kindersache.de: Antwort auf unseren offenen Brief ans Deutsche Kinderhilfswerk

~ 18 Minuten

Vor einigen Tagen hatten wir einen offenen Brief an das Deutsche Kinderhilfswerk und an die Arbeitsgemeinschaft vernetzter Kinderseiten geschickt, weil wir einige Fragen zur Darstellung religiöser bzw. esoterischer Inhalte auf der Kinder-Wissenswebseite kindersache.de hatten.

Von der Arbeitsgemeinschaft vernetzter Kinderseiten hatten wir folgende Aussage als Antwort auf unseren Brief erhalten:

  • […] Wenn zurecht fehlerhafte Darstellungen oder Falschinformationen übermittelt werden, gehen wir dem natürlich zügig nach und schaffen Abhilfe. Das sehen wir hier aber nicht gegeben. […]

Hier nun die Antwort von Frau Schwetzke, der Projektleiterin von kindersache.de im Wortlaut (Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Frau Schwetzke):

Sehr geehrter Herr Niedermeier,

Sie haben einen offenen Brief an das Deutsche Kinderhilfswerk e.V., Herausgeber der Kinderinternetseite www.kindersache.de verfasst, zu dem ich Stellung beziehen möchte. Eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme zur Redaktion ist über das Impressum sowie über das Briefsymbol im Header möglich.
Sie beziehen ihre Argumentation auf drei Artikel, die von Kindern geschrieben wurden sowie auf das Interview einer Redakteurin mit einer Heilpraktikerin.Die Kinderwebseite kindersache.de ist eine Mitmach-Seite für Kinder, die ihnen einen geschützten Raum bietet, sich partizipativ im Internet auszuprobieren. Dafür erstellen sich Kinder einen Account. Kinder können eigene Wissensartikel, Geschichten, Buchtipps, Witze, Trickfilme und auch Videos einreichen und diese veröffentlichen. Die Kinder haben die Möglichkeit, sich auszutauschen, ihr Wissen zu teilen und ihre Meinung kundzutun. Redaktionelle Beiträge der Kinder werden von der Redaktion geprüft, bevor sie online gestellt werden. Menschenverachtende und jugendschutzgefährdende Inhalte werden natürlich nicht veröffentlicht.

Um den Datenschutz zu wahren, haben alle Benutzer*innen einen erfundenen Nicknamen und es werden keine Kontaktdaten der Kinder veröffentlicht oder weitergegeben.

Nach der UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder Rechte, die wir mit dem Kinderwebseitenangebot unterstützen, u.a. das Recht auf Meinungsfreiheit und Partizipation (Artikel 12), das Recht auf Bildung (28) und das Recht auf kindgerechte Information (Artikel 17). Wir treten sehr für das im Artikel 2 formulierte Recht ein – alle Kinder sind gleich.

Nicht zuletzt hat uns das Recht auf Glaubensfreiheit (Artikel 14) dazu bewogen, die Artikel mit der Überschrift „Mein Glaubensgang“ zu veröffentlichen. Für alle Leserinnen und Leser ist es ersichtlich, dass diese Artikel ein Kind geschrieben hat und nicht die Meinung der Redaktion wiederspiegelt. Warum Sie in ihren Ausführungen vermuten, dass der Artikel von den Eltern des Kindes geschrieben wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Ausdruck und Wortwahl lassen auf die eines Kindes schließen. Ohne Frage wurde das Mädchen christlich sozialisiert, was sich in ihren Gedanken und Ansichten äußert. Ich wiederhole aber: alle Kinder sind gleich und haben das Recht auf Meinungs- und Glaubensfreiheit.

Einzig eine Anmerkung der Redaktion könnte hier fehlen, dass es die Meinung der Autorin wiederspiegelt und nicht die der Redaktion. Jedoch sind die Beiträge der Kinder klar von denen der Redakteurinnen abgegrenzt. Haben Kinder einen Artikel verfasst, erscheinen ein buntes Avatarbild und der Username des Kindes. Artikel der Redaktion sind mit einem Foto der Person, dem Vornamen dem Zusatz „ein Beitrag der Redaktion“ versehen.

