Gebet, das in der Kirche von Arnstein ausliegt

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Vor einigen Tagen ereignete sich in der unterfränkischen Stadt Arnstein eine Tragödie: Sechs Jugendliche, die in einer Gartenlaube gefeiert hatten, starben.

Als Todesursache ermittelte die Polizei eine Kohlenmonoxidvergiftung, verursacht durch die Abgase eines Stromgenerators. Dieser hätte nur im Freien betrieben werden dürfen.

Wer einen solchen Verlust noch nicht selbst erleben musste, kann sich wahrscheinlich nur bedingt vorstellen, wie groß der Schmerz der Angehörigen, aber auch der Freunde und Bekannten sein muss, die geliebten Kinder, Freunde oder Bekannte durch einen solch tragischen Unfall verloren zu haben.

Arnstein trauert

Wie die Mainpost berichtete, suchten viele Arnsteiner die Kirche auf, um der Toten zu gedenken und um Trost zu erhalten. Zusammen mit dem Artikel wurde auch ein Gebet veröffentlicht, das in der Kirche von Arnstein ausliegt:

Gebet Arnstein
Quelle: Mainpost

Besonders in einer Ausnahmesituation wie dieser mag es natürlich sein, dass selbst eine solche Illusion irgendwie Trost spenden kann. Den Trauernden dürfte es in ihrer momentanen Situation vermutlich ziemlich egal sein, dass schon die Vorstellung, es gäbe einen Gott, dem “Zufall oder blindes Schicksal” einen Menschen nicht “entreißen” könne, absurd ist.

Oder auch die Vorstellung, dass lebende und gestorbene Menschen einem überirdischen Wesen, das sich Menschen ausgedacht haben, gehören würden. Und dass es ein Reich gäbe, in das Menschen nach ihrem Tod aufgenommen werden. Wenn die Hinterbliebenen den Herrscher dieses Reiches darum bitten.

Barmherziger Gott?

Diesen Gott, der trotz seiner angeblichen Allmacht und Allgüte nichts gegen den Unfall in Arnstein unternommen hatte, als “barmherzig” zu bezeichnen, das müsste eigentlich aber schon den Einen oder Anderen wenigstens zum Nachdenken bringen.

So unvorstellbar groß der Schmerz der Hinterbliebenen sicher ist und so hart die Wahrheit auch erscheinen mag: Es war eben kein Zufall oder blindes Schicksal, was den tragischen Unfall verursacht hatte. Sondern ein Gerät, das nicht innerhalb eines Raumes hätte betrieben werden dürfen. Unfälle sind meist die Folge einer Verkettung unglücklicher Umstände.

Den Verfasser dieses Gebetes aus der Kirche in Arnstein würde ich gerne fragen, warum er einerseits dieses Unglück offenbar für eine Folge von “Zufall” oder “blindem Schicksal” hält. Obwohl er andererseits vermutlich gleichzeitig ja alles Positive selbstverständlich dem Wirken und Wollen seines barmherzigen Gottes zuschreibt. Ich würde ihn gerne fragen, woran er unterscheiden kann, was seiner Meinung nach auf Erden durch “Zufall oder blindes Schicksal” und was durch das Wirken seines Gottes verursacht wird.

Ich wünsche den Trauernden, dass sie hilfreiche Unterstützung in ihrer Trauer erhalten.

Und zwar von Menschen. Denn genauso, wie auch dieser Gott nicht barmherzig ist, hilft er in Wirklichkeit auch nicht bei der Trauerbewältigung. Nicht mal dann, wenn man ihn darum bittet. Kein Gott hat je nachweislich in das irdische Geschehen eingegriffen. Weder zum Wohl, noch zum Wehe der Menschen.

Der Zeitungsausschnitt stammt aus der Mainpost vom 1.2.2017

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