Fundstück der Woche: Kirche in der Verleugnungsphase

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In diesem Kommentar auf hpd.de setzt sich die stellvertretende Chefredakteurin Daniela Wakonigg mit dem Kirchensterben in Deutschland auseinander.

Auslöser war die Prognose von Forschern der Universität Freiburg, dass sich die Mitgliederzahlen der Großkirchen in Deutschland bis zum Jahr 2060 halbiert haben werden.

In ihrem Kommentar vergleicht Wakonigg die Kirche mit einem todkranken Patienten, der noch künstlich am Leben und vom Staat finanziell schmerzfrei gehalten wird:

Die Kirche in Deutschland stirbt also. Doch sie will es nicht wahrhaben. Die Verleugnungsphase. Eine verständliche Reaktion. Wer blickt dem eigenen Untergang schon gern ins Auge?

Warum sollte sie auch? Schließlich spürt sie den Schmerz ihres Vergehens dank der staatlichen Palliativversorgung mit hohen Dosen an Finanzmitteln kaum.
(Quelle der so als Zitat gekennzeichneten Abschnitte: Kommentar von Daniela Wakonigg via hpd.de, 3.5.2019)

Die studierte Philosophin, Theologin und Germanistin empfiehlt der Kirche:

Geh’ in Würde, solange nach den vielen Skandalen noch Reste davon vorhanden sind.

Denn sie ist sich sicher: Die Generation, die nun folgt, besteht aus Menschen, die ihr Schicksal und das der Erde in die eigene Hand nehmen. Das Geld, mit dem derzeit noch die Kirche künstlich am Leben erhalten wird, sei dort besser aufgehoben.

Meme Daniela Wakonigg

Wie damit umgehen…?

Die Schäfchen, die die Kirche versucht ins Trockene zu bringen sind nicht die Schäfchen, die ihr gerade scharenweise davonlaufen. Die meisten Kirchenfunktionäre dürften längst die Hoffnung aufgegeben haben, dem Mitgliederschwund noch irgendetwas Wirksames entgegensetzen zu wollen.

Vielmehr hat man sich wohl längst damit abgefunden, dass die Nachfrage nach den angebotenen Heilsillusionen stetig sinkt. Wobei aktuell niemand effektiver für den rasanten Mitgliederverlust sorgt als die Kirche selbst.

Verfolgt man die religiösen Verkündigungen, kann man verschiedene Strategien beobachten. Von fatalistischer Larmoyanz bis hin zu einer trotzigen “Jetzt-erst-recht”-Mentalität ist da alles anzutreffen.

Bis heute profitiert der Kirchenkonzern maßgeblich von diesen Faktoren:

  1. Die Erlaubnis zur frühkindlichen religiösen Indoktrination
    Dazu gehören die Ausnutzung des Vertrauensverhältnisses zwischen Eltern und ihren Kindern, Missionierung über Betreuungseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft und der Religionsunterricht.
  2. Die Trägheit der Mitglieder, auszutreten
    Nach wie vor bringen nicht mal die Skandale oder die Kirchensteuer Menschen dazu, aus der Kirche auszutreten. Das hängt zusammen mit Faktor Nr. 3:
  3. Die Legende von der christlichen Moral
    Bis heute haben Leute noch die Vorstellung, Kirche sei an sich wahrscheinlich schon irgendwie etwas im Grunde Positives.
  4. Das kirchliche Lobby-Netzwerk
    Dieser Faktor dürfte am schwersten zu überwinden sein. Weil die Kirche ihren Anspruch auf politische Einflussnahme sicher bis zuletzt verteidigen wird. Die Geschichte bis in die Gegenwart zeigt: Ohne Druck von außen rückt die Kirche keinen Millimeter von ihren heute mit nichts mehr zu rechtfertigenden Sonderprivilegien und staatlicher Alimentierung ab.

Und deshalb läuft gerade die

Die säku­lare Bus­kam­pagne 2019 – Schluss­machen jetzt!

Auf der Seite beschreiben die Veranstalter die Aktion wie folgt:

Buskampagne 2019

Vor 10 Jahren stand unsere säkulare Buskampagne unter dem Motto „Gottlos glücklich“. Wir fuhren mit dem Bus durch die Republik, um darauf hinzuweisen, dass viele Millionen Menschen in Deutschland ein freies, sinnerfülltes Leben führen, ohne auf religiöse Vorstellungen zurückzugreifen. Unsere Botschaft, dass in diesem Land mehr konfessionsfreie Menschen als Katholiken oder Protestanten leben, ist inzwischen in der Gesellschaft angekommen.

An den politischen Verhältnissen hat sich in den letzten 10 Jahren jedoch kaum etwas geändert. Denn noch immer finanziert der deutsche Staat die Kirchen mit Milliardenbeträgen. Und noch immer schränken religiös beeinflusste Gesetze die Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger von der Wiege bis zur Bahre ein. Deshalb steht die säkulare Buskampagne 2019 unter dem Motto „Schlussmachen jetzt!“:

Wir fordern die konsequente Trennung von Staat und Religion sowie die strikte Beachtung des Verfassungs­gebotes der welt­anschaulichen Neutralität des Staates!

Es muss endlich Schluss damit sein,

  • dass Bischofsgehälter aus dem allgemeinen Steuertopf bezahlt werden,
  • dass die Kirchen das Arbeitsrecht unterlaufen können,
  • dass katholische Missbrauchstäter der Strafverfolgung entgehen,
  • dass schwerstkranken Menschen das Recht verwehrt wird, selbstbestimmt zu sterben,
  • oder dass Frauen Zwangsberatungen über sich ergehen lassen müssen, wenn sie sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden!

Werden diese und andere Kirchen-Privilegien nicht abgeschafft, so lassen sich auch die politischen Bestrebungen der Islamverbände nicht stoppen, die für sich ebenfalls „religiöse Sonderrechte“ beanspruchen. (Quelle und weitere Infos: schlussmachen.jetzt)

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