Kritischer MAIN-POST-Artikel überfordert Leserin

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In einem Gastbeitrag hatte Sprachwissenschaftler Professor Dr. Wolf in der MAIN-POST vom 11.05.2018 (Ausgabe Bad Kissingen) die von Politikern verwendete Sprache in der Islamdebatte kritisch untersucht.

Sein Fazit am Beispiel Horst Seehofer:

  • „Seehofer verwendet einfach Wörter, die auf irgendeine Weise christlich klingen, ohne dass er deren Bedeutung auch nur
    ansatzweise durchdenkt.“ – Norbert Richard Wolf, Sprachwissenschaftler in der MAIN-POST vom 11.5.2018

Die inhaltlich fundierte und ausführlich beschriebene Analyse des Wissenschaftlers hatte eine MAIN-POST-Leserin offenbar überfordert. Was diese zu folgendem Leserbrief veranlasst hatte:

Leserbrief Hochgestochen

Quelle: MAIN-POST vom 17.5.2018, Ausgabe Bad Kissingen

Die Norm – bin ich

Jetzt ist man natürlich erstmal versucht, den Schreibstil von Frau Amthor zu untersuchen. Ihren Leserbrief beginnt sie mit sich selbst. Und stellt erstmal klar, dass sie die Normalität der Leserschaft verkörpert.

Aber mit solch sprachlichen Feinheiten hält sich Frau Amthor nicht auf. Die Message von Seehofer, Dobrindt & Co. kommt bei ihr an. Da muss man nicht noch jedes Wort auf die sprichwörtliche Goldwaage legen.

Somit wäre es wohl treffender gewesen, sich als Normalvertreterin der Populisten-Zielgruppe zu definieren. Und nicht unbedingt als den Durchschnitt der MAIN-POST-Leser.

Nicht gekonnt – oder nicht gewollt

Eigentlich stellt Frau Amthor mit ihrem Leserbrief nur eins klar:  Dass sie den von ihr kritisierten Artikel schlicht und ergreifend nicht verstanden hat. Auch nach zweimaligem Lesen nicht. Denn auf die Inhalte des Artikels geht sie mit keinem Wort ein.

Wobei freilich auch nicht auszuschließen ist, dass sie ihn vielleicht einfach auch nur nicht verstehen will. Weil er sie wahrscheinlich nicht in ihrer Wunschvorstellung bestärkt: Dass die hohlen Phrasen und Pauschalisierungen der Populisten wahr und zutreffend sein mögen. Und dass die Dinge tatsächlich so einfach und schwarz-weiß sein mögen, wie Populisten sie gerne darstellen.

Ihren Leserbrief hätte sie problemlos auf diesen Satz reduzieren können: “Den Artikel von Prof. Dr. Wolf habe ich nicht verstanden und möchte ihn auch nicht verstehen.”

…in einfacher Sprache

Eine passende Bibelstelle in leicht verständlicher Bibelsprache steuern wir gerne bei:

  • Die Frauen sollen in den Gemeindeversammlungen schweigen, denn es kann ihnen nicht gestattet werden zu reden, sondern sie haben sich unterzuordnen, wie auch das (mosaische) Gesetz es gebietet (1.Mose 3,16). Wünschen sie aber Belehrung über irgend etwas, so mögen sie daheim ihre Ehemänner befragen; denn es steht einer Frau übel an, sich in einer Gemeindeversammlung hören zu lassen. Oder ist etwa das Wort Gottes von euch ausgegangen oder zu euch allein hingekommen? (1. Korinther 14, 34-36 MENG)

Aber zurück zum Thema: Dass für sie auch nach zweimaligem Lesen “auch nicht mehr herauskommt”, ist bedauerlich. Vermutlich kann sich Frau Amthor gar nicht vorstellen, dass für andere Leser – ebenfalls ganz normale, die aber intellektuell und kognitiv womöglich einen Ticken weiter sind als Frau Amthor – sogar schon beim einmaligen Lesen des Artikels sehr wohl sehr viel “herauskommt.”

Wahrnehmung einer anderen MAIN-POST-Leserin

Hier ein anderer Leserbrief zum selben Artikel, der am 19. Mai in der Main-Post veröffentlicht wurde. Diese Leserin kommt zu einer ganz anderen Einschätzung:

  • Welch genialer Aufbau, welch geniale Argumentationslinie! Es tut so gut, ab und zu logisch argumentierende Menschen zu hören.
    Der Sprachwissenschaftler Prof. Wolf seziert Seehofers und Dobrindts Worte und Sätze- oft wiederholte und deshalb für wahr gehaltene hohle Phrasen- von einer erfrischend anderen als der üblichen Warte aus.Er analysiert die Sprache der beiden, klärt sachlich über die Argumentationstricks auf und entlarvt dabei das eigentlich Flache und Falsche der Aussagen. Diese Art der wissenschaftlichen Untersuchung ließe sich beliebig erweitern, (Söders Kreuze, Blumes Leitkultur) nicht nur auf Reden von Politikern.Danke für diesen aufklärenden Beitrag.
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Letzte Aktualisierung: 19. Mai 2018