Die Kernbotschaft der Bibel

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Wie lautet die Kernbotschaft der Bibel? Und kann die überhaupt stimmen?

Schon seit Jahrhunderten nutzen Theologen, Religionsverkündiger und Gläubige die Bibel, um sich und anderen mit ihrer “Heiligen Schrift” alles Beliebige zu begründen.

Das Spektrum reicht dabei von Nächstenliebe bis zum Völkermord. Diese biblische Beliebigkeit ist einer der Hauptgründe dafür, warum das darauf begründete Christentum moralisch orientierungslos ist.

Dabei bedienen sich Christen (aber natürlich genauso auch Anhänger anderer so genannter Buchreligionen) aller möglichen textlichen Tricks, damit das Wort ihres Gottes ihren Vorstellungen entspricht. Und ihren Zwecken dient.

Wem zum Beispiel das Alte Testament zu absurd und der dort beschriebene Gott zu grausam ist, der erklärt diesen Teil der Bibel einfach als “durch das Neue Testament aufgehoben.” Das gilt dann freilich nicht für die Textteile, die man später doch noch meint gebrauchen zu können. Umgekehrt steht evangelikalen und anderen Spinnern gerade mit dem Alten Testament eine reich gefüllte Schatztruhe an Grausamkeiten und Widerwärtigkeiten aller Art zur Verfügung, aus der sie sich bedienen können.

Gemäßigte Christen picken sich zumeist lieber irgendwelche Halbsätzchen (die dann oft sogar “nur irgendwie metaphorisch gemeint” sein sollen), bevorzugt aus dem Neuen Testament heraus. Und weisen eine Auslegung der Bibel, wie sie tatsächlich bibeltreue Christen betreiben, empört als “Fundamentalismus” zurück.

Auf die Idee, dass möglicherweise etwas mit dem Fundament nicht stimmt, kommen sie meist nicht: Das sind dann stets “keine wahren Christen.”

Die Kernbotschaft der Bibel

Meine Erfahrung aus vielen Stunden Unterhaltung mit Christen: Darüber, was die Kernbotschaft der Bibel sein soll, herrscht selbst unter Christen gleicher Konfession kein bisschen Einigkeit.

Die ethischen Standards und Ansichten vieler moderner Durchschnittschristen unterscheiden sich hierzulande, abgesehen von einem irgendwie halt noch übriggebliebenen, im Grunde aber bedeutungslos gewordenen Gottes(sohn) praktisch kaum noch von denen eines Menschen mit säkular-humanistischer Einstellung.

Vom ungerechten und unmenschlichen christlichen Belohnungs-Bestrafungskonzept, was zweifelsfrei die Kernbotschaft der Bibel ist, bleibt da meist nur noch eine diffuse Einbildung, eine irgendwie hoffnungsvolle, keinesfalls mehr irgendwie bedrohliche Illusion.

Klar: Als Christ zählt man sich natürlich zu “den Guten.” Da braucht man auch keine Angst zu haben vor Höllenqualen dereinst. Der liebe Gott wirds ja bestimmt genauso sehen. Und wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, glaube ich den ganzen Quatsch sowieso schon lange nicht mehr…

Kastrierte Glaubenslehre

Für diese Christen besteht die Kernbotschaft der Bibel dann gerne mal nur noch aus “Nächstenliebe.”

Wie problematisch der Begriff der Nächstenliebe an sich schon ist, hatte ich früher schon (zum Beispiel hier) erläutert.

Betrachten wir die biblischen Mythen und Legenden unvoreingenommen, also ohne religiöse Immunisierung und mit der gebotenen Objektivität, so findenwir die Kernbotschaft der Bibel auf den Punkt gebracht bei Mk 16,16:

  • Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. (Mk 16,16 LUT)

Das ist die Message von Jesus. Darum geht es in der Bibel.

Und dies sagt viel über die katastrophale Moral dieses Wüstengottes mit der tripolaren Persönlichkeit aus: Liebe nur mich und lasse dich nur von mir lieben, sonst bestrafe ich dich ewig.

Aber neben den problematischen ethisch-moralisch-philosophischen Implikationen ergibt sich aus dieser Kernbotschaft noch ein anderes, vergleichsweise handfestes Problem.

