Darum geht es
Conrad Krannich preist den Abendmahlstisch als Ort radikaler Gemeinschaft – dafür erfindet er einen Bibeltext, der so nicht existiert, verschweigt, dass genau dieser Tisch bis heute das wirksamste Ausschlussinstrument des Christentums ist, und empfiehlt am Ende einen Ort „jenseits von wahr und falsch“, den eine aufgeklärte Gesellschaft sich nicht leisten kann.Worum es geht
Conrad Krannich, evangelischer Pfarrer und Studierendenpfarrer in Halle an der Saale, spricht seit Anfang 2025 im Wechsel mit anderen Berufschristen das „Wort zum Sonntag“. Sein aktueller Beitrag „An einem Tisch“ nimmt sich ein tatsächlich drängendes Thema vor: die Erfahrung, dass Familien, Freundes- und Kollegenkreise an bestimmten Themen zerbrechen. Dass man sich noch an einen Tisch setzt, aber nur unter der Bedingung, dass gewisse Dinge unausgesprochen bleiben. „Ich leide daran“, sagt Krannich, und man glaubt es ihm.
Das ist eine ehrliche Beobachtung, und sie verdient eine ernsthafte Antwort. Krannich gibt allerdings eine theologische: das Abendmahl. Der Tisch Jesu als Vorbild einer Gemeinschaft, die noch die aushält, mit denen es eigentlich nicht mehr geht. Das klingt großzügig. Bei genauerem Hinsehen zerfällt es in drei Teile: einen erfundenen Bibeltext, eine verschwiegene Ausschlusspraxis und einen politisch bedenklichen Schluss.
Ein Garten, den es nie gab
Krannich erzählt das letzte Abendmahl so:
„In einem Garten bei Jerusalem essen sie miteinander und sind fröhlich, so als würde dieses wunderbare Leben ewig dauern.“
Das ist, Satz für Satz, falsch.
Kein Garten. Die Synoptiker sind an dieser Stelle völlig eindeutig: Das Mahl findet in einem Haus in der Stadt statt, in einem „großen Obersaal“ (Mk 14,15; Lk 22,12). Der Garten kommt danach – Gethsemane, jenseits des Kidron, nachdem sie den Lobgesang gesungen haben und hinausgegangen sind (Mk 14,26.32). Krannich schiebt zwei Szenen zusammen, die der Text mit Nachdruck trennt.
Keine Fröhlichkeit. Beim Markus-Abendmahl kündigt Jesus mitten im Essen den Verrat an. Die Reaktion der Jünger ist ausdrücklich nicht Fröhlichkeit, sondern Trauer: Sie werden traurig und fragen einer nach dem anderen, ob sie gemeint seien (Mk 14,19). Bei Lukas bricht bei Tisch obendrein ein Rangstreit aus, wer von ihnen wohl der Größte sei (Lk 22,24). Das ist keine Runde, die sich vorstellt, das Leben würde ewig dauern. Das ist eine Krisensitzung.
Und vor allem: kein Jesuswort. Krannich setzt in Anführungszeichen:
„Esst und trinkt und erinnert euch an mich und an all das, was ich euch beigebracht habe. Gebt einander nicht verloren.“
Der erste Teil ist eine freie Wiedergabe der Einsetzungsworte (1 Kor 11,24 f.). Der zweite Teil – „Gebt einander nicht verloren“, der Satz, auf dem die gesamte Predigt ruht – steht nirgends. In keinem Evangelium, in keinem Brief. Krannich hat ihn erfunden und als Zitat markiert.
Das wäre eine Marginalie, wenn der überlieferte Text irgendetwas Ähnliches enthielte. Er enthält das Gegenteil. Über denselben Judas, der bei Krannich unter dem „liebevollen Blick, der dir erstmal nur das Beste zutraut“ mit am Tisch sitzt, sagt Jesus im selben Kapitel: Es wäre besser für diesen Menschen, wenn er nie geboren wäre (Mk 14,21). Man kann diesen Satz theologisch verhandeln, historisch relativieren, redaktionsgeschichtlich einordnen. Was man mit ihm nicht machen kann: ihn in „Gebt einander nicht verloren“ übersetzen. Es ist die vollständige Preisgabe eines Menschen.