Der Kinderartikel „Tipps gegen Sorgen und Ängste“ ist ein toller Artikel aus Sicht eines Kindes. Indem Sie nur das eine Zitat mit dem Bild eines Ufos auf Ihrer Webseite darstellen, verzerren und verfälschen Sie den gesamten Artikel. Das Foto des Artikels auf kindersache.de ist ein Sorgenfresserchen, kein Ufo.
Auch das Interview mit der Heilpraktikerin wird von Ihnen falsch dargestellt. Ich kann hier keine Punkte finden, die den Beruf in einem falschen Licht darstellen und „Fake News“ verbreiten, wie von Ihnen behauptet.

  • Zitat: „Während unter dem Stichwort “Gott” rund 120 Artikel zu finden sind, liefern Stichworte wie “Atheismus”, “Säkularismus”, “Europäische Werte”, “Ethik” oder “Humanismus” keine Informationen.“

Dem ist nicht so. Die Suche listet auch Kommentare der Kinder auf, es handelt sich nicht ausschließlich um Artikel. Es werden viele vereinzelte Sprüche wie „Oh mein Gott!“ aufgelistet. Zudem kommt der Begriff „Gott“ auch in Geschichten und Witzen der Kinder vor. „Gott“ gibt es auch in anderen Religionen – wir haben eine Vielfalt an Artikel über die 5 großen Weltreligionen, über Götter in der römischen Antike. Das Wissen könnte man als Allgemeinwissen deklarieren, weshalb es sehr naheliegend ist, dass hierzu Treffer bei der Suche gab. Die von Ihnen gesuchten Stichworte liefern keine Treffer, weil es für Kinder keine gebräuchlichen Worte sind und wir eine kindgerechte Sprache gebrauchen.

Mit freundlichen Grüßen,

Berit Schwetzke
Projektleiterin www.kindersache.de

Unsere Antwort:

Sehr geehrte Frau Schwetzke,

herzlichen Dank für Ihre Stellungnahme zu meinem offenen Brief.

Am 30.04.2020 schrieb Schwetzke, Berit:

Sehr geehrter Herr Niedermeier, Sie haben einen offenen Brief an das Deutsche Kinderhilfswerk e.V., Herausgeber der Kinderinternetseite www.kindersache.de verfasst, zu dem ich Stellung beziehen möchte. Eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme zur Redaktion ist über das Impressum sowie über das Briefsymbol im Header möglich.

Ich hatte nicht geschrieben, dass keine Kontaktaufnahme möglich ist, sondern nur erklärt, warum ich Ihnen meinen Brief nicht in Form einer E-Mail, sondern eines Links geschickt hatte.

Sie beziehen ihre Argumentation auf drei Artikel, die von Kindern geschrieben wurden sowie auf das Interview einer Redakteurin mit einer Heilpraktikerin. Die Kinderwebseite kindersache.de ist eine Mitmach-Seite für Kinder, die ihnen einen geschützten Raum bietet, sich partizipativ im Internet auszuprobieren. Dafür erstellen sich Kinder einen Account. Kinder können eigene Wissensartikel, Geschichten, Buchtipps, Witze, Trickfilme und auch Videos einreichen und diese veröffentlichen. Die Kinder haben die Möglichkeit, sich auszutauschen, ihr Wissen zu teilen und ihre Meinung kundzutun.

Diesen Ansatz finde ich sehr gut und grundsätzlich unterstützenswert! Allerdings müssten Wissens- und Glaubensinhalte ganz deutlich unterscheidbar sein. Bei der aktuellen Gestaltung ist nicht ohne Weiteres ersichtlich, worum es sich jeweils handelt.

Redaktionelle Beiträge der Kinder werden von der Redaktion geprüft, bevor sie online gestellt werden.

Auch der Witz, in dem der Mann Gott fragt, warum er die Frau “so dumm” erschaffen habe? Oder die Bibelstelle, laut der Gott die Gottlosen bestraft?

…dann bin ich mal gespannt, was seitenstark.de dazu sagt…

Menschenverachtende und jugendschutzgefährdende Inhalte werden natürlich nicht veröffentlicht.

Leider doch, wie ich in meinem Kommentar darlege. Beispiele:

  • Wenn neben dir Tausende sterben, wenn um dich herum Zehntausende fallen, kann dir doch nichts geschehen.
  • Du wirst es mit eigenen Augen sehen, du wirst sehen, wie Gott die Gottlosen bestraft. […]
  • Der Herr spricht: Ich will den erretten, der mich liebt.

oder hier:

Um den Datenschutz zu wahren, haben alle Benutzer*innen einen erfundenen Nicknamen und es werden keine Kontaktdaten der Kinder veröffentlicht oder weitergegeben.

…abgesehen von dem Vorstellungsvideo der Userin: [Link entfernt] . Gegen Datenschutz ist ja auch nichts einzuwenden, ich hatte lediglich darauf hingewiesen, dass eine Prüfung der Quelle so nicht möglich ist.

Nach der UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder Rechte, die wir mit dem Kinderwebseitenangebot unterstützen, u.a. das Recht auf Meinungsfreiheit und Partizipation (Artikel 12), das Recht auf Bildung (28) und das Recht auf kindgerechte Information (Artikel 17). Wir treten sehr für das im Artikel 2 formulierte Recht ein – alle Kinder sind gleich.

Ich habe Kinderrechte in keiner Weise in Frage gestellt, wohl aber, inwiefern einige der Informationen kindgerecht sind bzw. den von Ihnen genannten Rechten und Freiheiten entsprechen (siehe Bibel-Beispiel oben).

Nicht zuletzt hat uns das Recht auf Glaubensfreiheit (Artikel 14) dazu bewogen, die Artikel mit der Überschrift „Mein Glaubensgang“ zu veröffentlichen.

DIe Überschrift lautet nicht “Mein Glaubensgang”, sondern einfach nur “Glaubensgang.”

Auch ich setze mich für Glaubens-, Meinungs-, Rede-, Presse- und eigentlich alle Freiheiten ein, die wir hierzulande genießen dürfen. Wenn ich Ihnen einen Artikel über Das Fliegende Spaghettimonster schicke (oder ein Kind bitte, dies zu tun), veröffentlichen Sie diesen Artikel dann ebenfalls, gem. Artikel 14?

Meine Kritik galt auch nicht der Veröffentlichung an sich, sondern einigen der Inhalte und der Darstellung.

Für alle Leserinnen und Leser ist es ersichtlich, dass diese Artikel ein Kind geschrieben hat und nicht die Meinung der Redaktion wiederspiegelt.

Nein, definitiv nicht. Bei meinem Besuch der Seite war für mich nicht ersichtlich, ob es sich um Usercontent oder um redaktionelle Inhalte handelt, weil man als Besucher erstmal gar nicht weiß, dass es auf der Seite überhaupt Userbeiträge gibt, die zudem noch wie redaktionelle Beiträge aussehen.

Warum Sie in ihren Ausführungen vermuten, dass der Artikel von den Eltern des Kindes geschrieben wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Ausdruck und Wortwahl lassen auf die eines Kindes schließen.

  • WOW!!! Das war echt krass, oder? Er will dir helfen und dich beschützen. Er liebt dich über alles. Lasst uns Gott dafür danken. Weißt du wie das geht? Hast du das schon einmal gemacht? Wenn es zu kompliziert ist, und du weißt nicht, wie man das macht, bete ich für dich: „Danke Vater/Herr/Papa/Gott, dass du immer für uns da bist. Danke, dass du wie eine Henne bist, die ihre Küken beschützt. Ich bitte dich, dass du dem/der Leser/in Verständnis gibst, an dich zu glauben. AMEN.“

Finden Sie wirklich ehrlich echt, dass Ausdruck und Wortwahl dieser Zeilen dem entspricht, was ein geschätzt 7-9jähriges Kind typischerweise verwendet? Kennen Sie diese Bilder, wenn Erwachsene versuchen, so zu malen, wie Kinder malen? Genau so wirken diese Zeilen auf mich.

Bezüglich Ausdruck und Wortwahl dieser Zeilen hatte ich mehrere befreundete Lehrkräfte befragt, die zur gleichen Einschätzung gekommen waren wie ich: Die in diesem Text verwendeten Formulierungen, der Satzbau und die Sprache entsprechen keinesfalls dem Stil, den man typischerweise bei einem Kind erwarten würde (was nicht heißt, dass es Eltern nicht doch gelingen könnte, ihre Kinder durch massive frühkindliche religiöse Indoktrionation dazu zu bringen, Sätze wie: “Ich bitte dich, dass du dem/der Leser/in Verständnis gibst, an dich zu glauben” zu formulieren). Ganz so abwegig ist meine Vermutung sicher nicht.

Ohne Frage wurde das Mädchen christlich sozialisiert, was sich in ihren Gedanken und Ansichten äußert. Ich wiederhole aber: alle Kinder sind gleich und haben das Recht auf Meinungs- und Glaubensfreiheit.

Das Recht auf Meinungs- und Glaubensfreiheit habe ich niemals in Frage gestellt, im Gegenteil. Nur sollten gerade auf einer Kinderwebseite, die ja auch Medienkompetenz vermitteln möchte persönliche Gedanken und Ansichten dann auch deutlich als solche gekennzeichnet werden, um sie eindeutig und gerade für Kinder von Wissensinhalten unterscheidbar zu machen.

Also statt: Ich erzähle dir über den allmächtigen Gott: zum Beispel: Ich erzähle dir, wie wir Christen uns einen allmächtigen Gott vorstellen. Oder statt: er schützt dich und mich vor allen Gefahren zum Beispiel: Ich wünsche mir, dass… oder Ich stelle mir vor, dass… oder Ich glaube, dass

Ohne eine solche deutliche Klarstellung halte ich die Veröffentlichung solcher Behauptungen (egal, ob in Form von User Content oder redaktionell) für grob fahrlässig. Man stelle sich vor, ein Kind begibt sich in Lebensgefahr, weil es darauf vertraut, dass das, was es auf der Seite des deutschen Kinderhilfswerkes gelesen hat stimmt. Solche faktisch falschen Behauptungen sind das Gegenteil von “Kinder schlau machen.”

Man kann doch Kindern keinen Unsinn erzählen und darauf hoffen, dass sie dann im Ernstfall nicht glauben, was da steht? Stattdessen müsste klar kommuniziert werden, dass es sich bei allen magisch-esoterischen Inhalten um von Menschen erdachte Phantasievorstellungen handelt und dass Götter genauso einzuordnen sind wie Figuren in Märchen, Legenden, Phantasy- oder Science-Fiction-Geschichten etc.

Einzig eine Anmerkung der Redaktion könnte hier fehlen, dass es die Meinung der Autorin wiederspiegelt und nicht die der Redaktion.

Das halte ich für einen sehr guten Anfang! Es war nämlich für mich beim Besuch der Seite nicht mal ersichtlich, dass es auf der Seite überhaupt Usercontent gibt.

Allerdings gilt meine Kritik, dass Glaubensinhalte nicht deutlich erkennbar von Wissensinhalten unterscheidbar und auch inhaltlich teils fragwürdig sind, unabhängig von der Urheberschaft. In Ihrem redaktionellen Beitrag zum Thema Christentum lese ich zum Beispiel gerade folgende Aussage:

Diese Behauptung halte ich (genauso wie die Legende von den “christlichen Werten”) für frag- und kritikwürdig, weil es eben nicht stimmt, das “wir alle” uns an “die 10 Gebote der Bibel” halten (was wir zum Glück auch gar nicht müssen). Ich zum Beispiel verehre keine Götter, und ich lasse mir auch nicht vorschreiben, wen oder was ich begehren darf oder auch nicht.

Einige der 10 Gebote gehen von einer magisch-esoterisch erweiterten Scheinwirklichkeit aus; inhaltlich entsprechen sie dem Entwicklungsstand eines Nomadenvolkes aus der Bronzezeit. Für die paar Gebote, die heute überhaupt noch relevant sind, gibt es längst bessere Argumente als den angeblichen Willen eines erfundenen Himmelwesens.

