Kommentar zu NACHGEDACHT 116: Lebendig tot …

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Kommentar zu NACHGEDACHT 116: Lebendig tot …, Originalartikel verfasst von Christina Leinweber, veröffentlicht am 29.3.2015 von osthessen-news.de

[…] Und immer wieder denke ich: Die lebenden Trauernden sind selbst gestorben. Sie sind zu lebendigen Toten geworden. Weil das Leben nun sinnlos erscheint. Weil das Leben nun nicht mehr weiter geht.*

Die lebenden Trauernden sind nicht gestorben, sie leben und trauern. Sie sind nicht zu lebendigen Toten geworden, weil sich Leben und Tod gegenseitig ausschließt. Daran ändert sich auch nichts, wenn man etwas anderes denkt oder behauptet.

[…] “Da sein”. Gott gibt uns diesen recht einfach wirkenden Satz bereits im Alten Testament zu hören. Damit offenbart er sich als ein Gott, der den Menschen aufgehoben wissen möchte – in seiner Liebe und in seiner Fürsorge.*

Und wiedereinmal wurde hier ein zufällig passendes Fragment zitiert, was die Hoffnung und die Illusion der Autorin stützt und das in ihr naives, kindliches Bild eines lieben Gottes passt. Für jemanden, der sich objektiv mit der Bibel (ausgerechnet auch noch mit dem Alten Testament) befasst hat, kann “Da sein” in Bezug auf einen Gott nur eine fürchterliche Drohung sein. Der Gott, der hier mit seiner Anwesenheit droht, ist derselbe Gott, der seine komplette Schöpfung schon mal bis auf ein Boot komplett vernichtet hat und der “seinem Auserwähltem Volk” unvorstellbar grausame Anweisungen wie zum Beispiel diese gegeben hat:

  • So spricht der HERR, der Gott Israels: Gürte ein jeglicher sein Schwert um seine Lenden und durchgehet hin und zurück von einem Tor zum andern das Lager, und erwürge ein jeglicher seinen Bruder, Freund und Nächsten. 28 Die Kinder Levi taten, wie ihnen Mose gesagt hatte; und fielen des Tages vom Volk dreitausend Mann. — 2. Mose 32,26-28, Lutherbibel 1912
  • Es sollen auch ihre Kinder vor ihren Augen zerschmettert werden, ihre Häuser geplündert und ihre Weiber geschändet werden. — Jesaja 13,16, Lutherbibel 1912

Und einmal mehr ist belegt, dass die Auslegung der Bibel vollkommen beliebig so ziemlich jedes gewünschte Ergebnis bringen kann, vergleichbar mit einem Horoskop.

Jesus bestätigt dieses Gottesbild, indem er den Menschen heilend entgegen kommt, sie auch aus ihrer Trauer holt.*

Warum so verhalten, “…heilend entgegen kommt”, statt “per Wunder heilt”? Jeder Arzt kommt Menschen heilend entgegen, jeder Psychologe holt sie auch aus ihrer Trauer (indem er ihnen bei der Trauerarbeit hilft). Ein solches Verhalten (egal von wem) bestätigt in keiner Weise ein wie auch immer geartetes Gottesbild, vielmehr handelt es sich dabei einmal mehr um eine völlig willkürliche Zuordnung und Auslegung. Nebenbei Nachgedacht: Welchen Wert die Auslegung einer Frau hat, ist sowieso fraglich, denn:

  • Doch ist weder der Mann ohne das Weib, noch das Weib ohne den Mann in dem HERRN; denn wie das Weib vom Manne, also kommt auch der Mann durchs Weib; aber alles von Gott. — 1. Korinther 11-122

Jesus kann nur leider nicht mehr persönlich kommen.*

Aber das ist doch das Heilsversprechen Ihrer Religion, die Rückkehr Ihres Erlösers!? Haben Sie das Warten schon aufgegeben? Worauf warten Sie jetzt?

Er kommt aber in Menschen zutage, die genauso wie der Helfer “Da sind”!*

…eine weitere, beliebige, anmaßende Falschzuordnung, ein Fehlschluss, gegen den sich jeder aufgeklärte Helfer vehement wehren sollte. Nicht Jesus oder Gott kommt in Menschen “zutage”, sondern es sind die Menschen selbst, die “da sind.” Genausogut und genauso wahr kann ich behaupten, dass in Helfern das Fliegende Spaghettimonster “zutage” kommt.

Es bleibt zu hoffen, dass mithilfe von Nächstenliebe und Zuneigung die Trauernden irgendwann wieder zum Leben auferstehen können.*

Da sie trotz ihrer großen und tiefen Trauer eben nicht selbst gestorben sind, müssen sie auch nicht wieder “zum Leben auferstehen”. Die Verwendung Ihres abstrusen Auferstehungsbildes ist in Anbetracht des Leids, das die Hinterbliebenen durch den Tod ihrer Angehörigen zu bewältigen haben, geradezu sarkastisch.

Das Osterfest und die unendliche Liebe Gottes, die auch den Tod überwinden kann, stehen für uns alle an.*

Auch wenn Sie das vielleicht so wahrnehmen und wiedermal ohne mit der Wimper zu zucken als reale Tatsache behaupten: Ich gehöre auch zu “uns allen” und für mich stehen zum Glück weder ein Osterfest, noch die unendliche Liebe Ihres erdachten Gottes an.

Wenn die Liebe Ihres Gottes den Tod überwinden kann (macht sie es auch oder kann sie es nur?), dann hilft das uns Menschen nichts, weil wir den Tod (zum Glück) eben nicht überwinden können.

Nehmen wir die kommenden Tage, um uns bewusst zu werden, dass Gott uns weder im Tod noch im Leben im Stich lässt*

Nehmen wir die kommenden Tage, um uns bewusst zu werden, dass wir einen Gott weder im Tod noch im Leben brauchen, dass wir für unser Wohlergehen selbst verantwortlich sind, dass wir uns vor dem Tod nicht fürchten und dass wir auf eine jenseitige Erlösung nicht hoffen müssen.

*Das Online-Portal Osthessennews fordert jede Woche unter der Rubrik „NACHGEDACHT“ mit „liberal-theologischen“ Gedanken zum Nachdenken auf. Alle als Zitat gekennzeichnete Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Original-Artikel von Christina Leinweber.

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