Hab Mut, steh auf!: Kritik zum Impuls vom Katholikentag 2026 in Würzburg

Lesezeit: ~ 8 Min.

Kritik zum Beitrag Stefan Buß: Hab Mut, steh auf! 104. Deutscher Katholikentag in Würzburg, veröffentlicht am 16.5.26 von Osthessennews

Darum geht es

Buß‘ Katholikentags-„Impuls“ perfektioniert die Rhetorik universaler Anschlussfähigkeit – ein Aufrichtungsappell, der so vage bleibt, dass er niemandem widerspricht, nichts riskiert und genau dadurch institutionelle Selbstvergewisserung ohne Selbstkonfrontation betreibt.

„Live vom Katholikentag“: Aufrichtung als Inszenierung

Stadtpfarrer Stefan Buß meldet sich „direkt vom 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg“ – ein Setting, das nicht zufällig gewählt ist. Die geografische Selbstpositionierung ist Teil der Botschaft: Hier spricht jemand aus dem pulsierenden Zentrum eines kirchlichen Großereignisses, eingebunden in die Gemeinschaft der Engagierten, der Hoffenden, der Aufrichtenden. Der Veranstaltungsort wird zur Beglaubigungsinstanz.

Was dann folgt, ist ein in seiner Bauart bemerkenswert routinierter Text – nicht weil er besonders gut wäre, sondern weil er ein Verfahren in nahezu reiner Form vorführt: die semantische Entgrenzung eines starken Begriffs bis zu dem Punkt, an dem er alles und nichts mehr bedeutet, kombiniert mit der Aneignung dezidiert säkularer Werte und der wohldosierten Selbstkritik, die jede konkrete Aussage sorgfältig vermeidet. Auch dieser Text liest sich wieder so, als hätte ihn eine klerikal gepromptete KI verfasst.

1. Mut als Allzweckwort: Die Ökonomie der Entgrenzung

Das Motto „Hab Mut, steh auf!“ verlangt zunächst eine Begriffsklärung – und Buß liefert sie, indem er den Begriff bis zur Bedeutungslosigkeit dehnt:

„Mut zeigt sich, wenn jemand morgens aufsteht, obwohl die Nacht schwer war. Wenn ein Mensch nach einer Enttäuschung neu anfängt. Wenn jemand den Mund aufmacht gegen Ungerechtigkeit. Wenn einer dem anderen zuhört, obwohl er selbst belastet ist.“

Mut ist in dieser Aufzählung gleichzeitig: Alltagsroutine, emotionale Resilienz, politischer Widerstand und empathisches Verhalten. Das ist nicht definitorisch unscharf, sondern definitorisch entgrenzt. Wenn aus dem Bett zu kommen schon Mut ist, dann ist jede Lebensregung mutig – und der Begriff hat seine Trennschärfe verloren. Wer Whistleblower und Frühaufsteher unter denselben Begriff subsumiert, hat keinen Mutbegriff mehr, sondern eine universal anschlussfähige Beruhigungsformel.

Das ist kein Versehen. Es ist die strukturelle Voraussetzung für das, was solche Texte leisten sollen: niemanden auszuschließen, niemanden zu überfordern, alle Zuhörer in der Selbstwahrnehmung „Ich habe doch schon Mut“ zu bestätigen. Die Niedrigschwelligkeit ist das Geschäftsmodell einer Institution, der zumindest hierzulande die Schäfchen davon rennen.

Die biblische Vorlage: Aus „sei getrost“ wird „hab Mut“

Das Motto „Hab Mut, steh auf!“ ist kein Originalbeitrag des Katholikentags, sondern eine Übersetzung aus Markus 10,49 – einem Vers innerhalb der Erzählung von der Heilung des blinden Bartimäus. Es lohnt sich, die Stelle vollständig zu lesen, bevor man sie als Lebensmotto verallgemeinert. In Vers 49 wird der am Straßenrand sitzende Bartimäus von Umstehenden mit den Worten „Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich“ zu Jesus geführt. Was dann folgt, ist die eigentliche Pointe:

