Hoffnung für Menschenrechte – Das Wort zum Wort zum Sonntag

Lesezeit: ~ 5 Min.

Hoffnung für Menschenrechte – Das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Lissy Eichert, veröffentlicht am 8.12.23 von ARD/daserste.de

Darum geht es

Ausgerechnet das "Jüngste Gericht" aus der biblisch-christlichen Mythologie hält Frau Eichert für einen guten Grund, um bei der praktischen Umsetzung der Menschenrechte nicht zu resignieren.

Mit dem heutigen „Wort zum Sonntag“ liefert Frau Eichert einen weiteren Höhepunkt in Sachen katholischer Absurdität.

Internationaler Tag der Menschenrechte

Los gehts – wie gewohnt – mit allgemeinem Geplauder und Anekdoten, diesmal zum Thema „Internationaler Tag der Menschenrechte.“

Wenn eine katholische Berufschristin im Namen und Auftrag ihrer Kirche über Menschenrechte spricht, dann würde mich als erstes interessieren, warum der Vatikan die UN-Menschenrechtscharta bis heute nicht ratifiziert hat.

Da Frau Eichert darüber erwartungsgemäß kein Wort verliert, hier das Ergebnis einer kurzen Online-Recherche:

In der katholischen Kirche hatten die Menschenrechte lange einen schweren Stand. Der Trierer Kirchenhistoriker Bernhard Schneider erklärt den Konflikt mit der Entstehungsgeschichte der Menschenrechte, die 1789 in Frankreich ausgerufen wurden. Im Zuge der Revolution kam es zum offenen Konflikt mit dem Papst und Teilen des Klerus. Die Terrorherrschaft unter Robespierre vertiefte die Kluft. Aus kirchlicher Sicht standen seither die Menschenrechte im Ruf, „antikirchlich und revolutionär“ zu sein, sagt Schneider.

[…] Rechte wie die Religions-, Presse- und Meinungsfreiheit seien zudem als Gegensatz zum kirchlichen Wahrheitsanspruch aufgefasst worden, erklärt der Theologe. Dahinter stehe der Gedanke, dass es eine von Gott geoffenbarte Wahrheit gebe, die allein der Kirche anvertraut sei. In diesem System brauche es keine Meinungs- oder Religionsfreiheit.

Das änderte sich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965). Papst Johannes XXIII. würdigte die Menschenrechtserklärung 1963 als großen Fortschritt. Alle Päpste seither drängen immer wieder auf die Einhaltung der Menschenrechte. Dennoch hat der Heilige Stuhl bis heute die UN-Menschenrechtscharta nicht unterzeichnet. Dafür gibt es viele Gründe: Er ist kein normaler Staat und auch nicht Mitglied der Vereinten Nationen. Und er bezieht sich auf eine grundsätzlich andere, von Gott her definierte Rechtsgrundlage. So gelten auf dem kleinen vatikanischem Staatsgebiet bis heute auch weder die Religionsfreiheit noch die Rechte-Gleichheit von Mann und Frau.

(Quelle: Anna Fries (KNA) via katholisch.de: Warum die Kirche gegen die Menschenrechtserklärung war)

Auf die Einhaltung von Menschenrechten zu drängen, ohne sie selbst umzusetzen, erscheint mir typisch katholisch heuchlerisch. Die Formulierung suggeriert zudem, dass sich an der Ablehung durch die katholische Kirche von freiheitlichen Rechten wie das Recht auf Meinungs- und Religionsfreiheit inzwischen irgendetwas geändert hätte – zumindest dann, wenn es um sie selbst geht.

Katholische Kirche und die Menschenrechte

Sehr plausibel erscheint mir in diesem Zusammenhang diese Begründung:

Würde der Vatikan die Charta unterschreiben, müsste er die Menschenrechte nach innen anwenden. Das würde bedeuten, dass er die die Diskriminierung von Frauen beenden müsste.

(Quelle: Gunda Werner via news.rub.de: Gerechtigkeit, aber nicht für alle)

Ausgerechnet die Bereiche, in denen die katholische Kirche die Menschenrechte nicht umsetzen könnte, ohne sich damit ihre Absolutistisch-theokratisch-monarchistische Patriarchiats-Herrschaft zu zerstören finden in Frau Eicherts Beispiel-Geschichten keine Erwähnung: Diskriminierung von Frauen, Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Weltanschauung, ihres religiösen Bekenntnisses oder ihrer sexuellen Orientierung…

Menschenrechte: Gemacht von Menschen und für Menschen

Jedenfalls scheint sich Frau Eichert grundsätzlich bewusst zu sein, dass die Durchsetzung von Menschenrechten eine menschliche Angelegenheit ist:

Um Menschenrechte durchzusetzen, sind auch Instanzen erforderlich. Aktuell zum Beispiel der Internationale Strafgerichtshof, der in der Ukraine, in Israel und Gaza ermittelt. Und es braucht uns alle, wenn es um die Rechte von Menschen geht. Das Schicksal von Nadine, Yasaman, Bernardo und vieler anderer zeigt: Jedes stärkende Wort, jedes zur Seite stehen bedeutet: Es ist mir nicht egal, was mit Dir passiert.

