Kommentar zu: KREUZBERG – Drei Devotionalien-Buden müssen weichen – UPDATE

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Kommentar zu: KREUZBERG – Drei Devotionalien-Buden müssen weichen, Originalartikel verfasst von Marion Eckert, veröffentlicht am 16.09.2016 von Mainpost.de

Die Geschäftsführerin der Franziskaner Klosterbetriebe GmbH, Angelika Somaruga, packt es an. Die drei Verkaufsbuden am Rand des Klosterareals auf dem Kreuzberg müssen weg. Weil sie angeblich den Blick auf die Kirche versperren. Und weil sie “heruntergekommen und gammelig” seien.

Einen anderen, viel plausibleren Grund, schließt Frau Somaruga sicherheitshalber gleich mal aus:

„Ich will niemand etwas wegnehmen. Es geht hier nicht um Konkurrenzdenken und steht nicht im Zusammenhang damit, dass wir einen Klosterladen neu bauen.“*

Fadenscheinige Argumente

sceptical_baby_2_meme-www-memegen-comAllzu fadenscheinig wirkt das Ansinnen, diesen Platz zu einem Meditationsplatz umgestalten zu wollen. Damit auch kirchenferne Personen spirituelle Erlebnisse “außerhalb des Wirtschaftsbetriebes” haben könnten. Kirchenferne Personen meiden in der Regel das Klosterareal sowieso. Abgesehen vielleicht von Toilette, Bier- und Essensausgabe.

Die brauchen weder Todesfolterungsszenen, noch spezielle Plätze, um innezuhalten und nachzudenken. Und zum Glück gibts sogar auf dem Kreuzberg noch viele Bereiche, die noch nicht mit Kreuzen, Gruften und anderen verstörenden Denkmälern bebaut wurden.

In wenigen Gehminuten erreicht man beeindruckende Buchenwälder und Wiesenflächen mit herrlichem Panoramablick und spektakulärer Flora.

Oder auch ein absolut sehenswertes Basaltblockmeer. Alle Plätze frei von Kreuzen. Hervorragend zum Innehalten geeignet. Oder zur Meditation. Und alle bis zum Beweis des Gegenteils ebenfalls garantiert frei von Göttern, Geistern und Gottessöhnen.

Interessanterweise scheint es sich bei diesem radikalen Kahlschlag um einen Alleingang der Geschäftsführerin zu handeln:

Pater Stanislaus Wentowski, der Guardian des Klosters Kreuzberg, spricht von „Entwicklungen, die die bisher guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu zerstören drohen“. Er könne nicht nachvollziehen, dass Wallfahrer sich an den Buden stören könnten. „Die Buden gehören seit Generationen zum Kreuzberg dazu. Das ist eine Tradition, die erhalten und nicht aufgegeben werden sollte.“

Souvenir-Buden: Tradition seit 5 Generationen

Die Tradition der Buden, die teilweise heute in der 5. Generation schon seit den 1920er Jahren auf dem Kreuzberg Souvenirs aller Art feilbieten, scheint Frau Somaruga jedenfalls egal zu sein. Und das Schicksal der Betreiber auch.

Unweigerlich fühlt man sich an eine ähnliche Begebenheit erinnert. Derjenige, der in dieser Legende die Händler aus dem Tempel vertrieben hatte, war vermutlich genau wegen dieses Verhaltens am Kreuz zu Tode gequält worden. Wie die Geschichte wohl am Kreuzberg ausgehen wird?

Update 20. September 2016

Bei einem Besuch auf dem Kreuzberg wollten wir uns heute selbst ein Bild von der Situation machen. Heute hatte nur der Hutladen geöffnet. Dieser steht auf Privatgrund und darf deswegen bleiben. Die Dame klärte uns auf, dass die drei Buden betroffen seien, die sich auf dem Kirchengelände befinden:

Lageplan
Lageplan

Freie Sicht

Das Argument, die Buden würden den Blick auf die Kirche versperren, lässt sich beim besten Willen nicht nachvollziehen. So sieht es dort aktuell aus:

[pano file=”buden/pano.html”]

Keine Auskunft

Wir hatten anschließend versucht, mit Frau Somaruga zu sprechen, um uns selbst ein Bild zu machen. Die war zwar anwesend, wollte aber nicht mit uns sprechen. Sie ließ telefonisch ausrichten, dass wir uns die Buden selbst anschauen sollten und sah es ansonsten momentan als “nicht erforderlich” an, sich dazu zu äußern.

Unser Eindruck

Die drei Buden, die abgerissen werden sollen, könnten wohl sicher mal wieder einen neuen Anstrich vertragen. Der Besitzer des Areals könnte zudem mit wenig Aufwand dafür sorgen, den mittlerweile etwas ausgetretenen Schotterweg zu den Buden etwas ansehnlicher zu gestalten.

Dass die Buden aber den Blick auf die Kirche stören, können wir beim besten Willen nicht bestätigen. Die Buden stehen deutlich neben dem Weg, der zur Kirche führt:

Kreuzbergbuden
Kreuzbergbuden

Infos zur aktuellen Entwicklung gibts in dieser Facebook-Gruppe.

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

  • Rhön- und Saalepost:
    KREUZBERG – Buden am Kreuzberg sollen weg
    Ärger und Unverständnis bei den Betreibern – Ein Stück Tradition geht verloren
  • Radioprimaton.de:
    Kreuzberg: Drei Souvenirbuden sollen abgerissen werden
  • Osthessennews:
    Eine Ära geht zu Ende
    Kiosk der Familie MATHES am Kreuzberg muss zum Saisonende schließen
  • Mainpost:
    Kreuzberger Buden-Zauber in Facebook

*Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Artikel.
**Meme mit freundlicher Unterstützung von memegen

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