Der Allwissende… wusste offensichtlich nicht alles

Denn dummerweise setzt die christliche Heilslehre voraus, dass es ein “Jenseits” gibt. Also irgendeinen, wenn schon nicht örtlich bestimmbaren, dann aber zumindest sonst irgendwie vorstellbaren Zustand, in dem menschliche Persönlichkeiten nach dem Tod ihrer körperlichen Inhaber weiterexistieren.

Je nachdem, auf welchem der christlichen Holzwege ein gläubiger Mensch wandelt, müsste er sogar glauben, dass diese Persönlichkeiten nicht nur in Form eines “virtuellen Backups” zu “überleben.” Sondern so richtig echt, also “leiblich.” Kein Wunder, dass sich kaum noch jemand öffentlich dazu bekennen möchte, so etwas für wahr oder zumindest für irgendwie plausibel zu halten.

Dass das christliche Heilsversprechen ohne ein Jenseits nicht funktioniert und somit hinfällig ist, dürfte die wenigsten Christen heute stören. Faktisch ändert sich ja sowieso nichts, egal, wie man sich seine religiöse Scheinwirklichkeit zusammenfabuliert.

Kernbotschaft der Bibel

Die Kernbotschaft der Bibel lautet:

Wer die Anweisungen der Bibel ausführt, also auch an Jesus glaubt, der kommt nach seinem Tod in ein Paradies. Wer das nicht tut, der kommt in die Folter-Hölle Gottes.

Aber wenn ein Mensch stirbt, dann sterben seine Nervenzellen ab und damit gehen alle Informationen zu diesem Menschen verloren. Damit gibt es kein Paradies und auch keine Hölle.

Damit ist die Kernbotschaft falsch.

Und da ein angeblich allwissender Gott hätte wissen müssen, dass mit dem Tod der Nervenzellen alle Informationen zu diesem Menschen verloren gehen, ist die Kernbotschaft der Bibel ein Beweis dafür, dass der Gott aus der Bibel nur ein von Menschen erfundenes Phantasiewesen ist.

Der Stand der Dinge – bis zum Beweis des Gegenteils

Nach allem, was wir heute wissen (können) und bis zum Beweis des Gegenteils: Kein Jenseits, kein Himmel, keine Hölle, kein Fegefeuer, kein lieber Gott, kein Schöpfer, kein gerechter Richter, keine Auferstehung.

Alles frei erfunden von Menschen, die es damals noch nicht besser wussten. Und die ein solches Szenario hervorragend für ihre eigenen Zwecke gebrauchen konnten.

  • Die Bibel: Das am meisten überschätzte Buch der Welt.
  • Theologie: Die angemaßte Wissenschaft von den Farben und Mustern von “des Kaisers neuen Kleidern.
  • Religiöser Glaube: Eine fast immer vererbte Einbildung, verfestigt durch einen chronisch-rekursiven Bestätigungsfehler.

Was tun, wenn man zwar einerseits schon irgendwie mitbekommen hat, dass allein schon ein “Jenseits” im religiösen Sinne völlig unplausibel ist? Dass es eigentlich ziemlich unredlich ist, trotzdem einfach so zu tun, als gäbe es so etwas wirklich? Und man aber trotzdem an seinem lieb gewonnenen und heute ja auch wirklich pflegeleichten imaginären Freund festhalten möchte?

Bewältigungsstrategien

Zur Bewältigung der Tatsache, dass die Kernbotschaft der Bibel ohne ein “Jenseits” nicht funktioniert, wenden Gläubige verschiedene Strategien an.

Am meisten verbreitet dürfte dabei die Verdrängung sein: Widersprüche einfach ignorieren und glauben. Nicht ohne Grund gelten Menschen, die so absurde Behauptungen wie die eines “Jenseits” ohne jeden Beweis und gerne auch wider Vernunft, Verstand und auf Kosten der eigenen intellektuellen Redlichkeit für wahr halten aus religiöser Sicht für besonders “stark im Glauben”. Und damit als besonders fromm und tugendhaft.