Hier liegt das methodische Problem. Krannich beruft sich auf eine Autorität – so hat Jesus es getan, so ist es überliefert, daran halten wir uns –, und zugleich schreibt er die Überlieferung um, bis sie zu seiner Botschaft passt. Der Text soll die Aussage tragen und wird zu diesem Zweck erst hergestellt. Das ist keine Exegese, das ist Requisite. Und es passt in ein Muster: Schon in seinem Beitrag zur Konfirmation hat Krannich eine unbelegbare Behauptung so tief in Stimmung eingebettet, dass sie kaum noch als Behauptung auffiel. Diesmal ist es nicht die Stimmung, die trägt, sondern eine schlicht falsche Quellenangabe.

Der Tisch, an dem nicht alle sitzen dürfen
Krannich weiß, dass es ein Problem gibt. Er streift es in einem Nebensatz:
„Christen haben sich immer wieder heftig gestritten darüber, was die Spielregeln sind und wer da mitmachen darf und wer nicht.“
Und dann geht er darüber hinweg. Das ist bemerkenswert, denn dieser Nebensatz ist nicht eine Fußnote zur Geschichte des Abendmahls – er ist die Geschichte des Abendmahls.
„Heftig gestritten“
Halten wir zunächst bei der Wortwahl inne. „Heftig gestritten“ beschreibt einen Konflikt, in dem geredet wurde. Ein Streit ist etwas, das man beilegt. Man erhebt die Stimme, man versöhnt sich wieder, man setzt sich – siehe Krannichs Bild – an einen Tisch.
Was tatsächlich geschah, sieht anders aus.
Am 14. Juni 1415 erklärte das Konzil von Konstanz die Kommunion unter einer Gestalt zum Gesetz: Der Kelch bleibt dem Priester, die Laien bekommen die Hostie. Drei Wochen später, am 6. Juli, wurde Jan Hus in derselben Stadt als Ketzer verbrannt. Der verbotene Laienkelch wurde daraufhin zum einigenden Symbol der böhmischen Reformbewegung – die Vier Prager Artikel von 1420 forderten, allen Gläubigen Brot und Wein zu reichen. Es folgten die Hussitenkriege: siebzehn Jahre, mehrere Kreuzzüge, verwüstete Landstriche in Böhmen, Mähren, Schlesien, Sachsen und Bayern. Menschen haben sich siebzehn Jahre lang gegenseitig totgeschlagen über die Frage, wer den Wein bekommt.
1529 scheitern Luther und Zwingli in Marburg an genau einer der fünfzehn verhandelten Fragen: dem Abendmahl. Luther soll die Trennung mit dem Satz kommentiert haben, die anderen hätten „einen anderen Geist“. Die politische Folge dieses Dissenses reicht bis 1648: Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 erkannte nur Katholiken und Anhänger der Augsburgischen Konfession an – die Reformierten, deren Abweichung im Kern die Abendmahlslehre war, blieben reichsrechtlich schutzlos und erhielten erst im Westfälischen Frieden Anerkennung. Fast hundert Jahre ohne Rechtsstellung, weil man sich über die Beschaffenheit von Brot und Wein nicht einigen konnte. Und wer in dieser Zeit die Realpräsenz öffentlich bestritt, riskierte in weiten Teilen Europas den Scheiterhaufen; das Konzil von Trient belegte den Widerspruch förmlich mit dem Anathema.
Das ist kein „heftiger Streit“. Das sind Ketzerprozesse, Hinrichtungen, Kreuzzüge und ein Jahrhundert Rechtlosigkeit.
Krannichs Formulierung ist keine Untertreibung, sie ist eine Umkategorisierung: Ein Gewaltverhältnis wird in ein Kommunikationsproblem übersetzt. Und das ist kein Zufall, sondern für seine Predigt konstitutiv. Denn ein Streit lässt sich am Tisch beilegen – Kreuzzüge nicht. Nur weil die Vorgeschichte des Abendmahls auf ein Beziehungsproblem zurechtgestutzt wird, kann das Abendmahl anschließend als Lösung von Beziehungsproblemen auftreten.
