Kommentar zu: Fünf Diakone geweiht – Weihbischof DIEZ: „Menschen auf ihrem Glaubensweg Halt geben“

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Kommentar zu: Fünf Diakone geweiht – Weihbischof DIEZ: „Menschen auf ihrem Glaubensweg Halt geben“, veröffentlicht am 17.04.16 von Osthessennews, Autor nicht genannt

“Der Gekreuzigte will Euch Halt geben, damit Ihr die Menschen auf ihrem Glaubensweg halten könnt“, sagte Fuldas Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez am Samstag im vollbesetzten Fuldaer Dom zu fünf künftigen Diakonen.*

Woher will Herr Prof. Dr. Karlheinz Diez so sicher wissen, was “der Gekreuzigte” will? Vom historisch möglicherweise belegbaren Jesus ist nicht überliefert, ob er als Endzeitsektenführer, der als Wanderprediger der Unterschicht eines vormittelalterlichen Wüstenvolkes die nahe Apokalypse verkündigte, noch irgendjemandem Halt geben wollte.

Was der biblische Jesus Christus wollte oder gar heute noch will ist ebenfalls völlig beliebig definierbar – bei dieser Gestalt handelt es sich um eine Phantasiefigur, basierend auf Sagen und Legenden früherer angeblicher Göttersöhne.

„Andererseits kennen viele Menschen auch die Sehnsucht nach Klarheit, nach Entschiedenheit, nach Verbindlichkeit. Gerade junge Leute suchen nach klaren und verbindlichen Antworten auf ihre Fragen, nach überzeugenden Lebensrezepten, nach authentischen und echten Menschen, die ein Wort halten, das sie gegeben haben.“

Zum Glück für die Menschheit ist das so. Eine Folge dieses Wandels zeigt sich eindrucksvoll im steilen Anstieg der Kirchenaustrittsstatistik in Deutschland und speziell auch im Bistum Fulda.

Das gelte auch für das geistliche Leben.

Stimmt, indem sich immer weniger Menschen mit falschen Versprechen in die Irre führen und von genauso erfundenen Bedrohungen einschüchtern lassen, wird immer mehr Menschen bewusst, dass eine Religion mit einem archaischen Wüstengott an der Spitze keine Rolle mehr für die Anforderungen der Gesellschaft im 21. Jahrhundert spielen.

Für einen ehrlichen Blick auf das eigene Selbst mit seinen Licht- und Schattenseiten könne das Gebetswort „Herr, du kennst mich!“ hilfreich sein.

Voraussetzung für alles, was mit Ehrlichkeit zu tun hat, ist es, sich von Illusionen und Fiktionen wie die von überirdischen allwissenden Herren zu befreien und sich auf die reale, natürliche Wirklichkeit zu konzentrieren. Erfundene Götter, die bis heute noch niemals irgendwie seriös nachweisbar in Erscheinung getreten sind, sind nur für die Leute wirklich hilfreich, die ihr Geld damit verdienen, dass andere Leute daran glauben.

„Es will den Glauben bestärken und Vertrauen wecken, aus der Erfahrung im Glauben: Ich bin angeschaut, ich bin geliebt.

Glaubenserfahrungen sind in Wirklichkeit Menschenerfahrungen und belegen ebenfalls nicht die Existenz von Göttinnen, Göttern, Göttersöhnen oder Geistern. Genauso kann man sich zum Beispiel von Schneewittchen oder von Plumpaquatsch angeschaut und geliebt fühlen. Kann man machen, zeugt allerdings nicht unbedingt von besonderer Reife.

Sicher kann es auch ein Wort sein, das mich richtet! Aber zuerst soll es ein Wort sein, das mich vertrauen lässt, das mir Geborgenheit schenkt.“

Was Religionen angeht, kann es NUR ein Wort sein, weil sie nur aus Worten (bzw. Wörtern) besteht. Es ist heute sicher keine leichte Aufgabe mehr für die Ober-, Unter- und Aushilfshirten, Menschen davon zu überzeugen, dass sie auf eine Fiktion vertrauen und sich von einer Illusion geborgen fühlen sollen. Immer weniger Menschen fühlen sich als Schafe und deshalb fühlen sich auch immer weniger Menschen in einer Schafherde geborgen…

Jesus sage über die Größe eines Menschen: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.“ und „Denn auch der Menschensohn ist nichtgekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“

Der Halbsatz zwischen diesen beiden Zitaten fehlt, wohl kaum zufällig, im Text. Er lautet:

  • und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein.
    (Quelle: Mt20,26 EU)

Sklavenhaltung passte Herrn Prof. Dr. Diez dann offenbar doch nicht so recht ins gewünschte Bild – also einfach weglassen und hoffen, dass sich niemand die Mühe macht, den Kontext zu lesen oder gar mal anzufangen, die Glaubwürdigkeit biblischer Aussagen, besonders in Hinblick auf angebliche Jesuszitate, kritisch zu hinterfragen. Zu praktisch jeder biblischen Aussage findet sich auch eine Aussage, die sich genau gegenteilig auslegen lässt.

Ein großer Mensch sei laut Diez, wer sich in das Licht der Wahrheit stelle, sich an Jesus festhalte, sich mit seinen Licht- und Schattenseiten dem göttlichen Du anvertraue und sich in allen Situationen seines Lebens von diesem getragen und gehalten wisse.

Diese Forderung ist unsinnig, weil sich das “Licht der Wahrheit” und ein “göttliches Du” bis zum Beweis des Gegenteils ausschließen. Daran ändert sich auch nichts, wenn Herr Prof. Dr. Diez sich das so ausgedacht hat und öffentlich behauptet. Wenn man sich von einem Gott “getragen und gehalten” wissen könnte, bräuchte man nicht mehr an ihn zu glauben. Solang man nur an ihn glauben kann, kann man sich weder getragen, noch gehalten oder sonstwas wissen.

[…]. „Es sind Worte, die Halt geben, Worte, die Gottes Haltung zu den Menschen darstellen“, betonte der Weihbischof.

Vermutungen über die Haltung Gottes zu den Menschen sind völlig beliebig und daher sinnlos, solange es nicht wenigstens einen einzigen seriösen Beleg für die Existenz dieses Gottes und sein Eingreifen ins Geschehen gibt und selbst dann wüsste man noch nicht automatisch, welche Haltung Gott zu den Menschen hat. Geht man vom biblischen Gottesbild aus, so kann man nur froh sein, dass dieser nicht existiert.

Bleibt zu hoffen, dass auch den fünf neuen Kirchendienern irgendwann klar wird, dass der Glaubensweg ein Holzweg ist und dass sie sich wieder der faszinierenden, aber auch herausfordernden realen, natürlichen Wirklichkeit zuwenden.

*Die als Zitat gekennzeichnete Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Originalartikel.

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