Auch immer gerne genommen: Das klassiche “Argumentum ad ignorantiam.” Also sinngemäß: Wir wissen nicht, was nach dem Tod kommt und deshalb stimmt das, was darüber in der Bibel steht. Bei Bedarf noch abgesichert mit einem nicht minder klassischem Zirkelschluss: “Und das stimmt, weil in der Bibel steht, dass es stimmt.”

Nein. Über etwas, das wir nicht wissen, können wir redlicherweise nur eins sagen: “Wir wissen es (noch) nicht.” Was wir heute sehr wohl wissen (können) ist, dass die Menschen zu der Zeit, in der die biblischen Texte verfasst worden waren, alles, was sie sich noch nicht anders erklären konnten, dem Wirken von Göttern zuschrieben.

Vom Allmächtigen zum Ein-Euro-Nischengott

BeweisDas war zu Beginn der menschlichen Entwicklung noch jede Menge. Je mehr Wissen sich die Menschen dann über die Zusammenhänge ihrer natürlichen, beobacht- und erlebbaren Wirklichkeit erarbeiteten, umso kleiner wurden die Nischen, in die man einen Gott überhaupt noch quetschen konnte.

Spätestens mit Darwins Entdeckung und Beschreibung der Evolution war zum Beispiel die biblisch-christliche Schöpfungslehre ja als nachweislich falsch entlarvt worden.

Da sich aber das “Wort Gottes” in der “Heiligen Schrift” heutzutage nur noch sehr schwer grundlegend verändern lässt, verzichtete man eben darauf zu behaupten, Gott habe “alle Tiere nach ihrer Art erschaffen.”

Das ist das Praktische an Fiktionen: Sie lassen sich völlig beliebig verändern, ohne dass sich faktisch irgendetwas ändert. Und deshalb ist es auch so problematisch, religiöse Fiktion mit irdischer Wirklichkeit zu vermischen: Weil man Göttern jeden beliebigen Willen unterschieben kann.

Gott als menschliche Erfindung

Feuer-LebendbestattungOder man macht es wie der evangelische Beantwortungspfarrer Muchlinsky von fragen.evangelisch.de. Und räumt einfach ein, dass es sich nicht nur bei allen anderen, sondern auch beim eigenen Gott um eine menschliche Fiktion handelt.

Eine Aussage, die dem ketzerischen Pfarrer noch vor gar nicht allzu langer Zeit sicher eine umgehende christliche öffentliche Lebend-Feuerbestattung eingebracht hätte.

Indem er eingesteht, dass auch sein Gott nur von Menschen erfunden ist, hat er zwar seine Glaubwürdigkeit in gewisser Weise gerettet. Auch alle anderen Absurditäten, die seine Lehre so mit sich bringt, hat er damit elegant umschifft: “Ist doch gar nicht echt, ist doch alles nur erfunden…”

Wie kaum anders zu erwarten, zieht er aus dieser Erkenntnis nicht etwa den logischen Schluss, dass er einfach nur einem groß angelegten Schwindel aufgesessen war. Sondern beteuert, nachdem er für seine Blasphemie harsche Kritik von Gläubigen, die Gott selbstverständlich nicht für eine menschliche Erfindung halten, geerntet hatte, dass er natürlich trotzdem ganz fest an diesen Gott glaube.

Denn selbst, wenn Gott nur noch ein menschliches Hirngespinst ist, so kann er ja immernoch zum Urheber dieses Hirngespinstes erklärt werden. Weiß jedenfalls Pfarrer Muchlinsky von fragen.evangelisch.de.

Ganz abgesehen davon, dass sich eine solche Vorstellung mit der biblisch-christlichen Lehre nicht mal mehr auf den berühmten “kleinsten gemeinsamen Nenner” bringen lässt: Eine solch offensichtlich falsche, weil zirkuläre Argumentation kommt einem intellektuellen Offenbarungseid gleich.

Und einmal mehr stelle ich mir und hiermit auch den geschätzten (christlichen) Leserinnen und Lesern diese Fragen:

Was müsste man glauben, um sich guten Gewissens “Christ” nennen zu können? Und: Warum sollte man das glauben?

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Letzte Aktualisierung: 18. Februar 2018