Darwin und Gott: Vertragen sich Naturwissenschaften und Glaube?

Lesezeit: ~ 3 Min.

Darum geht es

Theologin Helena Malsy behauptet eine friedliche Koexistenz von Evolution und Schöpfungsglauben, ohne die eigentliche Frage nach der wörtlichen Sieben-Tage-Schöpfung zu beantworten oder den moralischen Kurzschluss zu begründen, den sie zieht.

Auf fragen.evangelisch.de beantwortet die Theologin Helena Malsy die Frage von Patrick Walser, ob Evolutionstheorie und christlicher Glaube zueinander passen. Malsy behauptet eine grundsätzliche Verträglichkeit beider Perspektiven, ohne die konkrete Frage nach der wörtlichen Sieben-Tage-Schöpfung zu klären.

Die Frage

Patrick Walser fragt: „Ich bin sicher, dass Darwins Lehre stimmt, aber verträgt sie sich mit dem Christentum? Kann ich einerseits an Gott glauben, wenn ich mir andererseits sicher bin, dass die Welt nicht in 7 Tagen entstanden ist? Vertragen sich Naturwissenschaften und Glaube?“

Gefragt ist damit konkret, wie sich die Anerkennung der Evolutionstheorie mit einem wörtlichen Verständnis der biblischen Schöpfungserzählung sowie mit dem Gottesglauben insgesamt verträgt.

Die Antwort

Malsy verweist auf ihre eigene Familie – „Meine Schwester ist Biologin, ich bin Theologin“ – und erklärt: „Wir erleben, dass sich beide Perspektiven erstaunlich oft gut vertragen.“ Sie ordnet Darwin die Frage nach dem „Wie“ der Artenbildung zu, der Schöpfungserzählung die Frage nach dem „Wozu“ des Menschen. Aus dem Ebenbild-Gedanken leitet sie eine ethische Konsequenz ab: „Gott hat alle Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen, daher kann nicht rücksichtslos das Gesetz des Stärkeren gelten.“ Forschung selbst deutet sie positiv: „Ich denke, dass der menschliche Forschungsdrang eine gute Gabe Gottes ist und die Glaubensperspektive uns dabei vor Selbstüberhöhung bewahren kann.“

Die Kritik

Die eigentlich gestellte Frage wird nicht beantwortet. Walser will wissen, ob er an Gott glauben kann, obwohl er sicher ist, dass die Welt nicht in sieben Tagen entstand. Malsy antwortet mit der allgemeinen These, beide Perspektiven „vertrügen sich gut“, ohne zu sagen, wie ein wörtliches Verständnis der Genesis mit Evolution zu vereinbaren wäre oder ob sie selbst die Erzählung überhaupt wörtlich versteht.

Die Aufteilung in „Wie“ und „Wozu“ wird behauptet, nicht begründet. Dass Naturwissenschaft und Glaube sauber getrennte Zuständigkeitsbereiche hätten, ist eine bekannte, aber selbst umstrittene These. Malsy setzt sie einfach voraus, statt zu erklären, warum ein Text, der historisch durchaus einen Anspruch auf Weltbeschreibung erhoben hat, plötzlich nur noch für die Sinnfrage zuständig sein soll.

Der ethische Schluss unterstellt eine falsche Alternative. Aus der Ablehnung des „Gesetzes des Stärkeren“ wird nahegelegt, ohne den Verweis auf Gottes Ebenbild drohe genau dieses Recht des Stärkeren als Konsequenz aus der Evolutionstheorie. Weder die Evolutionsbiologie noch die säkulare Ethik behaupten das: Dass sich Verhalten in der Natur beobachten lässt, begründet keine Handlungsnorm, weder mit noch ohne diesen Zusatz.

Die persönliche Anekdote ersetzt die inhaltliche Auseinandersetzung. Der Hinweis auf die eigene Schwester und auf Erstklässler im Religionsunterricht illustriert eine freundliche Koexistenz, benennt aber nicht die eigentlichen Reibungspunkte zwischen einem zielgerichteten Schöpfungsglauben und einem ungerichteten, auf Zufall und Selektion beruhenden Evolutionsprozess.

Die Antwort aus säkularer Sicht

Patrick Walser kann die Spannung, die er beschreibt, auflösen, indem er beide Fragen getrennt behandelt. Die Evolutionstheorie ist eine naturwissenschaftlich extrem gut bestätigte Beschreibung, wie sich Arten durch Variation und Selektion entwickeln; eine wörtliche Sieben-Tage-Schöpfung ist damit unvereinbar. Das ist keine Meinung, sondern der Stand der Forschung.

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Die Frage, ob er „an Gott glauben“ kann, ist davon unabhängig zu beantworten – und die ehrliche säkulare Antwort lautet: Für ein sinnvolles, ethisches Leben braucht es diesen Glauben nicht. Werte wie Mitgefühl, Fairness oder der Schutz Schwächerer lassen sich ohne Rückgriff auf Ebenbildlichkeit begründen, etwa durch Empathie, wechselseitige Anerkennung und die einsehbare Tatsache, dass ein Zusammenleben nach fairen Regeln allen mehr nützt als das Recht des Stärkeren.

Der vermeintliche Kurzschluss von der Natur zur Moral – wenn die Natur kein Erbarmen kennt, brauche es Gott, um Erbarmen zu begründen – ist ein Fehlschluss in beide Richtungen: Aus Naturbeobachtungen folgt weder eine Pflicht zur Härte noch die Notwendigkeit eines göttlichen Korrektivs. Moral ist eine menschliche Praxis, die durch Vernunft, Erfahrung und Verständigung entsteht und sich genau daran auch prüfen lässt.

Wer wie Walser der Evolutionstheorie vertraut, verliert damit keinen Halt, sondern gewinnt Klarheit: Die Welt lässt sich beschreiben, ohne einen Schöpfungsakt vor sieben Tagen anzunehmen, und das eigene ethische Handeln lässt sich begründen, ohne diese Beschreibung zu bemühen. Beides steht auf eigenen, überprüfbaren Füßen.

Quelle

„Darwin und Gott: Vertragen sich Naturwissenschaften und Glaube?“, Antwort von Helena Malsy auf fragen.evangelisch.de

KI

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