Schardien vermeidet es gewohnt gekonnt, eine Formulierung zu verwenden, bei der sie befürchten müsste, das der Betrug zu offensichtlich würde. Stattdessen räumt sie ein, dass es ihr bei all dem ja nur um ihr eigenes Wohlgefühl geht.

Für mich klingt die heutige Verkündigung so, wie wenn ein alkoholkranker Mensch erst beteuert, dass er seinen Kummer natürlich nicht mit Alkohol bekämpfen möchte – um dann genau das zu tun.

Damit es wahr wird!

Also: Ich habe zuhause meine Sterne aufgehängt, hab die Engel hingestellt und die Kerzen. In diesem Jahr müssen die (!) mir helfen. Sie müssen uns innehalten lassen in unserem „alles furchtbar“-Gefühl. Und sie sollen uns wieder hoffen lassen auf das Gute, das sie versprechen. Damit das wahr wird! Wenn es so läuft wie bei dem kleinen Jungen, färbt der Glanz auch ein bisschen auf uns ab.

Der kleine Junge war vermutlich einfach nur durch den ungewohnten Anblick so erstaunt, dass er darüber kurz vergessen hatte, warum er gerade noch geplärrt hatte.

Ganz anders bei Frau Schardien: Für die ist es ja die mythologische Bedeutung der weihnachtlichen (bzw. heidnischen) Symbole, von der sie sich wünscht, dass sie ihre eingebildeten Hoffnungen wahr machen möge. Aber: Das Gute kommt genausowenig von Göttern wie das Böse.

Wenn Frau Schardien darauf hofft, dass das Gute, was die biblisch-christliche Mythologie (zudem ja auch nur exklusiv für Christen) verspricht wahr werden möge, dann gaukelt sie sich (und ihrem Publikum) etwas vor.

Ein Advent, der uns hilft, uns etwas vorzugaukeln

So einen Advent wünsche ich uns, der uns hilft. Ein Advent zum Hoffen. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Nacht.

Die Hoffnung, von der Frau Schardien hier spricht, besteht ja ursprünglich und eigentlich darin, dass ein bestimmtes Götterwesen (zufällig genau das, an das Frau Schardien glaubt) im Interesse des Weltfriedens ins irdische Geschehen eingreifen möge.

Um ihre Hoffnung weniger illusorisch und irreal erscheinen zu lassen, ändert Frau Schardien jedoch den Gegenstand ihrer Hoffnung: Plötzlich geht es gar nicht mehr um göttlich verursachten Frieden auf Erden. Sondern um eine Steigerung ihres ganz persönlichen Wohlempfindens, die sie sich von ihrem Glauben verspricht.

Dazu, sich selbst mit effektiven Mitteln für mehr Frieden und weniger Leid einzusetzen (wenn es ihr angeblich allmächtiger und allgütiger Gott schon nicht für erforderlich erachtet, dies zu tun), scheint sie ihr Glaube nicht zu animieren.

Damit zelebriert Frau Schardien genau das, was sie gerade noch so wortreich abgelehnt hatte: Sie gaukelt sich (und ihrem Publikum) etwas vor, um sich (und ihrem Publikum) so wenigstens vorübergehend ein wohliges Gefühl zu verschaffen. Dafür spielt es genausowenig eine Rolle, dass diese Hoffnung rein fiktiv und irreal ist, wie es für einen alkoholkranken Menschen keine Rolle spielt, dass der Rausch keine Probleme löst.

Besonders perfide: Das Schicksal der Menschen, die gerade Not leiden, muss Frau Schardien dabei egal sein. Denn sie kann keinen einzigen Fall vorweisen, wo irgendein oder gar ihr Gott das irdische Leid auch nur um einen Hauch tatsächlich gemindert hätte. Zumal sich die biblisch-christliche Hoffnung – auch die, die der biblische Jesus verkündigte – nicht auf das irdische Diesseits, sondern auf ein himmlisches Jenseits bezieht.

Mit der Hoffnung auf ein magisch-mythologisches Phantasiewesen gibt Frau Schardien ihre eigene Verantwortung an eine fiktive höhere Instanz ab. Das können Menschen mit Götterglauben vermutlich tatsächlich als beruhigend und erleichternd empfinden – solange es ihnen gelingt, die Realität auszublenden.

Fazit

Null zu Eins durch Eigentor, Frau Schardien.

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2 Gedanken zu „Tiefe Sehnsucht – Dunkle Welt – Das Wort zum Wort zum Sonntag“

  1. Eigentlich kann einem Frau Schardien fast leid tun.
    Ausgerechnet in der Adventszeit, in der gleichzeitig ein Religionskrieg mit Zeug zum Weltkrieg wütet, muss sie vermutlich gemäss den Vorgaben ihrer Vorgesetzten Hoffnung verbreiten, die so darzubieten ist, dass ihre Religion dabei gut wegkommt.

    Jedenfalls kriegt sie es hin, dass folgende Botschaft als Quintessenz ihrer Erzählung dabei herauskommt:

    Liebe Fernsehzuschauer und -zuschauerinnen, verscheucht die dunklen Gedanken, feiert wie immer Advent und Weihnachten, tröstet Euch damit, dass der christliche Gott mitsamt seinem Jesus die Inkarnation der Liebe, des Friedens und der Gerechtigkeit ist. Das müsst ihr mir einfach glauben.
    Also alles gut, und bitte nicht die Realität zu nahe an euch herankommen lassen.
    Das schadet dem inneren, seelischen Gleichgewicht und dem körperlichen Wohlbefinden
    Ausserdem kloppen sich ja nur Juden und Moslems. Wir Christen haben damit nichts zu tun. (Den letzten Satz habe ich dazu gesponnen.)
    Amen.

    Darauf einen Glühwein, Frau Schardien!
    Den haben Sie sich jetzt verdient.

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  2. Ach du lieber Gott, von dem süßlichen Gequatsche bekomme ich ja Diabetes.
    Liebe Frau Schardien, wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass Sie das ganze Gesäusel für genauso unsinnig halten wie ich, würde ich eine Depression ihrerseits annehmen. Aber nachdem Sie das ja vermute nicht wirklich ernst nehmen, besteht da ja keine Gefahr.
    Also, fröhliche Wintersonnenwende!

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