Gedanken zu: Impulse von Stadtpfarrer Buß: Das älteste Christusbild – der Gute Hirte

Lesezeit: ~ 3 Min.

Gedanken zu: Impulse von Stadtpfarrer Buß: Das älteste Christusbild – der Gute Hirte, veröffentlicht am 23.2.22 von osthessennews.de

Darum geht es

Pfarrer Buß scheint sich nicht zu fragen, warum die ältesten Darstellungen von Jesus erst im 3. Jahrundert nach den angeblichen Ereignissen entstanden waren. Außerdem belügt er sein Publikum und verstößt damit gegen das eigene biblische Gebot.

Pfarrer Buß plaudert diesmal über die ältesten Darstellungen des Gottessohns aus der biblisch-christlichen Mythologie, gefunden in den Katakomben von Rom.

[…] Vier Männer sind in den Ecken zu sehen, sie stehen vielleicht für die vier Evangelisten. Jung und schön, bartlos ist Jesus als Jüngling dargestellt. In den Katakomben, den Grabstätten der Christen im 3. und 4. Jh. zu Rom, finden wir über 140-mal dieses Bild, vielleicht das älteste Christus-Bild. Jesus als den Guten Hirten. Eine jugendliche Gestalt.

(Quelle der so als Zitat gekennzeichneten Abschnitte: Impulse von Stadtpfarrer Buß: Das älteste Christusbild – der Gute Hirte, veröffentlicht am 23.2.22 von osthessennews.de)

Ist es nicht erstaunlich, dass bisher keine früheren Christus-Bilder gefunden werden konnten?

Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen von Jesuslegenden werden ungefähr auf das Jahr 60-90 nach den darin beschriebenen Ereignissen datiert.

Aus diesem Zeitraum sind zahlreiche, teils sehr detaillierte und umfangreiche Texte über die damaligen Geschehnisse, gesellschaftliche und politische Zustände überliefert.

Historische Faktenlage vs. Urchristen-Legende

Für den Umstand, dass ein Jesus Christus in diesen außerbiblischen Zeugnissen praktisch keine Erwähnung findet (die angeblichen außerbiblischen Belege sind nicht belastbar), lässt sich folgern, dass dessen Einfluss und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit beiweitem nicht die Ausmaße hatte, wie es in den biblischen Jesuslegenden (von Evangelium zu Evangelium immer weiter übersteigert) dargestellt wird.

Wenn tatsächlich ein Mensch gelebt haben sollte, dessen Name und Biographie als Vorlage für die spätere Legendenbildung gedient haben sollte, dann war dieser ein jüdischer Endzeitsektenprediger. Ein religiöser Fanatiker und Unruhestifter. Und damit nur einer von vielen Weltuntergangspropheten zu dieser Zeit und in dieser Region.

Dass die Römer mit solchen Querulanten einfach nur „kurzen Prozess“ machten, ist jedenfalls die wesentlich plausiblere Begründung für die Hinrichtung am Kreuz als die ganze Story mit göttlich veranlasstem Menschenopfer, Auferstehung und tralala, die dann später hinzugedichtet wurde, um eine möglicherweise tatsächlich stattgefundene Hinrichtung durch Kreuzigung zu einem einzigartigen „Heilsgeschehen“ umzufunktionieren.

Diesen Aspekt beleuchtet Heinz-Werner Kubitza in seinem Buch „Der Jesuswahn – Wie Christen sich ihren Gott erschufen: Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung“ im Kapitel „Die Umdeutung der Niederlage am Kreuz“ (Seite 155 ff).

Gefühlte vs. belegbare Geschichte

Natürlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass frühere Aufzeichnungen oder auch bildliche Darstellungen zerstört worden waren – oder einfach bisher noch nicht gefunden wurden.

Die aktuelle Indizienlage spricht allerdings stark dagegen, dass die Ereignisse tatsächlich so außergewöhnlich und aufsehenerregend waren, wie sie in den biblischen Geschichten dargestellt werden.

Eine ausführlichere Analyse der Legenden rund um das Urchristentum bietet ebenfalls Heinz-Werner Kubitza in seinem Buch „Jesus ohne Kitsch – Irrtümer und Widersprüche eines Gottessohns.“ Interessant sind hierzu besonders die Kaptiel „Wahnideen Jesu und der frühen Kirche“ (Seite 193 ff) und „Nachfolgewahn“ (Seite 209 ff).