Dann wird sie sogar noch deutlicher – und emanzipiert sich gar (wenn auch nur zum Schein) von ihrem Gott:

Für die Überzeugung, dass der Einsatz für Menschenrechte notwendig ist, brauche ich keinen Gott.

Jetzt wäre es freilich interessant gewesen zu erfahren, warum das so ist:

Dafür brauche ich keinen Gott…

Menschenrechte

Wenn es nicht die angebliche „Ebenbildlichkeit Gottes“ ist, die Christen gerne ins Feld führen, wenn sie erklären wollen, warum sie sich mitmenschlich verhalten – welche Gründe bzw. Werte sind es dann, Frau Eichert? Woher kommen diese Werte und wer vertritt sie?

Und was sagt es über die katholische Kirche aus, wenn der Vatikan die Menschenrechte zwar einfordert, selbst aber nicht unterschreibt? Wozu braucht der Gottesstaat eine grundsätzlich andere, von Gott her definierte Rechtsgrundlage, Frau Eichert aber offenbar nicht?

Bevor es jetzt noch komplett säkular wird im „Wort zum Sonntag“, ist es höchste Zeit, doch noch schnell dem Gott aus der biblisch-christlichen Mythologie wenigstens einen Gastauftritt zu ermöglichen:

Für die praktische Umsetzung dieser Erkenntnis aber schon. Da hilft mir mein Glaube an den adventlichen, den Mensch gewordenen Gott. Er bewahrt mich vor der Versuchung zu resignieren.

Um von der Notwendigkeit von Menschenrechten überzeugt zu sein, brauchen Sie keinen Gott, für die praktische Umsetzung aber schon, Frau Eichert? Weil Sie ohne ihn (ob der Glaube oder Gott gemeint ist, lässt sich nicht sicher sagen) lieber resignieren würden?

Sind für Sie das Leid und die Nöte Ihrer Mitmenschen nicht Grund genug, sich um eine praktische Umsetzung dieser Erkenntnis zu bemühen?

Können Sie sich vorstellen, was Menschenrechtsaktivisten, die Ihren Götterglauben nicht teilen davon abhält zu resignieren, wenn es um die praktische Umsetzung von Menschenrechten geht?

Göttliche Hilfe bei der Umsetzung von Menschenrechten…!?

Wie wir dem oben zitierten Text von Frau Fries entnehmen können, sind es neben den historischen Gründen gerade religiöse Aspekte wie etwa ihr angeblich göttlich legitimierter absoluter Wahrheitsanspruch, die die katholische Kirche durch eine Einführung der Menschenrechte gefährdet sieht.

Ganz offensichtlich kommt die männliche Führungsriege im Vatikan mit dem Glauben an den selben Gott zu ganz anderen Ergebnissen als Sie, Frau Eichert. Gerade, wenn es um die praktische Umsetzung geht. Woran könnte das liegen? Und was sagt das über die Eignung von katholischem Götterglauben als Motivation zur Umsetzung von Menschenrechten aus?

Wäre es nicht viel naheliegender, in Sachen Katholizismus zu resignieren, wenn einem die Menschenrechte am Herz liegen? Die der Vatikan zwar einfordert, aber selbst nicht umsetzt? Weil der Staat, nebenbei bemerkt, nicht mal die Voraussetzungen erfüllt, um sie wenigstens theoretisch ratifizieren zu können?

Jüngstes Gericht light

Statt zu erklären, was denn nun die biblisch-christliche Göttermythologie mit der Umsetzung der Menschenrechte konkret zu tun haben soll, setzt Frau Eichert noch eins drauf:

Und am Ende aller Tage werden wir vom Gott der Bibel gefragt, was wir für die Rechte anderer getan haben, für die Gefangenen, für die Fremden, für Hungernde, für Wohnungslose.

Vorab: Sich ein „Jüngstes Gericht“ einbilden und androhen zu müssen, um so der Versuchung der Resignation bei der praktischen Umsetzung der Menschenrechte widerstehen zu können, halte ich für eine intellektuelle und charakterliche Bankrotterklärung.

