Kommentar zu: Wallfahrt am Pest- und Hageltag – Pfarrer RAUCH: „Gott kann Krankheiten und Katastrophen nicht verhindern“

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Kommentar zu: Wallfahrt am Pest- und Hageltag – Pfarrer RAUCH: „Gott kann Krankheiten und Katastrophen nicht verhindern“, verfasst von Toni Spangenberg, veröffentlicht am 06.05.16 von Osthessennews

[…] 1635 grassierten Krankheit und Unwetter. Das führte zu einer großen Angst und Verzweiflung unter den Menschen in der Rhön“, erklärte Rauch den Hintergrund des nunmehr 369. Pest- und Hageltags.

In ihrer Verzweiflung hätten sich die Menschen an Gott gewandt.*

Deswegen kann man diesen Menschen heute keinen Vorwurf mehr machen – offenbar wussten sie es damals einfach nicht besser und glaubten tatsächlich, mit Gebeten zu ihrem eingeredeten Gott etwas gegen Pest und Hagel ausrichten zu können. Wahrscheinlich war diesen Menschen, anders als heute, weder die Entstehung und Verbreitung von Krankheiten, noch die Phänomene, die zu Hagelschauern führen, bekannt.

Nicht nachvollziehbar ist es indes, warum diese naive Volksfrömmigkeit bis heute überdauert hat. Schließlich hat die Kirche genau praktisch nichts dazu beigetragen, dass wir heute frei von Pest sind und dass wir heute wissen, wie Hagel entsteht und dass Gebete keinen Einfluss auf das Wettergeschehen (oder auf sonstwas) haben.

Doch Gott könne nicht direkt in die Welt eingreifen.

Das ist nun eine interessante Aussage – zumindest für einen katholischen Pfarrer. Wenn Gott nicht direkt in die Welt eingreifen (oder sonst irgendwas nicht) kann, dann ist er nicht allmächtig. Wenn Gott in die Welt eingreifen könnte (was er ja können müsste, wenn er allmächtig ist), es aber nicht tut, so verachtet er die Menschen und ist folglich kein “lieber Gott.” Auch Pfarrer Rauch scheint sich also des Problems, das die Theodizee-Frage (wie kann ein liebender, allmächtiger Gott irdisches Leid zulassen?) mit sich bringt, durchaus bewusst zu sein.

Zur Bewältigung dieses unlösbaren Widerspruches bediente sich der Herr Pfarrer eines oft anzutreffenden theologischen Tricks: Benenne nur einfach das Problem, hoffe, dass niemand nachfragt und schwenke dann einfach schnell auf irgendein anderes Thema um.

dance-of-death-155250_640Um sich daran zu erinnern, dass Leben und tod untrennbar miteinander verbunden sind, bedarf es heute keiner vormittelalterlichen Märchen und Mythen mehr. Warum der Tod die völlig natürliche und (bis auf Weiteres) unumgängliche Folge des Lebens ist, kann man sich in Zeiten des Internets sehr einfach selbst erschließen und wird feststellen, dass auch die persönliche Beobachtung und Erfahrung die Annahme bestätigt, dass alles Leben vergänglich ist.

Diese Erkenntnis hat allerdings nichts damit zu tun, dass ausnahmslos alle Gebete, egal wofür oder wogegen und an welche Göttinnen oder Götter gerichtet, noch niemals erhört wurden. Wenn Herr Rauch gar nicht davon ausgeht, dass Gott direkt in die Welt eingreift, so stellt sich die Frage, warum er dann Bittprozessionen zu Ehren dieses untätigen und/oder unfähigen Gottes veranstaltet.

Abgesehen davon entspricht die Aussage, Gott könne nicht direkt in die Welt eingreifen, nicht dem theistischen christlichen Gottesbild. Nach diesem greift Gott nämlich sehr wohl ins Geschehen ein, sonst wären alle Gebete ja noch offensichtlicher sinnlos, als sie es so schon sind.

Nichts trenne die Menschen von Gott, weder Pest noch Hagel.

Doch – zum Glück trennt die Realität Gott von den Menschen. Und den Menschen steht es zum Glück frei, sich seinerseits jederzeit von der Fiktion eines Gottes zu trennen – kein Gott hat jemals Einspruch dagegen erhoben, immer nur dessen angebliche Vertreter, die davon leben, dass jemand an ihren Gott glaubt. Wer Wissenschaft, Philosophie und Kunst hat, braucht keine Religion.

„Auch wenn Wünsche nicht verwirklicht werden können, so gibt uns doch der Glaube Halt.“

War es früher noch nötig, den Schafen vorzugaukeln, dass sie sich irgendetwas von ihrem Gott erwarten könnten und dass ihnen schon nur für Zweifel fürchterlichste Strafen drohen, so sind fiktive Heilsversprechen heute offenbar nicht mehr erforderlich und auch gar nicht mehr erwünscht.

Dem Kirchendiener ist offenbar bewusst geworden, dass er seinen Schafen keinen Gefallen mehr damit tut, ihnen hoffnungsvolle Illusionen zu verkünden, die diese längst als Täuschung durchschaut haben. Deshalb gesteht er offen die göttliche Untätigkeit ein und beschränkt sein Heilsversprechen auf einen diffusen, nebulösen “Halt”, den der Glaube an seinen Gott angeblich bieten könne. Auf diesen Halt ist niemand wirklich angewiesen und niemand vermisst ihn wirklich.

Der Halt, den Gottesglaube geben kann, ist bis zum Beweis des Gegenteils genauso fiktiv wie Gott selbst. Wer sich darauf verlässt, kann genauso auch auf den Gestiefelten Kater, Zeus oder auf die Zahnfee hoffen. Religiöser Glaube kann Menschen bestenfalls so viel Halt geben, wie Alkohol dem Alkoholiker “Halt” geben kann.

Zum Glück sind immer weniger Menschen dazu bereit, entgegen jede Vernunft, Logik und gegen die eigene intellektuelle Redlichkeit an fiktive Götter, Geister und Göttersöhne zu glauben oder zumindest so zu tun, was aufs Gleiche herauskommt.

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*Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Artikel.

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2 Gedanken zu “Kommentar zu: Wallfahrt am Pest- und Hageltag – Pfarrer RAUCH: „Gott kann Krankheiten und Katastrophen nicht verhindern“”

    • Welcher Jesus? Welche Ungläubigen? Welche Sünden? Wann und wie bestrafen? Womit? Warum? Nach welchen Maßstäben? Und woher weißt du das so sicher?

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