Pfarrer Buß belügt sein Publikum

[…] Die gestorbenen Menschen schlafen dort nur, bis Christus sie weckt. Der Hirte trägt jedes Schaf, das erschöpft ist, jedes einzelne trägt er durch diesen langen Gang des Dunkel, diese Nacht des Todes hindurch zu neuem Leben.

Wenn Herr Buß behauptet, dass gestorbene Menschen nur schlafen, dann verbreitet er eine Lüge. Und Lügen ist sogar innerhalb des biblisch-christlichen Glaubenskonstruktes verboten.

Der gute Hirte

Das Medium, über das Herr Buß seine „Impulse“ veröffentlicht, ist ein regionales Nachrichtenportal.

Einmal mehr frage ich mich, warum der journalistische Anspruch, keine „Fake News“ zu veröffentlichen für religiöse Beiträge offenbar nicht zu gelten scheint.

Geht man stillschweigend davon aus, dass die Leser bei Artikeln unter der Rubrik „Kirche“ schon zwischen irdischer und religiöser Wirklichkeit unterscheiden werden? Dass sie die Behauptungen von Herrn Buß schon als Märchen erkennen werden? Bei denen ja auch nicht explizit darauf hingewiesen werden muss, dass es sich dabei nur um menschliche Fiktion handelt?

Oder nimmt man in Kauf, dass leichtgläubige, einfältige und/oder entsprechend indoktrinierte Zeitgenossen auf die Lüge des Stadtpfarrers hereinfallen und es ihm abnehmen, dass Tote tatsächlich nur schlafen und irgendwann wieder „auferweckt“ werden? …stand ja schließlich sogar auf Osthessennews!

Vorschlag: Disclaimer für religiöse Beiträge

Diese Kritik ließe sich ganz einfach entkräften:

Entweder von Herrn Buß persönlich. Indem er seinen Behauptungen, die nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen einen entsprechenden Hinweis voranstellt. Zum Beispiel: „Wir Christen glauben, dass…“ oder „Die biblisch-christliche Mythologie besagt, dass…“

Alternativ könnte auch das Nachrichtenportal Osthessennews im Interesse der eigenen Glaubwürdigkeit die religiösen Artikel, die offenkundige Falschaussagen beinhalten mit einem Disclaimer versehen, der darüber informiert, dass der folgende Beitrag keinen Anspruch auf Wahrheit oder eine Übereinstimmung mit der Wirklichkeit erhebt.

Solange weder Herr Buß, noch Osthessennews ausdrücklich darauf hinweisen, dass es der Leser hier mit einer religiös erweiterten Phantasiewirklichkeit zu tun hat, bleiben Aussagen wie „Gestorbene Menschen schlafen dort nur“ das, was sie bei Licht betrachtet sind: Dreiste Lügen.

Der Herr ist kein Hirte

Wer erfahren möchte, warum der in der Bibel beschriebene „Herr“ alles andere ist als ein guter Hirte, dem sei das lesenswerte Buch „Der Herr ist kein Hirte – Wie Religion die Welt vergiftet (engl. God Is Not Great: How Religion Poisons Everything)“ von Christopher Hitchens zur Lektüre empfohlen.

FacebooktwitterredditpinterestlinkedintumblrmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedintumblrmail

Deine Gedanken dazu?

Fragen, Lob, Kritik, Ergänzungen, Korrekturen: Nutze die Kommentarfunktion, um mit deinen Gedanken zu diesem Artikel beizutragen!

2 Gedanken zu „Gedanken zu: Impulse von Stadtpfarrer Buß: Das älteste Christusbild – der Gute Hirte“

  1. „Vier Männer sind in den Ecken zu sehen, sie stehen vielleicht für die vier Evangelisten.“
    Nein, ich glaube eher das sind die Beatles.

    „…..Jung und schön, bartlos ist Jesus als Jüngling dargestellt…“
    🤔 Hmmm, da bekommt bestimmt so mancher geistliche Appetit.

    „Die gestorbenen Menschen schlafen dort nur, bis Christus sie weckt.“
    😱😱😱 auf den Friedhof gehe ich nicht mehr, wegen den Zombies.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar