Geheime Wünsche – Das Wort zum Wort zum Sonntag

Lesezeit: ~ 6 Min.

Geheime Wünsche – Das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Stefanie Schardien, veröffentlicht am 23.12.2023 von ARD/daserste.de

Darum geht es

Geheime Wünsche: Frau Schardien glaubt, dass die Welt friedlicher und gerechter wird, wenn Erwachsene ihren Gott per Wunschzettel darum bitten – weil Jesus ja immerzu von Friede und Gerechtigkeit geredet hatte.

Vielleicht kitschig oder total unrealistisch

Frau Schardien glaubt, dass sich nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene etwas zu Weihnachten wünschen:

Nur was steht eigentlich nicht auf dem Wunschzettel? Doch, ich glaube, wir Erwachsenen wünschen uns sehr wohl was. Nur ist das vielleicht kitschig oder total unrealistisch, so etwas auf den Wunschzettel zu schreiben.

Vielleicht passt es ja eh nicht drunter, unter den Christbaum. Oder es passt nicht in unsere Zeit. Denn was wir uns wirklich, von tiefstem Herzen wünschen, das ist…. Groß. Sehr, sehr groß.

Wir wünschen uns: Frieden.

(Quelle der so als Zitat gekennzeichneten Abschnitte: Geheime Wünsche – Wort zum Sonntag, verkündigt von Stefanie Schardien, veröffentlicht am 23.12.2023 von ARD/daserste.de)

Frieden passt nicht in unsere Zeit!?

Nicht in die Zeit passen Erwachsene, die glauben, durch das Schreiben von Wunschzetteln ihren allmächtigen Gott bestechen zu können, dass der in ihrem Interesse für mehr Frieden sorgen möge…

Das scheint auch Frau Schardien zu ahnen. Jedenfalls macht sie ihr infantiles Hirngespinst schon mal vorsorglich, wenn auch nur zum Schein als solches kenntlich. Sinngemäß: Ich weiß ja, dass das alles Quatsch ist, aber…

…so richtig gerecht

Im Folgenden führt sie ihre Idealvorstellungen von einer friedlichen und gerechten Welt näher aus:

Nicht nur einen kurzen Waffenstillstand ab und an. Nein, so einen Frieden, der die ganze Welt, das ganze Leben durchdringt. Bis in die kleinen unfriedlichen Ritzen meines Alltags auch Zuhause, am Arbeitsplatz, mit Nachbarn und bis in die Herzen der wütenden Despoten.

Und wir wünschen uns, dass es gerechter zugeht. Nicht, dass die Reichen zähneknirschend ein bisschen rausrücken. Sondern so richtig, dass wir alle wirklich spüren: Teilen tut gut.

Fehlt nur noch die biblische Variante mit dem Wolf, der beim Lamm wohnt und dem Löwen, der Stroh frisst wie das Rind…

Geheime Wünsche: Viel mehr Liebe

Frau Schardien weiß auch, woran es mangelt, um weltweiten Frieden und Gerechtigkeit zu erreichen:

Für all das bräuchten wir dann noch etwas Großes: Liebe. Viel mehr Liebe. Tauschen wir auch gern ein gegen den alten Hass. Bitte einfach in den leeren Geschenkesack stecken und abtransportieren. Kinder wünschen sich das übrigens auch – mehr als Spielzeug.

Tja, wer weiß. Hätte der Allmächtige seiner bevorzugten Trockennasenaffenart ein bisschen mehr Dopamin, Serotonin, Adrenalin und Oxytocin gegönnt – vielleicht würden die Menschen ihre Probleme dann ja auch so lösen, wie es die Bonobos tun…?

Frau Schardien, ich wünsche Ihnen, dass Sie noch irgendwann diese „viel mehr Liebe“ erhalten, an der es Ihnen offenbar mangelt. Und dass Sie Ihren „alten Hass“ loswerden – wen oder was auch immer Sie hassen.

Tipp: Versuchen Sie es doch mal außerhalb Ihres Götterglaubens! Vielleicht eher mal im zwischenmenschlichen Bereich, wo Sie sich Liebe nicht nur einbilden müssen…

Dass wir für mehr Frieden und Gerechtigkeit mehr Liebe brauchen, bezweifle ich. Besonders die biblischen Varianten erscheinen hier denkbar ungeeignet: Zum Thema „Liebe in der Bibel“ hat Wolfgang Klosterhalfen, Verfasser der Reimbibel einen sehr lesenswerten Beitrag veröffentlicht.

Große Wünsche, aber ganz anders

Herzlich willkommen im kitschigen Weihnachtsfilm? Nein, herzlich willkommen in der Weihnachtsgeschichte der Bibel: Hier kommt vor, was wir eigentlich auf unsere Wunschzettel schreiben wollen.

Und auch, was es für eine Lösung gab und gibt für diese riesigen Wünsche. Beim allerersten Weihnachtsfest, in der ersten Heiligen Nacht, da hat uns Gott erfüllt, was wir an großen Wünschen haben für unser Leben. Aber ganz anders.

In der kleinstmöglichen Variante Retter. XXXS! Im Neugeborenen, in diesem winzigen Jesus hat Gott der Welt das größtmögliche Geschenk gemacht. Frieden, Gerechtigkeit, Liebe: Jesus hat nie mehr aufgehört, davon zu erzählen, davon weiterzugeben.

„Aber ganz anders“ ist ein gutes Stichwort. Die hier genannte „Rettung“ durch den menschlichen Halb- bzw. Drittelgott aus der biblischen Mythologie besteht nicht darin, dass dieser von Frieden, Gerechtigkeit und Liebe erzählt und dies weitergegeben hätte.

Sondern in der perversen und wahnwitzigen Vorstellung von Christen, ihre Sünden seien dadurch getilgt, dass sich ihr Gott seinen Sohn während einer inszenierten und vorübergehenden Todesfolterung zu seiner eigenen Befriedigung als Menschenopfer ermordet haben lassen soll. Sie bilden sich ein, dass ihr Gott sie auf diesem Weg vor dem gerettet hat, was er Menschen androht, die sich zu ihren Lebzeiten nicht exklusiv und vollständig ihm unterworfen haben.

Retter: Geschenkt

„Die Hindus warten seit 3700 Jahren auf Kalki.
Buddhisten warten seit 2600 Jahren auf Maitreya.
Juden warten seit 2500 Jahren auf den Messias.
Christen warten seit 2000 Jahren auf die Wiederkehr von Jesus.
Die Sunnah wartet seit 1400 Jahren auf den Propheten Isa.
Muslime warten seit 1300 Jahren auf einen Messias von der Mohammed-Linie.
Die Schiiten warten seit 1080 Jahren auf Mandi.
Die Drusen warten seit 1000 Jahren auf Hamza ibn Ali.
Die meisten Religionen nehmen die Idee eines „Retters“ an und behaupten, dass die Welt voller Bösartigkeit bleiben wird, bis dieser Retter kommt und sie mit Güte und Gerechtigkeit erfüllt.
Vielleicht ist unser Problem auf diesem Planeten, dass die Leute erwarten, dass jemand anderes kommt und ihre Probleme lösen würde, anstatt es selbst zu tun!“

Richard Dablah, Zit. n. Netzfund

Frau Schardien, egal, wie oft Sie und Ihre Berufskollegen das Märchen vom biblischen Gottessohn als Friedensheld noch wiederholen werden: Das ändert nichts an der Tatsache, dass diese Vorstellung weder mit der biblisch-literarischen Erzählwirklichkeit, noch mit der historisch belegbaren irdischen Realität übereinstimmt.

Auch wenn ich dies schon in vielen Beiträgen ausführlich belegt habe, hier wiedermal eine kurze Zusammenfassung zu diesem Thema.

Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert

Als Theologin kennen Sie natürlich die biblische Selbstdarstellung Ihres angeblichen Friedenstifters in Stellen wie z.B. Mt 10.34-39 (Hervorhebung von mir):

  1. »Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Nein, ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
  2. Denn ich bin gekommen, ›um den Sohn mit seinem Vater, die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter zu entzweien,
  3. und die eigenen Hausgenossen werden einander feindselig gegenüberstehen‹ (Mi 7,6).
  4. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert;
  5. und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. –
  6. Wer sein Leben findet, wird es verlieren, und wer sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es finden.«
(Mt 10,34-39 MENG)

Sollte tatsächlich ein Mensch gelebt haben, dessen Biographie als Vorlage für die Konstruktion der biblischen Gottessohnfigur gedient hatte, dann war dieser ein radikal-fundamentalistischer jüdischer Endzeitsektenführer, der fest davon überzeugt war, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorstünde. Seine Appelle bezogen sich a) nur auf die Anhänger seines Gottes und b) auf die Gestaltung der letzten Tage bis zum vermeintlichen „Jüngsten Gericht.“

Gerechtigkeit bei Jesus: Fehlanzeige

Das, was der biblische Jesus verkündigte, hat mit dem, was wir heute unter „Gerechtigkeit“ verstehen nichts zu tun.

Das kann man freilich auch nicht erwarten. Aber dann sollte man auch nicht so tun, als ob sich quasi beliebig vermehrbare Bibelstellen im Stil von Matthäus 13,37-42 mit unserer Vorstellung von Gerechtigkeit in Einklang bringen lassen könnten.

Wem heute Gerechtigkeit ein Anliegen ist, kann nicht mit einem mythologischen Rachegott als „gerechter Richter“ um die Ecke kommen, den sich ein Wüstenvolk in der ausgehenden Bronzezeit aus früheren Gottesvorstellungen zweckdienlich zusammengezimmert hatte, dessen richterlicher Maßstab der Grad der Unterwerfung ist und der Menschen mit ewiger Höllenqual dauerfoltert, von deren Unterwürfigkeit er nicht überzeugt ist. Und genau dieser Gott ist es ja, den der von Frau Schardien heute über den grünen Klee gelobte biblische Jesus als Rettung im Angebot hatte.

Satz mit x

Heute, rund 2000 Jahre später können wir zweierlei feststellen:

  1. Die Welt ist noch nicht untergegangen. Jesus hatte sich ganz offensichtlich bei seiner grundlegenden Glaubensgewissheit grundlegend geirrt.
  2. Kaum ein anderes menschliches Konstrukt hat für mehr Leid gesorgt als monotheistische Religionen im Allgemeinen und die biblisch-christliche Ideologie im Besonderen. Nachzulesen in der 10bändigen Kriminalgeschichte des Christentums.

Und das war jetzt also das größtmögliche göttliche Geschenk an die Menschheit, Frau Schardien? Mit einer Jugendlichen einen außerehelichen Halbgott zu zeugen, um sich diesen später als Menschenopfer im Interesse Dritter zur eigenen Befriedigung vorübergehend zu Tode foltern zu lassen?

Was zur Hölle hat das denn mit Frieden, Gerechtigkeit und Liebe zu tun!?

Hier zeigt sich einmal mehr, wie stark religiöse Vorstellungen den moralischen Kompass von Menschen verbiegen können, die diesen Vorstellungen anhängen.

Was hat Gott vorgemacht?

Seine Botschaft ist riesig geworden und erinnert uns bis heute: Unsere großen Wünsche für dieses Leben sind ganz genau richtig. Gegen all die brutale Wirklichkeit, gegen das Sterben, gegen den Hass in der Welt und in Familien. Gegen all das Böse. Halten wir fest am Guten. Erzählen wir davon weiter, schenken wir was davon weiter. Es darf auch winzig losgehen. Das funktioniert. Hat Gott vorgemacht.

Jesus hatte keine Botschaft für uns heute.

Wer es genauer wissen möchte, dem sei einmal mehr das Buch „Jesus ohne Kitsch – Irrtümer und Widersprüche eines Gottessohns“ von Heinz-Werner Kubitza zur Lektüre empfohlen.

Frau Schardien, was entgegnen Sie dem Vorwurf der dreisten Lüge und des vorsätzlichen Betruges, was Ihre zu Ihren Gunsten völlig verzerrte Darstellung des biblischen Gottessohns als Friedensbringer und des biblischen Glaubenskonstruktes als Quell von Frieden und Gerechtigkeit angeht?

Die vielen Jahrhunderte, in denen das Christentum alle Macht der Welt gehabt hätte um zu beweisen, dass es das Potential hat, die Welt friedlicher und gerechter zu machen sind geprägt von einer durchgängig breiten Blutspur, die das genaue Gegenteil belegt. Ganz zu schweigen vom ergaunerten unermesslichen Reichtum…

tief eingesponnen…

Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht, einen gesegneten Heiligabend und dann ein frohes Weihnachtsfest. Und wünschen Sie wieder das ganz Große.
Mit P.S.: Darf auch gern alles sein…

Frau Schardien, wenn es Ihnen tatsächlich um den Weltfrieden, um mehr Gerechtigkeit, weniger Hass – kurz: um die Minderung von menschlichem Leid und die Mehrung von Wohl im Diesseits geht, dann befreien Sie sich endlich aus Ihrem Glaubenskokon, in das Sie sich mit der absurden Hoffnung auf eine noch absurdere fiktive „Errettung“, gut abgeschirmt vor Realität, Rationalität und Selbstverantwortung bequem eingesponnen haben.

