Gedanken zu: Dr. Waap: Evangelium nach Reinhard Mey – Der „AAAndere Gottesdienst“ im Nachklang zum Reformationstag

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Gedanken zu: Dr. Waap: Evangelium nach Reinhard Mey – Der „AAAndere Gottesdienst“ im Nachklang zum Reformationstag, Originalartikel veröffentlicht am 09.11.16 von Osthessennews

Alles nur arme kleine Würstchen. Pfarrer Dr. Thorsten Waap (Heringen) nennt dies mit Augenzwinkern das „Evangelium nach Reinhard Mey“.*

Es wäre interessant von Herrn Mey zu erfahren, was er davon hält, wenn seine Lieder für religiöse Zwecke im wahrsten Sinn des Wortes instrumentalisiert werden. Aus seinen Texten geht hervor, was er von klerikalen Institutionen hält. So heißt es zum Beispiel im Lied „Sei wachsam“:

  • „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt du sie dumm, ich halt sie arm.“ (Reinhard Mey: Sei wachsam)

Evangelium nach Reinhard Mey: Ich glaube nicht

Wenn es schon ein „Evangelium nach Reinhard Mey“ geben soll, dann wäre dies der Song „Ich glaube nicht.“

Da hier der ganze Text zu zitieren wäre, gibts an dieser Stelle einfach einen Link zum Text und hier den Song:

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[…] Gott liebt die armen, kleinen Würstchen: Luther hat das Rechtfertigung genannt. Das[s] wir arme kleinen Würstchen, wir Sünder, geliebt sind“, so Thorsten Waap.

Wie ist ein Gott zu rechtfertigen, der Sünder zwar liebt und aber trotz seiner angeblichen Allmacht nichts gegen Leid und Elend in der Welt unternimmt? Die einzige Entschuldigung für Gott ist, dass er nicht existiert.

Arme kleine Würstchen

Dr. WaapIch persönlich komme zu einer ganz anderen Erkenntnis aus dem Lied von den armen kleinen Würstchen. Damit sind nicht „wir Sünder“ gemeint. Sondern zum Beispiel Menschen, die vorgeben, Dinge zu wissen, die sie gar nicht wissen.

Etwa solche, die sich als von überirdischen Wesen angesprochen und geliebt fühlen. Oder die meinen, zu einem „auserwählten Volk“ zu gehören. Weil in einer antiken Mythensammlung von einem angeblich „auserwählten Volk“ die Rede ist. Und weil sich das gut anfühlt, von jemandem oder etwas auserwählt zu sein: „Gratulation! Sie wurden ausgewählt, an unserer Kaffeefahrt teilzunehmen! Sie müssen nur dran glauben, dass es tatsächlich etwas umsonst gibt.“

Oder auch solche, die sich einbilden, dieser Gott hätte seinen eigenen Sohn für ihre Sünden qualvoll zu Tode quälen lassen. Da kann man sich dann schon was drauf einbilden. Es mag sich sicher erleichternd anfühlen, wenn man sein eigenes Fehlverhalten dadurch relativieren kann, dass man ja trotzdem von keinem geringeren als dem Allmächtigen geliebt sei. Heuchlerisch, selbstgerecht und überheblich ist es allemal.

Genau das sind „arme kleine Würstchen.“ Und „für die Erkenntnis blind, dass sie [deshalb!] auch nur arme kleine Würstchen sind.“

Gottesdienst, ob „AAAnderer Gottesdienst“ oder normaler Gottesdienst sei genau dafür da, dass Gott uns dienen könne: „Gott will einfach nur, dass wir da sind, so wie wir sind. Füße hochlegen, Hände in den Schoß, da sein und den Herrgott mal machen lassen.“

Woher weiß Dr. Waap, was Gott will?

Herr Dr. Thorsten Waap, woher wissen Sie, was Gott will? Falls Sie es (was sehr wahrscheinlich ist) aus der Bibel wissen: Dort kann man auch für die genau gegenteilige Aussage genügend passend erscheinende Stellen finden, wenn man möchte. Weil Rosinenpicken nicht nur in Chansons, sondern auch besonders gut in der Bibel funktioniert. Denn dort wird der angebliche Wille Gottes wie folgt beschrieben (Hervorhebungen von mir):

  • Zur Frau sprach er: Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. Unter Schmerzen gebierst du Kinder. Du hast Verlangen nach deinem Mann; er aber wird über dich herrschen. Zu Adam sprach er: Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte: So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens.
    Dornen und Disteln lässt er dir wachsen und die Pflanzen des Feldes musst du essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück. (Quelle: 1. Mose 3, 16.19 EU)

Nicht genug? Kein Problem:

  • Wie lang, du Fauler, willst du noch daliegen, wann willst du aufstehen von deinem Schlaf? (Quelle: Sprüche 6,9 EU)
  • Wer im Sommer sammelt, ist ein kluger Mensch; in Schande gerät, wer zur Erntezeit schläft. (Quelle: Sprüche 10,5 EU)
  • Denn als wir bei euch waren, haben wir euch die Regel eingeprägt: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Wir hören aber, dass einige von euch ein unordentliches Leben führen und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten. Wir ermahnen sie und gebieten ihnen im Namen Jesu Christi, des Herrn, in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen und ihr selbst verdientes Brot zu essen. (Quelle: 2. Thes 3, 10-12 EU)
  • Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern und mit aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus. (Quelle: Eph 6,5 EU)

Nicht „Gott will einfach nur, dass wir da sind.“ Herr Dr. Waap will das. Weil sein Job davon abhängt, dass noch irgendwer da ist. Egal wie und warum, physische Anwesenheit reicht. Und genau genommen ist nicht mal mehr die erforderlich. Es reicht schon, nur nicht aus der Kirche auszutreten.

Alle guten Gaben – aber von welchem Gott?

Dass Pfarrer Dr. Waap mit besonderen Gaben von Gott beschenkt worden ist, hörte und erlebte man im Gottesdienst, in seiner Predigt und im Gesang.

Lebt man wie Herr Dr. Waap in einer religiös erweiterten Wirklichkeit, dann würde der Dank wohl am ehesten Apollo gebühren. Also dem Gott, den sich die Menschen als Gott des Lichtes, des Frühlings, der Musik, des Gesanges und der Dichtkunst ausgedacht hatten.

Wenn sich Herr Dr. Waap von Gott beschenkt fühlt, wäre es interessant zu erfahren, wie sicher er sich ist, dass er seine göttlichen Geschenke tatsächlich von Jahwe erhalten hat. Und nicht von Apollo. Der könnte womöglich ziemlich sauer sein, wenn die Menschen sich nicht von ihm, sondern von einem Wüsten-Berge-Wetter-Kriegsgott beschenkt fühlen. Der für Musik nun mal gar nicht zuständig ist.

*Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten Originalartikel.
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