„Dieser redete ihn mit den Worten an: ‚Was wünschest du von mir?‘ Der Blinde antwortete ihm: ‚Rabbuni, ich möchte sehen können!‘ Jesus sagte zu ihm: ‚Gehe hin, dein Glaube hat dich gerettet.‘ Da konnte er augenblicklich sehen und schloss sich an Jesus auf der Wanderung an.“

(Markus 10,51–52 MENG)

Worum es in dieser Erzählung geht, ist eindeutig: um einen Glaubensbeleg. Die Heilung erfolgt nicht durch Mut, nicht durch Aufstehen, nicht durch eigene Anstrengung des Blinden, sondern – so die Behauptung des Textes – durch dessen Glauben.

„Dein Glaube hat dich gerettet“ ist das theologische Fazit, und dieses Fazit ist ein exklusives: Wer geheilt wird, hat geglaubt. Implizit folgt daraus, was im Text nicht steht, aber strukturell unausweichlich mitgemeint ist: Wer nicht geheilt wird, hat eb

2. Säkulare Werte unter christlichem Etikett

Auffällig ist, wie selbstverständlich Buß einmal mehr in gewohnter religiöser Arroganz und/oder Ignoranz genuin säkular besetzte Motive für den christlichen Glauben reklamiert:

„Christlicher Glaube will mitten ins Leben hineinwirken. Er stärkt Menschen, sich einzumischen, Verantwortung zu übernehmen und Hoffnung zu verbreiten.“

Nächstenliebe - (c) Jacques Tilly
Nächstenliebe – (c) Jacques Tilly

Sich einmischen, Verantwortung übernehmen, gegen Ungerechtigkeit aufstehen – das sind Kerntugenden einer aufgeklärten, demokratischen Bürgergesellschaft. Sie sind weder christlich erfunden noch christlich exklusiv.

Engagement gegen Unrecht ist in modernen Gesellschaften überwältigend säkular getragen: durch NGOs, durch Gewerkschaften, durch zivilgesellschaftliche Bewegungen, durch Wissenschaft, durch Journalismus, durch staatliche Institutionen, die religiös neutral verfasst sind.

Die rhetorische Operation funktioniert so: Man nennt einen unstrittig positiven Wert, behauptet ihn implizit als Ausdruck des Glaubens und überlässt es dem Publikum, die Verknüpfung als naturgegeben zu übernehmen. Was nicht gesagt wird: Diese Werte sind im historischen Ernstfall gegen die Institution Kirche durchgesetzt worden, nicht von ihr.

Religionsfreiheit, Demokratie, Menschenrechte – das sind Errungenschaften gegen kirchliche Widerstände, nicht aus kirchlicher Initiative. Der Versuch, sie nachträglich als christliche Substanz zu vereinnahmen, ist Trittbrettfahrertum im Modus der Selbstvergewisserung.

3. Die Geste der Selbstkritik ohne Gegenstand

Buß widmet einen Absatz der innerkirchlichen Lage – und es lohnt sich, ihn genau zu lesen:

„Auch Kirche steht vor Herausforderungen. Vertrauen wurde verletzt, viele Menschen sind enttäuscht, manches wirkt schwerfällig. Gerade darum braucht es dieses Motto auch nach innen: Hab Mut, stehe auf! Mut zur Ehrlichkeit. Mut zur Erneuerung. Mut, zuzuhören.“

Beachtenswert ist hier vor allem, was nicht da steht. Worin genau besteht die Verletzung des Vertrauens? Wer hat es verletzt? Warum sind Menschen enttäuscht? Welche konkreten Strukturen sind „schwerfällig“? Die Formulierungen sind sorgfältig so gewählt, dass sie alles und nichts bedeuten können. Niemand muss benannt werden, kein Skandal konkretisiert, keine Verantwortung zugeordnet.

Begriffe wie „Missbrauch“ oder „pädokriminelle klerikale Sexualstraftäter“ fallen nicht. Die MHG-Studie wird nicht erwähnt. Die Vertuschungspraxis der katholischen Kirche nicht thematisiert. Die strukturellen Privilegien – Staatsleistungen, staatlich eingezogene Kirchensteuer, öffentlich finanzierte theologische Fakultäten – bleiben unbenannt.

