Körpersprache… – Gedanken zu Nachgedacht… (246) zum Thema Mitgefühl

Körpersprache… – Gedanken zu Nachgedacht… (246) von Christina Lander zum Thema Mitgefühl, veröffentlich am 12.11.17 von Osthessennews

Wir denken oft etwas, was wir niemals sagen würden. Und lächeln sogar, obwohl wir ganz andere Gedanken haben. Experten meinen, diese Unterschiede im Gesicht ablesen zu können, d.h. echtes Lächeln vom unechten unterscheiden zu können.*

Das Phänomen des Lächelns hatte der französische Physiologe und Neurologe Guillaume-Benjamin Amand Duchenne de Boulogne erforscht. Nach ihm ist auch das so genannte Duchenne-Lächeln benannt. Also die Form, die tatsächlich “echt” ist. Und nicht nur gespielt. Beim “echten” Lächeln bewegen sich auch die Muskeln um die Augen herum, beim aufgesetzten Lächeln nicht.

[…] Sich miteinander zu freuen ist die einfachste Form der Nächstenliebe. Aber bereits diese einfache Möglichkeit, bei der nur ein Mit-Gefühl vermittelt werden muss, können bereits manche Menschen nicht leisten.

“Echtes” Mitgefühl, “echtes” Lächeln lässt sich nicht lernen (Hervorhebung von mir):

  • Studien haben gezeigt, dass das Lächeln eine normale Reaktion auf bestimmte Stimulationen ist, die unabhängig von der jeweiligen Kultur ist. Es ist keine lernbare Reaktion, sondern wird den Menschen schon von Geburt an mitgegeben. […] (Quelle: Wikipedia)

Es ist nicht unbedingt eine Frage mangelnder Leistungsbereitschaft, wenn jemand kein Mitgefühl vermittelt.

Mangelndes Mitgefühl kann viele Ursachen haben

Egoismus, das Nicht-Gönnen, die eigene Begrenztheit überschatten dann die Gedanken – bei manchen Menschen ist die vorgetäuschte Freude dann auch deutlich im Gesicht sichtbar.

MitgefühlEs kann auch viele andere Ursachen haben, wenn sich Menschen nicht mit ihren Mitmschen mitfreuen können. Das Empathieempfinden könnte zum Beispiel durch eine Erkrankung wie etwa eine Dissoziale und/oder Narzisstische Persönlichkeitsstörung beeinträchtigt sein. Auch im Zusammenhang mit einer Depression kann die Fähigkeit zum Mitgefühl verflachen.

Oder vielleicht empfindet jemand auch einfach keine Freude, worüber jemand anders fast ausflippt vor Glück. Dann könnte er kein echtes Mitgefühl zeigen. Selbst wenn er es wollte.

Und natürlich empfindet man auch nicht unbedingt mit allen Menschen gleich viel Mitgefühl. Deshalb ist auch das Konzept der christlichen Nächstenliebe so unrealistisch.

Haftet Gott für die Mängel seiner Schöpfung?

Mangelnde Empathie kann also neben den von der Autorin genannten auch viele andere, nicht absichtliche Ursachen haben. Dieser Mangel, aber auch unzählige weitere “Mängel” lassen sich kaum mit der Vorstellung eines allmächtigen und allgütigen Schöpfergottes in Einklang bringen. Denn ein solcher hätte sich die Krone seiner Schöpfung doch so schöpfen können, dass sie immer Mitgefühl zeigt? Und zwar echtes, kein gespieltes?

Hier haben Christen unterschiedliche Strategien entwickelt, um die mitunter krasse Dissonanz zwischen natürlicher Wirklichkeit und religiöser Wunschvorstellung zu bewältigen. Fundamentalistische Kreationisten etwa ignorieren einfach alles, was einen offensichtlichen Mangel der “Schöpfung” darstellt.

Mainstream-Christen erkennen heute zumeist die Evolution als “Mechanismus” hinter der Entwicklung von Leben an. Denn schließlich lassen sich die tagtäglich und millionenfach weltweit beobacht- und messbaren Phänomene mit evolutionären Vorgängen umfassend belegen und schlüssig erklären.

Auch wenn Menschen, die sich mit der Evolution abgefunden haben, schon einen Schritt weiter sind als die, die sie leugnen, haben auch die ein Problem, die jetzt noch irgendwo ihren allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gott unterbringen möchten.

Denn bei aller Schönheit, Komplexität, Freude und Empathie: Die “Schöpfung” strotzt nur so von Mängeln. Und diese Mängel sind so gravierend, dass sich die Annahme eines wohlmeinenden oder gar intelligenten Schöpfers bei ehrlicher und sachlicher Betrachtung nicht aufrecht erhalten lässt.

Exkurs: “Gott ist ein Arschloch”***

Gott ist ein ArschlochDiesem Thema hat Christian Kalwas sein Buch “Gott ist ein Arschloch. Intelligent Design. Eine Polemik“** gewidmet. Darin stellt der Autor detailliert Beispiele vor, die nur zwei mögliche Schlüsse zulassen, wenn man an der Existenz eines Schöpfergottes festhalten möchte: Entweder ist dieser Schöpfer alles andere als intelligent. Oder, falls er das Leben absichtlich so mangelhaft geschöpft haben sollte: Ein Arschloch. Weniger polemisch ausgedrückt: Ein fieser Sadist.

Das u.a. auch daraus resultierende Theodizee-Problem ist eines der stärksten Argumente, die gegen einen allmächtigen, allgütigen und allwissenden Schöpfergott sprechen. Da bleiben dem Gläubigen dann nur noch die “Unergründbarkeit” der Wege ihres Herren.

Und das Kultivieren eines rekursiven Bestätigungsfehlers: Alles Positive, Schöne, Gute wird dem Wirken Gottes zugeschrieben, der Rest nach Möglichkeit ignoriert. Ersatzweise kommen dafür dann manchmal noch obskure “böse Mächte” ins Spiel. Oder ein “freier Wille”, mit dem Gott seine Lieblings-Trockennasenaffenart ausgestattet haben soll. Und die er bestraft, wenn sie davon Gebrauch machen. Beides macht einen allgütigen Schöpfergott kein bisschen plausibler.

Denn die einfachste, plausibelste Lösung dieses Problemes möchten Gläubige freilich nicht (an-)erkennen: Einen solchen Gott gibts nicht.

[…] Und vergessen Sie nicht die Macht ihrer Körpersprache auf andere Menschen – Jeremias Gotthelf beschreibt diese Chance mit folgenden Worten: „Ein einziger Blick, aus dem Liebe spricht, gibt der Seele Kraft.“

Ob Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf hätte sinnvoll erklären können, was konkret mit “Seele” gemeint sein soll?

*Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Originalartikel.
**Wir haben keinen materiellen Nutzen von verlinkten oder eingebetteten Inhalten oder von Buchtipps.
***Dieser polemische Buchtitel bezieht sich laut Autor nicht auf bestimmte persönliche Gottesvorstellungen, sondern auf den von Kreationisten behaupteten intelligenten Designer.

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Letzte Aktualisierung: 12. November 2017