Die Vermischung von irdischer Wirklichkeit und religiösen Hirngespinsten durch Menschen, die es besser wissen müssen finde ich besonders dann besonders verachtenswert, wenn es um reales Leid realer Menschen geht. Also in diesem Fall um die Menschen, denen die Menschenrechte dabei helfen sollen, ihr Leid und ihre Nöte zu lindern oder am besten ganz zu beenden.

Bibelgott als Hüter der Menschenrechte: Den Bock zum Gärtner gemacht

Unabhängig von ihren wie auch immer gearteten und zweckdienlich zurechtgepfriemelten privaten Glaubenseinbildungen weiß Frau Eichert, dass auch das „Jüngste Gericht“, genau wie auch ihr Gott von Menschen frei erfundene Mythologie ist. Und trotzdem stellt sie diese Fiktion dar, als handle es sich um eine reale Tatsache.

Das empfinde ich noch schäbiger als die Unredlichkeit, die biblische Textgrundlage inhaltlich so zu verbiegen, dass der Eindruck erweckt wird, der Gott aus der biblisch-christlichen Mythologie kümmere sich um die Einhaltung der von Menschen gegen den erbitterten Widerstand der katholischen Kirche durchgesetzten Menschenrechte.

Ausgerechnet der Gott, der allen, die sich zu Lebzeiten nicht ihm, sondern keinem oder anderen Göttern unterworfen hatten, zeitlich unbegrenzte Dauerfolter durch physische und psychische Höllenqualen bei vollem Bewusstsein und ohne Aussicht auf Begnadigung androht, soll also oberster Hüter der Menschenrechte sein?

Ich finde, der Tag der Menschenrechte und der Zweite Advent passen richtig gut zusammen.

Frau Eichert, mit Ihrem heutigen „Wort zum Sonntag“ haben Sie – eindrucksvoll und unbeabsichtigt – das genaue Gegenteil bewiesen.

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3 Gedanken zu „Hoffnung für Menschenrechte – Das Wort zum Wort zum Sonntag“

  1. „Und am Ende aller Tage werden wir vom Gott der Bibel gefragt, was wir für die Rechte anderer getan haben, für die Gefangenen, für die Fremden, für Hungernde, für Wohnungslose.“

    Also gut, Frau Eichert: Was haben Sie ganz konkret getan und tun Sie noch, um sich gegen den Missbrauch an zahllosen Kindern in Ihrer Kirche zu stellen und welche Ihrer Aktivitäten können wir als Kampf gegen die Vertuschung dieser kapitalen Verbrechen durch Ihre Kirche – und Ihre Kollegen – werten? Wo bleibt Ihr WzS dazu?

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  2. Wieder diese dreiste Vereinnahmungs-Attitüde der christlichen Religionsapologeten!

    Fast zweitausend Jahre lang wurden die Menschenrechte von den christlichen Glaubensfanatikern mit Füssen getreten (siehe z. B. Die Kriminalgeschichte des Christentums von K.-H. Deschner), und nur weil ihnen seit der Aufklärung der Wind kalt ins Gesicht bläst und ihnen die Bataillione abhanden gekommen sind (leider aber noch nicht überall), versuchen sie in stümperhafter und entlarvender, Kreide fressender Weise die von ihnen bekämpften Menschenrechte für sich zu vereinnahmen. Man merkt die Absicht und ist verstimmt (Goethe).
    Betrug nennt man das im Strafrecht und Etikettenschwindel in der Umgangssprache.

    Und der Gipfel der Dreistigkeit ist dann noch die Drohung des imaginären Menschenfreundes am Ende der Zeiten gegen diejenigen, die sich nicht mit Haut und Haaren der Durchsetzung der Menschenrechte gewidmet haben sollten.

    Ein redlicher Verstand kann sich sowas nicht ausdenken.

    Aber seien wir heiter: Sollte die Welt noch ein Weilchen weiterbestehen, ist irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft der letzte Sargnagel ins Gehäuse der Religion geschlagen.

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  3. Ich finde es nur widerlich und abstoßend, hier schwadroniert eine Berufschristin, also Mitglied einer Vereinigung, die widerlichste Verbrechen begangen hat, über Menschenrechte.
    Liebe Frau Eichert, wir wollen was von den Menschenrechten der hunderttausenden von Ihrer Sekte vergewaltigten und getöteten Kindern hören.
    Ja natürlich Frau Eichert, hier schweigen Sie genauso wie alle Verantwortlichen für diese Verbrechen.
    Aber die Realität zu leugnen ist ja in Ihrer Zunft, also Anhängern eines bronzezeitlichen Hirtenglauben, unabdingbare Vorraussetzung.

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