Stattdessen: „Mut zur Ehrlichkeit.“ Eine Aufforderung zur Ehrlichkeit, die ihrerseits durch demonstrative Unkonkretheit und Unehrlichkeit gekennzeichnet ist – das ist nicht selbstkritisch, das ist die Inokulationsgeste in Reinform: Man impft sich gegen den Vorwurf der Realitätsverweigerung, indem man die Worte benutzt, ohne die Sachen zu meinen.

Katholikentag Würzburg 2026
Foto: 11tes-gebot.de

„Mut, sich an Jesus auszurichten statt an Gewohnheiten“ – auch hier: Welche Gewohnheiten? Klerikalismus? Zölibat? Frauenausschluss? Umgang mit queeren Katholikinnen? Der Satz funktioniert nur deshalb, weil er nicht weiß, wovon er spricht.

A propos Ehrlichkeit: Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn ausgerechnet ein Anhänger und Vertriebler einer magisch-mythologisch basierten Weltanschauung „Mut zur Ehrlichkeit“ einfordert. Hätte Buß selbst diesen Mut zur Ehrlichkeit, würden sich sein Drei-Drittel-Monogott einschließlich aller Engel, Teufel und Dämonen sofort in Luft auflösen, wenn es sie denn gäbe.

4. Der Aufrichter Jesus und die Statistik der Übersehenen

Buß ruft Jesus als Vorbild auf:

„Jesus selbst hat immer wieder Menschen aufgerichtet – körperlich, seelisch und geistlich. Er hat Kranke aufstehen lassen, Zweifelnde ermutigt, Gescheiterte neu angesehen und Ausgegrenzten Würde zurückgegeben.“

Es ist eine selektive Bilanz. Im Bild kommen nur die Aufgerichteten vor – nicht die, die liegen blieben, die nicht geheilt wurden, die nicht ermutigt wurden, die nicht angesehen wurden. Religionsgeschichtlich ist das ein klassischer Survivorship Bias: Die nicht überlebten, nicht geheilten, nicht aufgerichteten Fälle erscheinen in keiner Evangeliumsgeschichte, weil von ihnen niemand mehr berichten konnte. Die Erzählungen, die wir haben, sind per Konstruktion Erfolgsgeschichten.

Daraus ergibt sich eine unangenehme Kehrseite des Aufrichtungsappells, die Buß nicht ausspricht, die aber strukturell mitgedacht werden muss: Wer nicht aufsteht, hat dann offenbar zu wenig Mut, zu wenig Glauben, zu wenig Vertrauen. „Du musst nicht am Boden bleiben“ klingt ermutigend, schiebt die Verantwortung aber an die Niederliegenden. Die depressiv erkrankte Person, die seit Monaten nicht aus dem Bett kommt, die chronisch Schmerzkranke, die Arbeitslose im fünften Jahr – ihnen wird hier nicht geholfen, sie bekommen einen Appell. Und der Appell unterstellt, dass es an ihnen liegt, ob sie aufstehen.

5. „Weil Gott dich nicht liegen lässt“ – die Theodizee-Lücke

Der Text kulminiert in der Versicherung:

„Sondern weil Gott dich nicht liegen lässt. Weil neue Kraft wachsen kann. Weil jeder Tag die Möglichkeit eines neuen Anfangs trägt.“

Diese Behauptung steht in einem Text, der zwei Absätze zuvor von „Kriegen, Krisen, Unsicherheit, gesellschaftliche Spannungen“ und Menschen sprach, „die im Stillen mit Ängsten, Einsamkeit oder dem Gefühl, nicht mehr mithalten zu können“, kämpfen. Die Spannung zwischen „Gott lässt dich nicht liegen“ und der unübersehbaren Realität, dass sehr viele Menschen sehr nachhaltig liegen bleiben – verhungern, an heilbaren Krankheiten sterben, in Trümmern verschüttet werden – wird im Text nicht adressiert. Sie wird durch rhetorische Wärme zugedeckt.