Die Ausschlussdrohung steht im ältesten Text
Man kann hier nicht einwenden, das sei alles spätere Entartung einer ursprünglich offenen Praxis. Schon der älteste erhaltene Text über die christliche Mahlfeier handelt vom Ausschluss. Paulus schreibt nach Korinth, dass dort beim Herrenmahl die einen sich sattessen und betrinken, während die anderen hungern (1 Kor 11,20–22) – die erste dokumentierte christliche Tischgemeinschaft war eine Klassengesellschaft. Und Paulus reagiert nicht mit „Gebt einander nicht verloren“, sondern mit einer Drohung: Wer unwürdig isst und trinkt, isst und trinkt sich selbst zum Gericht (1 Kor 11,27–29). Der Satz, der im Neuen Testament den Zugang zum Tisch regelt, ist eine Warnung vor Strafe.
Und heute?
Der Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen legte 2019 das Votum „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ vor und hielt eine wechselseitige Teilnahme an Abendmahl und Eucharistie für theologisch verantwortbar. Die römische Glaubenskongregation erteilte dem im September 2020 eine förmliche Absage: Die Unterschiede im Eucharistie- und Amtsverständnis seien „noch so gewichtig“, dass sie eine wechselseitige Teilnahme ausschlössen; auch für eine individuelle Gewissensentscheidung gebe es keine Grundlage. Der Ökumenische Kirchentag 2021 in Frankfurt, der genau diese Öffnung praktizieren wollte, stand damit unter römischem Vorbehalt.
Das heißt im Klartext: Der Tisch, den Krannich als Bild grenzenloser Gemeinschaft anbietet, ist der einzige Tisch in diesem Land, an dem seine katholische Nachbarin ihn offiziell nicht bedienen darf – und umgekehrt.
Zwei Konfessionen, dieselbe Bibel, derselbe Jesus, seit fünf Jahrhunderten getrennte Kelche. Wer ausgerechnet dieses Möbelstück zum Symbol dafür macht, dass niemand aufgegeben wird, betreibt eine bemerkenswerte Umdeutung. Man wählt nicht zufällig ein Bild, dessen reale Funktion das exakte Gegenteil dessen ist, was man behauptet. Man wählt es, weil das Publikum die reale Funktion nicht auf dem Schirm hat.
„Nicht wir laden ein“
Der interessanteste Satz des Beitrags ist der, mit dem Krannich das Problem entsorgt:
„Dabei sind es ja gar nicht wir, die einladen, sondern Jesus selbst.“
Das ist Verantwortungsdelegation in Reinform. Die Zugangsregeln zum Abendmahl sind menschengemacht und bestens dokumentiert: kirchenrechtliche Normen, Bekenntnisschriften, Beschlüsse von Synoden und Kongregationen, unterschrieben mit Namen und Datum. Es sind Bischöfe, Kardinäle und Kirchenleitungen, die entscheiden, wer den Kelch bekommt. Indem Krannich die Einladung einer transzendenten Instanz zuschreibt, verschwindet der Urheber – und mit ihm die Adresse für Kritik.
Der rhetorische Gewinn ist doppelt. Erstens ist die Regel unkritisierbar, sobald sie von Jesus stammt. Zweitens haftet niemand mehr für sie. Kardinal Ladaria hat ein Schreiben unterschrieben; Jesus hat kein Schreiben unterschrieben. Aber es ist Jesus, der als Gastgeber präsentiert wird. Das ist die Bauchrednerpuppen-Konstruktion, die uns in dieser Sendereihe regelmäßig begegnet: Der Sprecher bewegt die Lippen, aber die Autorität soll bei der Puppe liegen.
Der Substituierbarkeitstest
Machen wir die Probe. Was ist der handlungsleitende Kern des Beitrags?
Etwa: Halte den Kontakt zu Menschen, mit denen du im Streit liegst. Vermeide das Gespräch nicht aus Trotz oder Angst. Trage Konflikte aus, statt sie in Harmonie zu ertränken. Setz dich an den Tisch, auch wenn es unangenehm ist.
Nun streichen wir Jesus, Brot, Wein, Judas und Petrus. Ergebnis: Der Appell steht unverändert. Kein einziger Satz dieser Handlungsanweisung verliert seine Begründung, wenn man die Theologie entfernt. Sie ist nicht das Fundament, sie ist die Tapete. Und das gilt auch für die Würdebegründung, die Krannich nachschiebt: „Gott hat jeden einzelnen gewollt.“ Der Gedanke, dass jeder Mensch unabhängig von seiner Nützlichkeit, seiner Meinung und seiner Liebenswürdigkeit einen Anspruch auf Respekt hat, ist der Kern der Aufklärung und steht in Artikel 1 des Grundgesetzes. Er braucht keinen Schöpfer – und er wäre bei einem Schöpfer schlecht aufgehoben: Genau derselbe Gott hat jahrhundertelang als Begründung für Sklaverei, Ketzerverbrennung und Hexenprozesse herhalten müssen. Eine Würdegarantie, die davon abhängt, was gerade als Gotteswille gilt, ist keine Garantie.
„Jenseits von wahr und falsch“
Der letzte Satz ist der politisch heikelste:
„Ich glaube, es gibt ihn, diesen Ort jenseits von wahr und falsch, an dem wir einander nicht nur ertragen, sondern wirklich begegnen.“
Es fällt auf, was Krannich über den gesamten Beitrag hinweg nicht tut: Er benennt kein einziges der „heißen Eisen“. Wir erfahren nicht, worüber am Tisch geschwiegen wird. Das ist bequem, aber es ist auch der entscheidende Trick. Denn solange der Streitgegenstand unsichtbar bleibt, sehen alle Konflikte gleich aus – ein Beziehungsproblem, ein Kommunikationsproblem, ein Problem der Herzenshärte. Und für Beziehungsprobleme ist der Rat, sich wieder an einen Tisch zu setzen, richtig.
Nur sind die Konflikte, die aktuell Familien spalten, in aller Regel keine Beziehungsprobleme. Es sind Konflikte über Tatsachenbehauptungen – ob Impfungen wirken, ob der Klimawandel menschengemacht ist, ob eine Wahl gefälscht war – und Konflikte über Menschenrechte: ob Geflüchtete Menschen mit Anspruch auf Schutz sind, ob queere Menschen dieselben Rechte haben, ob Demokratie verhandelbar ist. In beiden Kategorien ist die Unterscheidung von wahr und falsch nicht das Hindernis auf dem Weg zur Verständigung. Sie ist die einzige Grundlage, auf der Verständigung überhaupt möglich ist.
Karl Popper hat das Toleranzparadox 1945 in einer Fußnote der „Offenen Gesellschaft“ formuliert: Eine unbegrenzte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz, weil sie den Intoleranten die Mittel liefert, sie abzuschaffen. Ein „Ort jenseits von wahr und falsch“ ist genau der Ort, an dem der Intolerante keinen Widerspruch mehr fürchten muss. Krannich meint das nicht so – aber er hat auch nichts, womit er diese Lesart ausschließen könnte, weil er die Sache nie beim Namen nennt.
Und er widerspricht sich dabei selbst. Zwei Sätze vorher wünscht er eine Gemeinschaft, „die Unterschiede nicht in Harmonie ertränkt, sondern Konflikte achtsam austrägt“. Das ist ein guter Satz. Nur: Konflikte austragen heißt, Gründe abwägen, Behauptungen prüfen, Positionen für falsch erklären. Das ist die Arbeit an der Unterscheidung von wahr und falsch, nicht ihre Suspendierung. Krannich will beides – die Auseinandersetzung und die Erlösung von ihr – und entscheidet sich am Ende für das Schönere.
Die säkular-humanistische Alternative
Der Befund ist nicht, dass Krannich zu viel Versöhnung will. Er ist, dass Krannich das Falsche für das Bindemittel hält.
Was Menschen an einem Tisch hält, die sich uneins sind, ist keine geteilte Metaphysik. Es sind geteilte Verfahren: die Bereitschaft, Gründe anzugeben; die Bereitschaft, sich durch bessere Gründe korrigieren zu lassen; die Anerkennung, dass Tatsachen nicht Verhandlungsmasse sind; und eine Grenze, hinter der Toleranz aufhört, nämlich dort, wo die gleiche Würde anderer bestritten wird. Streit ist in einer offenen Gesellschaft kein Betriebsunfall, den man mit Brot und Wein kittet. Er ist ihr Betriebsmodus.
Und ein Tisch, an dem tatsächlich alle Platz haben, existiert längst. Er hat keine Zulassungsordnung, keine Realpräsenzdebatte, kein Amtsverständnis und keine Glaubenskongregation, die Einladungen widerruft. Er steht in Küchen, Kneipen, Vereinsheimen und Stadtratssitzungen. An ihm sitzt man nicht, weil ein Gott einen dort gewollt hat, sondern weil man da ist – „wir, die wir jetzt hier sind, wir sind es nun mal, niemand anderes“, wie Krannich völlig zu Recht sagt.
