Sommermärchen 2.0? – Das Wort zum Wort zum Sonntag

Lesezeit: ~ 2 Min.

Sommermärchen 2.0? – Das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Annette Behnken, veröffentlicht am 15.06.2024 von ARD/daserste.de

Darum geht es

Frau Behnken scheint nicht zu bemerken, dass sie sich mit ihrem Plädoyer für „Glaube, Liebe, Hoffnung“ ein Sommermärchen-Eigentor schießt.

[…] Mit Märchen ist das ja so ne Sache. Am Ende ist immer alles gut. Die Bösen sind besiegt, die Guten werden König oder heiraten ihn und sind glücklich bis ans Lebensende. Wer Märchen hört oder liest, bekommt was geschenkt. `Ne kleine Flucht vor der Wirklichkeit. Aber auch Hoffnung, dass irgendwann alles gut sein kann. Glaube, Liebe Hoffnung, das ist der Stoff, aus dem Märchen sind. Das ist aber auch das, was echte Fußballfans ausmacht: Glaube an Deinen Verein, liebe ihn und gib die Hoffnung nie auf. Glaube, Liebe, Hoffnung – nicht zuletzt einer der Kernsätze der Bibel.

(Quelle der so als Zitat gekennzeichneten Abschnitte: Sommermärchen 2.0? – Wort zum Sonntag, verkündigt von Annette Behnken, veröffentlicht am 15.06.2024 von ARD/daserste.de)

Hach ja. Sobald Fußball-Emotionen für religiöse Zwecke vereinnahmt werden, frage ich mich immer, nach welchen Kriterien der Gott aus der biblisch-christlichen Mythologie entscheidet, welchem Team er die oft durch mehrfache Selbstbekreuzigungen, vielsagende Blicke gen Himmel, verbunden mit demütigem Gemurmel von Spielern gegnerischer Teams zum Ausdruck gebrachte Siegesbitten erfüllt.

Und noch mehr frage ich mich, wie Fußballspieler auf die hanebüchene und arrogante Idee kommen, ihr allmächtiger Gott würde zwar ihrem Fußballteam zum Sieg verhelfen, wen sie ihn darum bitten – während ihm gleichzeitig – trotz Allmacht und Allgüte! – sämtliches noch so schlimme Leid völlig egal zu sein scheint.

Alle möchten etwas abhaben vom Sommermärchen

[…] Wie auch immer diese EM ausgeht – sie wird nicht zum Sommermärchen, wenn sie vor irgendwelche Karren gespannt wird.

Das gilt auch für den Kirchen-Karren: Die EM macht Bibelsprüche nicht relevanter, wenn ähnlich klingende Begrifflichkeiten in Verbindung gebracht werden.

Im Gegenteil:

Eigentor, Frau Behnken!

Aber sie kann es werden, wenn wir sie einfach feiern. Mit oder ohne Siege. Gastfreundlich, fair und tolerant. Im Fußball, im Märchen und im echten Leben – geht´s ums Ganze und mehr als das. Um Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei. Um das, was den Ball am Laufen – und die Welt zusammen hält.“

Für Gastfreundschaft, Fairness und Toleranz braucht es ja gerade eben nicht Glaube (an die eigene Überlegenheit), Liebe (der eigenen Mannschaft/Nation gegenüber) oder Hoffnung (auf den eigenen Sieg).

Das, worum es mehr geht als ums Ganze, ist eben nicht „Glaube, Liebe, Hoffnung“. Sondern Gastfreundschaft, Fairness und Toleranz.

Egal, was jemand glaubt, wen jemand liebt und worauf jemand hofft.

Um im Sommermärchen-Fußball-Bild zu bleiben: Eigentor, Frau Behnken!

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4 Gedanken zu „Sommermärchen 2.0? – Das Wort zum Wort zum Sonntag“

  1. Das ist einfach nur „…“!
    (Bitte beliebiges Wort einsetzen.)

    „Aaaber, die von mir erzählten Märchen sind 101% wahr!
    Denn das hat mir der Teufel, äh sorry, natürlich Gott persönlich gesagt!
    Und morgen back ich und brau ich und baller wie ne Verrückte mitm Gymnastikball auf ne Torwand, um mögliche Eigentore zu vermeiden!“

    Antworten
    • Das ist sicher ein Grund. Ein anderer, genauso schwerwiegender, ist, dass der Verein zu 60% einem Scheich aus Dubai gehört. Und das geht ja nun mal gar nicht. 😉

      Antworten
  2. Wie sagten Sie, Frau Behnken, so richtig:
    „Glaube, Liebe, Hoffnung, das ist der Stoff, aus dem Märchen sind. … Glaube, Liebe, Hoffnung – nicht zuletzt einer der Kernsätze der Bibel.“
    Keine weiteren Fragen, Frau Behnken.

    Nur: Wenn Sie schon so freundlich sind, ihre Bibel auf das Niveau eines Märchenbuchs anzuheben, dann sollten Sie sich auch bitte dafür einsetzen, dass dieses Werk ganz deutlich auf dem Buchdeckel als solches erkennbar ist, z. B. so: „Die Heilige Schrift – ein Märchenbuch aus dem alten Orient“ oder so ähnlich.

    Das wäre doch nur konsequent, Frau Behnken, oder etwa nicht?

    Antworten

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