Das ist die uralte Theodizee-Lücke, hier nicht gelöst, sondern höflich umgangen. Ein Text, der die Krisen der Gegenwart als Anlass nimmt und dann mit dem Versprechen göttlicher Aufrichtung schließt, müsste mindestens kurz erklären, warum die behauptete Aufrichtungsbereitschaft Gottes in der Empirie so wenig nachweisbar ist. Buß tut das nicht. Er muss es nicht, weil sein Format die Frage nicht zulässt.

6. Der Katholikentag als institutionelle Selbstberuhigung

Im Kontext ist der Text auch deshalb aufschlussreich, weil er aus einem Setting kommt, in dem die Kirche sich vor allem selbst zuhört. Katholikentage sind, bei aller Öffnung nach außen, primär binnenkommunikative Veranstaltungen: Engagierte Katholiken bestärken engagierte Katholiken, dass das Engagement sich lohnt. Vor dem Hintergrund anhaltender Austrittsdynamik, einer kontinuierlich schrumpfenden gottesdienstlichen Praxis und einer fortdauernden Erosion gesellschaftlicher Bindungswirkung erfüllt eine solche Veranstaltung primär die Funktion institutioneller Selbstvergewisserung.

„Hab Mut, steh auf!“ – als kirchliches Motto in dieser Lage ist auch eine Selbstadressierung: Lasst euch nicht entmutigen von den Zahlen, von den Skandalen, vom Bedeutungsverlust. Das ist legitim, aber es sollte als das erkennbar sein, was es ist: Binnenmoral in einem ringsum säkularer werdenden Land, nicht Gesellschaftsdiagnose.

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Die säkular-humanistische Alternative: Konkretion

Was würde ein säkular-humanistischer Aufrichtungsappell anders machen? Er würde mit Konkretion beginnen, nicht mit ihr aufhören.

Wer Menschen ermutigen will, die durch Krieg, Krankheit, Armut, Einsamkeit niedergedrückt sind, der weist nicht auf eine unsichtbare Aufrichtungsinstanz hin, deren Wirken sich der empirischen Überprüfung entzieht. Er weist auf konkrete Hilfsstrukturen hin: Sozialberatung, Schuldnerberatung, psychotherapeutische Angebote, Krisendienste, Selbsthilfegruppen, politische Organisationen, die strukturelle Ursachen angehen. Er anerkennt, dass viele Menschen aus eigener Kraft nicht aufstehen können – nicht weil ihnen Mut fehlt, sondern weil Strukturen sie niederhalten. Und er fordert dann nicht zuerst Mut von den Niederliegenden, sondern Veränderung von den Strukturen.

Wer von Mut spricht, sollte präzise sein. Mut ist nicht morgens aufstehen. Mut ist, das Risiko zu tragen, das mit einer Handlung verbunden ist, die richtig, aber unbequem oder gefährlich ist. Mut ist die Whistleblowerin, die ihren Job riskiert. Mut ist der Aktivist, der unter Repression demonstriert. Mut ist – und hier wird es für die Institution unangenehm – der Missbrauchsbetroffene, der gegen kirchliche Anwaltsstrategien öffentlich seine Geschichte erzählt. Diesen Mut zu benennen, hätte den Vortrag konkret gemacht. Er wäre dann allerdings nicht mehr universal anschlussfähig gewesen.

Fazit: Aufrichtung als Geste, die nicht aufrichtet

„Hab Mut, steh auf!“ ist ein Text, der auf den ersten Blick wenig Angriffsfläche bietet, weil er nichts behauptet, woran man ihn festnageln könnte. Genau das ist sein Problem. Er sagt sehr viel, ohne irgendetwas zu sagen. Er bemüht die großen Worte – Mut, Vertrauen, Hoffnung, Erneuerung, Ehrlichkeit – und entkoppelt sie systematisch von jedem konkreten Gegenstand. Er reklamiert säkulare Werte für den Glauben, ohne ihre säkulare Herkunft zu benennen. Er ruft zur Ehrlichkeit auf, ohne ehrlich zu werden. Er verweist auf einen aufrichtenden Gott in einer Welt, in der sehr viele Menschen sehr offensichtlich nicht aufgerichtet werden – und ignoriert die naheliegende Rückfrage.