Sobald Sie aufhören, an einen Gott zu glauben, der mit ewiger Höllenfolter droht, erübrigt sich auch das überflüssig gewordene Hoffen auf eine Errettung vor dieser fiktiven Bestrafung.

Willkommen in der irdischen Realität – mit allen Risiken, aber eben auch Chancen!

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7 Gedanken zu „Geheime Wünsche – Das Wort zum Wort zum Sonntag“

  1. Zu diesem leutseligen Geschwätz vom lieben Jesulein, fallen mir nur die Worte von Karlheinz Deschner ein:
    „Der Christ hält das Christentum für etwas, das es nie war: für die Lehre Jesu.“

    Und über das gütige und friedvolle Christentum schrieb Deschner richtigerweise:
    „Es fließt ein Blutstrom durch achtzehn Jahrhunderte und an seinen Ufern wohnt das Christentum.“
    besser kann man es nicht sagen.

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  2. Was passiert tatsächlich, wenn ausnahmslos alle bundesdeutschen Christen sich zum Jahreswechsel ganz ganz ganz fest einen richtig großen Frieden wünschen? Nix wird passieren!

    Und was passiert, wenn ausnahmslos alle Christen der EU sich zum Jahreswechsel ganz ganz ganz fest einen richtig großen Frieden wünschen? Wieder nix!

    Wer hätte das gedacht?

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  3. Das Fundament der Religion von Frau Schardien, das sich ihre Glaubensgenossen im Laufe der Jahrhunderte zusammengezimmert haben, inkl. der Ergüsse des Erzgauners Paulus alias Saulus, heisst Bibel. Nimmt man noch die Auslegungen der sog. Kirchenlehrer und -väter dazu, so wird der unvoreingenommene und kritische Leser dieses Machwerk nur als das bezeichnen können, wozu es im letzten Ende dienen sollte und immer noch soll: als eine Kampfschrift.

    Das ganze falsche Nächstenliebe- und Friede-, Freude-, Eierkuchen-Gesülze, welches übrigens in dieser unheiligen Schrift nur einen winzigen Raum einnimmt, wird regelrecht erschlagen vom Basso continuo der Gewaltverherrlichung, der Intoleranz, der Lust an blutendem Fleisch, der Beschwörung des Weltuntergangs, des schauerlichen Endgerichts, nicht zu reden von den haarsträubenden und zahllosen Widersprüchen. Dieser Grundton zieht sich wie ein blutroter Faden durch die gesamte Schrift.
    Mit modernen Maßstäben gemessen wurde schon damals das in der heutigen Verhör- und Folterpraxis „beliebte“ sogenannte „hard-cop – soft-cop-Prinzip“ angewendet.
    Und das Motto in Vulgär-Deutsch, das man dem Bibeltext voran- oder auch als Quintessenz ans Ende stellen könnte, könnte lauten: „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.“

    Ich kann nur feststellen: Frau Schardien hat entweder ihr einziges, gültiges Fachbuch nicht gelesen oder nicht verstanden, oder schlimmer noch – und das ist wahrscheinlicher – betreibt sie mit voller Absicht und wider besseren Wissens das beliebte Rosinenpicker-Spiel.

    Und bitte schön, kann mir jemand erklären, wieso der Friedensbringer Jesus von Nazareth schon zweitausendmal an Weihnachten virtuell vom Himmel herabgestiegen ist und dafür jedesmal von seinen Anhängern als Friedensfürst inbrünstig gepriesen und gefeiert wird, wie es Frau Schardien ja auch schon wieder
    – jedenfalls nach aussen – tut, und trotzdem die Welt – was Frieden anbelangt – nicht einen Deut besser – eher sogar schlechter (siehe atomare Bedrohung) – dasteht als vor zweitausend Jahren?

    Da ist gewaltig was faul im Staate Dänemark, und das merken immer mehr Menschen, die nicht auf den Kopf gefallen sind.

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      • So ist es: kein Aber!
        Religion ist Gehirnkrebs.
        Und so, wie der medizinische Krebs mittlerweile langsam, aber sicher durch wissenschaftliche Forschung besiegt wird, so ergeht es auch der Religion.

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