Dieser Satz ist der beste des Beitrags, und er ist es aus einem präzisen Grund: Es ist die einzige Stelle, an der Krannich selbst ohne theologische Begründung auskommt. Überall sonst schiebt er eine nach – Gott hat jeden gewollt, Jesus lädt ein, denkt vom Anfang oder vom Ende her…
Hier nicht. Hier begründet er die Verpflichtung zueinander aus der schlichten Faktizität: Das sind nun mal die Menschen, die da sind, andere gibt es nicht. Das ist ein vollständiges, tragfähiges, restlos säkulares Argument – und es steht ausgerechnet in einer Verkündigungssendung. Krannich liefert damit den Beleg für das, was er im übrigen Beitrag zu bestreiten versucht: dass es die Theologie für all das nicht braucht.
Fazit
Krannich diagnostiziert ein reales Problem und bietet dafür ein Bild an, das er in drei Schritten unbrauchbar macht: Er erfindet den Bibeltext, auf den er sich beruft. Er verschweigt, dass sein Symbol der Gemeinschaft in der Praxis das effektivste Ausschlussinstrument des Christentums ist. Und er empfiehlt zum Schluss einen Ort jenseits von wahr und falsch, an dem sich die Frage, wer recht hat, angenehm in Beliebigkeit auflöst.
Bleibt eine Empfehlung, die richtig ist – redet miteinander, brecht den Kontakt nicht ab –, die aber nichts mit Jesus zu tun hat und die jeder Familientherapeut, jeder Mediator und jeder halbwegs vernünftige Mensch ebenfalls gibt. Dafür braucht es kein Abendmahl. Es braucht Geduld, Argumente und die Bereitschaft, unangenehm zu bleiben, wo Unangenehmes wahr ist.
Das ist mühsamer als ein Ort jenseits von wahr und falsch. Es ist der einzige, den es wirklich gibt.
Quellen und Belege
- Conrad Krannich: „An einem Tisch“, Das Wort zum Sonntag, ARD/Das Erste, Juli 2026
- Zum Ort des Mahls: Mk 14,15; Lk 22,12 (Obersaal); Mk 14,26.32 (Weg nach Gethsemane erst nach dem Mahl).
- Zur Stimmung beim Mahl: Mk 14,18–21 (Verratsankündigung, Trauer der Jünger); Lk 22,24 (Rangstreit).
- Zu Judas: Mk 14,21 („Es wäre besser für diesen Menschen, wenn er nie geboren wäre.“).
- Zum Herrenmahl in Korinth: 1 Kor 11,20–22 (soziale Spaltung), 11,24 f. (Einsetzungsworte), 11,27–29 (Gerichtsdrohung bei unwürdigem Empfang).
- Konzil von Konstanz: Beschluss vom 14. Juni 1415 zur Kommunion unter einer Gestalt (Verbot des Laienkelchs); Verbrennung von Jan Hus am 6. Juli 1415, von Hieronymus von Prag 1416.
- Der Laienkelch als Symbol der hussitischen Bewegung; Vier Prager Artikel (1420); Hussitenkriege 1419–1436/37, mehrere Kreuzzüge (vgl. Historisches Lexikon Bayerns, Stichwort „Hussitenkriege“).
- Marburger Religionsgespräch 1529: Einigung in vierzehn von fünfzehn Artikeln, Scheitern an der Abendmahlsfrage; die Luther zugeschriebene Äußerung vom „anderen Geist“ ist überliefert, nicht urkundlich gesichert.
- Augsburger Religionsfrieden 1555: reichsrechtliche Anerkennung nur des katholischen Bekenntnisses und der Augsburgischen Konfession; Reformierte erhielten erst mit dem Westfälischen Frieden 1648 Anerkennung.
- Konzil von Trient, Sessio XIII (1551), Canones zur Eucharistie: Anathema gegen die Leugnung der Realpräsenz.
- Ökumenischer Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen: Votum „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ (2019).
- Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben von Kardinal Luis Ladaria an den DBK-Vorsitzenden Bischof Georg Bätzing vom 18. September 2020: Absage an wechselseitige Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl; Dokumentation und Berichterstattung u. a. bei katholisch.de und Vatican News.
- Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Bd. 1, Anm. 4 zu Kapitel 7 (Toleranzparadox).
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