Deshalb estaunt es kaum, dass sie sich heute nur noch mit viel Verbiegung und auch dann nur teilweise bzw. nur scheinbar mit unseren tatsächlichen Werten, Gesetzen und ethischen Standards in Einklang bringen lassen. Kurz zusammengefasst (aus diesem Beitrag zitiert):

  1. Das erste Gebot verstößt gegen das Grundgesetz.
  2. Das zweite Gebot verstößt gegen das Verfassungsrecht.
  3. Das dritte Gebot verstößt gleich gegen mehrere Freiheitsgebote und ist – man höre und staune – das dritte, bei dem es um [göttliche] Selbstbauchpinselei geht.
  4. Zum vierten Gebot sage ich nur: Lukas 14, 26
  5. Das fünfte Gebot führt die Bibel selbst ad absurdum. Man möge es mir nachsehen, wenn ich hier nicht die mehr als 400 Bibelstellen zitiere, in denen das Wort “Töten” in all seinen Deklinationsformen vorkommt.
  6. Das sechste Gebot macht keinen Sinn mehr, denn es verstößt in seiner Konsequenz gegen das Grundgesetz (eine Scheidung gilt lt. Bibel (Lk 16,18) als Ehebruch und ist deshalb mit Steinigung zu bestrafen)
  7. Das siebente Gebot ist interessant. Stiehlt der evangelische Erzieher den Kindern denn nicht die Chance auf eine eigene religiöse Entwicklung? Ich denke schon. Von der Tatsache mal abgesehen, dass es auch Diebstahl ist, verblendeten Menschen 8 oder 9% Kirchensteuer abzuknöpfen.
  8. Wer würde im Laufe der folgenden Woche seinen Job behalten, wenn er sich an das achte Gebot halten würde?
  9. Das neunte Gebot verstößt gegen Meinungs- und Kunstfreiheit. Auch hier wieder geht es nur um diesen Einfaltspinsel namens Gott.
  10. Im zehnten Gebot wird Begierde bzw Neid verboten. Empfindungen aber kann man nicht verbieten. Außerdem widerspricht das zehnte Gebot der Gleichberechtigung und der Menschenwürde. Weder sind Frauen Besitz, noch sollten Menschen Sklaven sein.

Jedoch sind die Beiträge der Kinder klar von denen der Redakteurinnen abgegrenzt.

Das sehe ich anders. Wenn ich die Seite (wie wohl die meisten Besucher) über eine Suchmaschine aufrufe, lande ich direkt auf der jeweiligen Unterseite. Dass redaktionelle Beiträge mit “Beitrag der Redaktion” gekennzeichnet sind, weiß der Besucher an dieser Stelle nicht.

Haben Kinder einen Artikel verfasst, erscheinen ein buntes Avatarbild und der Username des Kindes. Artikel der Redaktion sind mit einem Foto der Person, dem Vornamen dem Zusatz „ein Beitrag der Redaktion“ versehen.

 Genausowenig ersichtlich ist der Umstand, dass es sich bei allen Beiträgen mit Avatar und Nickname NICHT um redaktionellen Content handelt. Der Besucher wird deshalb erstmal davon ausgehen, dass alle Inhalte zumindest den Qualitätskriterien der Seitenbetreiber entsprechen (also u. a. Wissen vermitteln und Kinder “schlau” machen). Diese Beiträge vermitteln allerdings kein Wissen, sondern Glauben.

Der Kinderartikel „Tipps gegen Sorgen und Ängste“ ist ein toller Artikel aus Sicht eines Kindes. Indem Sie nur das eine Zitat mit dem Bild eines Ufos auf Ihrer Webseite darstellen, verzerren und verfälschen Sie den gesamten Artikel.

Von der Angst vor Aliens ist im Beitrag die Rede. Diese Angst symbolisiert das UFO-Bild. Mein Kommentar richtet sich nicht explizit an Kinder, sondern an Erwachsene. Mein Punkt hierzu war: Ich halte es für frag- und kritikwürdig, ausgerechnet Kindern mit irrationalen Ängsten eine Internetrecherche ausgerechnet zu diesem Thema zu empfehlen – auch dann, wenn man darauf hinweist, dass auf manchen Seiten auch Quatsch behauptet wird.

Das Foto des Artikels auf kindersache.de ist ein Sorgenfresserchen, kein Ufo.

Was hat das mit meinem Kritikpunkt zu tun?

Auch das Interview mit der Heilpraktikerin wird von Ihnen falsch dargestellt. Ich kann hier keine Punkte finden, die den Beruf in einem falschen Licht darstellen und „Fake News“ verbreiten, wie von Ihnen behauptet.

Wie schon im Kommentar geschrieben, beinhaltet das Interview genau die Rhetorik, wie sie in der Laienmedizin immer wieder anzutreffen ist, etwa um Pseudomedizin wie (wirksame) Naturmedizin aussehen zu lassen oder auch, um den Beruf Heilpraktiker auf- und den des Arztes abzuwerten.

Wenn man sich mit diesbezüglichen Veröffentlichungen näher befasst, fallen solche Tricks schnell auf, während sie gerade für Kinder nicht oder nur schwer durchschaubar sind. Die Punkte, an denen ich das festmache, stehen in meinem Kommentar zu diesem Beitrag. Leute, die Fake News verbreiten, bedienen sich der selben manipulativen sprachlichen MIttel wie die, mit denen auch hier ein (aus Sicht einer Heilpraktikerin verständlicherweise einseitig positives) Bild suggeriert wird.

Zitat: „Während unter dem Stichwort “Gott” rund 120 Artikel zu finden sind, liefern Stichworte wie “Atheismus”, “Säkularismus”, “Europäische Werte”, “Ethik” oder “Humanismus” keine Informationen.“ Dem ist nicht so.

Doch, dem ist so. Lediglich der Begriff “Ethik” liefert einen Treffer, allerdings taucht der Begriff hier nur in einer Frage auf; Informationen zu diesem Begriff gibt es, wie geschrieben, keine.

Die Suche listet auch Kommentare der Kinder auf, es handelt sich nicht ausschließlich um Artikel.

Entschuldigen Sie bitte meine sprachliche Ungenauigkeit; ich habe in meinem Beitrag “Artikel” gerade durch “Artikel und Kommentare” ersetzt, um Missverständnisse zu vermeiden. An meinem Argument ändert sich dadurch aber nichts.

Es werden viele vereinzelte Sprüche wie „Oh mein Gott!“ aufgelistet. Zudem kommt der Begriff „Gott“ auch in Geschichten und Witzen der Kinder vor. „Gott“ gibt es auch in anderen Religionen – wir haben eine Vielfalt an Artikel über die 5 großen Weltreligionen, über Götter in der römischen Antike.

Ja, und? Am völligen Fehlen der anderen Suchbegriffe/Themen lässt sich das Ungleichgewicht zwischen religiösen und vernunftbasierten Beiträgen zu politischen und kulturellen Themen erkennen. Ausgerechnet die Bereiche, von denen sich Religionen zumeist bedroht fühlen (zB Humanismus, Säkularismus) fehlen einfach – obwohl gerade das einige der Grundlagen unserer modernen ethischen Standards und Gesetze sind.

Das Wissen könnte man als Allgemeinwissen deklarieren, weshalb es sehr naheliegend ist, dass hierzu Treffer bei der Suche gab. Die von Ihnen gesuchten Stichworte liefern keine Treffer, weil es für Kinder keine gebräuchlichen Worte sind und wir eine kindgerechte Sprache gebrauchen.

Wäre es dann nicht erst recht höchste Zeit, die Grundlagen, auf denen unsere offene und freie Gesellschaft basiert Kindern in kindgerechter Sprache zu vermitteln?

“Demokratie” oder auch “Europa” behandeln Sie ja auch in etlichen Beiträgen, User-Beiträge befassen sich ebenfalls mit für Kinder ungebräuchlichen Begriffen wie zum Beispiel “selektiver Mutismus” oder “Fructose-Intoleranz” – warum fehlen zum Beispiel so grundlegend wichtige Themen Humanismus und Säkularismus komplett?

Gerade in Zeiten, wo Menschen ohne konfessionelle Bindung/Religionszugehörigkeit mit 37% die größte Einzelgruppe darstellen (Stand 2017 mit starkem Aufwärtstrend, Quelle) und selbst unter den Gläubigen immer weniger Menschen noch tatsächlich das glauben,was sie ihrer Konfession entsprechend eigentlich glauben sollten, ist Aufklärung doch erst recht geboten, damit Kinder erfahren, dass unsere Werte eben nicht originär christlichen, sondern humanistischen Ursprungs sind und gegen den erbitterten Widerstand des Christentums erstritten werden mussten. Die obersten Werte in unserer Verfassung sind die Würde und Freiheit des Individuums, nicht der angebliche Wille eines angeblichen Gottes.

Dass eine Aufarbeitung dieser grundlegend wichtigen Thematik durchaus auch in kindgerechter Sprache möglich ist, beweist zum Beispiel das Sachbuch “Der Bauplan der Freiheit“.

Ich würde mich freuen, wenn ich Sie mit meinen Gedanken dazu anregen konnte, User-Content noch deutlicher als solchen zu kennzeichnen und darauf zu achten, dass Glaubensinhalte, die faktisch nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen (zum Beispiel “Gott beschützt dich und mich vor allen Gefahren”) ausdrücklich als Einbildung, Wunschvorstellung oder zumindest als nicht nachprüfbaren Glaubensinhalt zu erkennen sind. Auf den redaktionellen Seiten über Religionen verwenden Sie ja schon (zumindest teilweise) solche Differenzierungen zwischen religiösem Wunsch und irdischer Wirklichkeit, wie ich sie auf einer solchen Seite konsequent und für alle Inhalte erwarten würde.

Ich fände es toll, wenn Sie noch mehr darauf achten würden, religiöse/esoterische Inhalte genauso objektiv und vernunftsbasiert zu vermitteln wie die restlichen Inhalte auf Ihrer Seite auch.  Gerade in der aktuellen Situation wird einmal mehr deutlich sichtbar, welche fatalen Folgen die Methode des Glaubens im religiösen Sinn (=eine Behauptung ohne valide Beweise für wahr zu halten und auf eine Illusion zu vertrauen, weil es der eigenen Wunschvorstellung entspricht) und deren Instrumentalisierung für alle möglichen Zwecke haben kann.

Und schließlich halte ich eine Ergänzung der (kindgerecht aufbereiteten) Inhalte zum Thema “Die Werte einer offenen und freien Gesellschaft” für dringend erforderlich. Ich biete an, in diesem Bereich ehrenamtlich Beiträge beizusteuern, die die Qualitätskriterien für gute Kinderwebseiten erfüllen. Etwas Erfahrung im Schreiben von kindgerechten Texten konnte ich schon bei meiner Arbeit am Projekt https://kwq.de sammeln.

Frau Schwetzke, ich bedanke mich nochmal, dass Sie sich die Zeit für eine Antwort auf meinen offenen Brief genommen haben. Sind Sie damit einverstanden, wenn ich einige Ihrer Antworten mit Nennung Ihres Namens und Ihrer Aufgabe bei kindersache.de auf meiner Seite zitiere?

Andernfalls würde ich Ihre Antwort (auf Wunsch mit oder ohne Nennung Ihres Namens) inhaltlich etwa so zusammenfassen:

  • In der Antwort von kindersache.de räumte die antwortende Mitarbeiterin ein, dass User-Content besser als solcher gekennzeichnet werden könnte, um deutlicher zu kommunizieren, welche Inhalte redaktionellen Ursprungs sind und welche die Meinung der User widergeben.
  • Alle weiteren Kritikpunkte konnte oder wollte die Mitarbeiterin nicht nachvollziehen und bewertete sie ohne nähere Begründung als eine verzerrte Wahrnehmung bzw. Darstellung meinerseits.

Mit freundlichen Grüßen nach Berlin,

Marc Niedermeier

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