Was bleibt, ist die Geste. Eine warme, freundliche, professionell gebaute Geste, die ihre Funktion als Geste verbirgt. Wer wirklich aufrichten will, muss konkreter werden – muss benennen, woran es liegt, dass Menschen am Boden sind, und muss bereit sein, sich auch dort konkret zu äußern, wo die eigene Institution Teil des Problems ist. Solange dieser Schritt ausbleibt, bleibt der Aufrichtungsappell vom Katholikentag, was er ist: eine Selbstberuhigung in der Sprache der Wärme. Mut wäre etwas anderes.

Aufrichtung auf Staatskosten: Was der Impuls verschweigt

Während Buß „live vom Katholikentag“ zum mutigen Aufstehen aufruft, demonstriert in derselben Stadt das Aktionsbündnis „11. Gebot: Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen!“ der Giordano-Bruno-Stiftung – seit zwölf Jahren wiederkehrender Protest gegen die öffentliche Subventionierung kirchlicher Großveranstaltungen. Der Anlass ist konkreter als alles, was im Impuls vorkommt: Der Würzburger Katholikentag wird mit mindestens 4,44 Millionen Euro Steuergeld bezuschusst – 3,0 Millionen vom Land Bayern, 940.000 Euro vom Bund, 500.000 Euro von der mit über 815 Millionen Euro verschuldeten Stadt Würzburg.

Bei rund 30.000 erwarteten Teilnehmern macht das eine Pro-Kopf-Subvention von etwa 148 Euro aus öffentlichen Mitteln.

Zum Vergleich: Das Würzburger Stadtfest mit über 130.000 Besuchern erhielt von der Stadt keinen einzigen Euro Förderung, das Festival „Umsonst & Draußen“ mit 80.000 Besuchern knapp 32.000 Euro.

Die Konstellation ist nicht zufällig pikant. Würzburg ist längst keine katholische Stadt mehr – Katholiken stellen aufgerundet ein Drittel der Einwohner, die Konfessionsfreien überschreiten zum Katholikentag die Fünfzig-Prozent-Marke. Und das mitveranstaltende Bistum verfügt nach eigenen Angaben über ein Vermögen von 423,9 Millionen Euro und nahm 2026 allein 178 Millionen Euro Kirchensteuer ein.

Die öffentliche Subvention fließt also nicht an einen klammen Veranstalter, sondern an eine der finanzstärksten Institutionen des Landes – mitfinanziert von einer Bevölkerungsmehrheit, für die diese Kirche keine Rolle mehr spielt.

Hinzu kommt:

Lediglich sieben von über 900 Veranstaltungen des Katholikentags widmen sich nach Angaben des Aktionsbündnisses der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt – ausgerechnet im Bistum Würzburg, das, um nur ein Beispiel zu nennen, über Jahrzehnte den Priester Wolfdieter Weiß deckte, der in mindestens fünf Pfarreien Kinder missbrauchte.

Genau hier wird die strukturelle Leerstelle des Impulses greifbar. Wer aus diesem Kontext heraus „Mut zur Ehrlichkeit“ einfordert und gleichzeitig die Finanzierungsfrage und die Aufarbeitungslücke ignoriert, betreibt Selbstinszenierung. Wer „Mut, zuzuhören“ anmahnt, müsste zuerst denen zuhören, die in genau dieser Stadt seit Tagen mit Großplastiken wie dem „Hängemattenbischof“ auf das hinweisen, was Buß systematisch ausspart.

Ein Aufrichtungsappell, der vor diesem Hintergrund ohne ein Wort zur Mitfinanzierung durch Konfessionsfreie und ohne ein Wort zur fortbestehenden Aufarbeitungslücke im eigenen Bistum auskommt, ist nicht harmlos. Er ist eine Übung im strategischen Ausblenden – und das macht das Format so wirksam: Es lässt den Sprecher als nachdenklich, warmherzig und ehrlich erscheinen, während die unbequemen Tatsachen sorgfältig außen vor bleiben. (Dokumentation des Protests beim Humanistischen Pressedienst: Katholische Missionierung auf Staatskosten.)

KI
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