Kommen Atheisten in die Hölle?

Lesezeit: ~ 3 Min.

Darum geht es

Pastor Frank Muchlinsky beantwortet keine der konkret gestellten Teilfragen zur Höllenlehre, sondern ersetzt Theologie durch persönliches Wunschdenken, das er selbst am Ende als unüberprüfbar einräumt.

Auf fragen.evangelisch.de antwortet Pastor Frank Muchlinsky, Redakteur bei evangelisch.de, dem Atheisten Stefan, dessen gläubiges Umfeld sich sorgt, er komme nach dem Tod in die Hölle. Muchlinsky lehnt das Höllenkonzept persönlich ab, beantwortet dabei aber die eigentlich gestellten Teilfragen kaum und relativiert seine Beruhigung am Ende selbst.

Die Frage

Stefan schreibt: „Als ehemaliger evangelischer Christ bin ich mittlerweile überzeugter Atheist. In meinem nächsten Umfeld sorgen sich Menschen, dass ich zwangsweise in die Hölle komme und wir für immer getrennt sind. Wie sieht die Kirche die Frage? Sind alle Menschen verloren, die z.B. nie etwas von Gott gehört haben (in anderen Kulturkreisen), oder kleine Kinder, die noch nicht getauft sind und ebenfalls noch keine Vorstellung von Gott haben? Und natürlich das Hauptanliegen: Menschen, die aus für sie nachvollziehbaren Erwägungen den Glauben verloren haben?“

Gefragt ist damit ausdrücklich nach der kirchlichen Lehrposition zu mehreren konkreten Personengruppen, nicht nur nach einer persönlichen Meinung zur Hölle im Allgemeinen.

Die Antwort

Muchlinsky würdigt zunächst, dass Stefan trotz eigener Distanz zum Glauben eine Antwort sucht, die sein Umfeld beruhigen kann. Inhaltlich referiert er kurz die Position, nach der die Hölle als „Ort der endgültigen Konsequenz für die Sünden eines Menschen“ gilt, verlässt diese Sichtweise dann aber: „Das widerspricht meinem Gottesbild, denn es würde bedeuten, dass sich Gott an Gesetze halten muss.“ Stattdessen setzt er auf einen barmherzigen Gott: „Gott wird in der Bibel immer wieder als überraschend barmherzig beschrieben.“ Am Ende schränkt er ein: „Ob ich damit richtig liege, werde ich wohl erst erfahren, wenn es so weit ist.“

Die Kritik

Die konkret gestellten Teilfragen bleiben unbeantwortet. Stefan fragt explizit nach ungetauften Kindern und nach Menschen, die nie von Gott gehört haben. Muchlinsky geht auf keine dieser Gruppen ein, sondern bleibt bei einer allgemeinen Aussage zum Höllenkonzept. Die eigentliche Frage nach der kirchlichen Position wird durch eine private Position ersetzt.

Die Ablehnung der Höllenlehre wird mit Geschmack begründet, nicht mit Argumenten. „Das widerspricht meinem Gottesbild“ ist eine Aussage über eine persönliche Präferenz, kein Beleg dafür, dass die widersprechende Lehrmeinung falsch liegt. Zwei sich ausschließende Lesarten derselben Tradition stehen damit unaufgelöst nebeneinander, entschieden wird allein nach Sympathie.

Die Auswahl der Bibelstellen bleibt unbegründet. Dass Gott „immer wieder als überraschend barmherzig beschrieben“ werde, ist zutreffend, ignoriert aber, dass dieselbe Textsammlung auch die Gerichts- und Straftraditionen enthält, auf die sich die zuvor skizzierte Gegenposition stützt. Warum die eine Textlinie mehr Gewicht haben soll als die andere, bleibt offen.

Der Schlusssatz entwertet die vorangegangene Beruhigung. Nachdem Muchlinsky Hoffnung auf einen barmherzigen Ausgang gemacht hat, räumt er ein, das selbst nicht zu wissen, sondern es „erst erfahren“ zu können, wenn es soweit ist. Eine Zusicherung, die ihr Urheber im selben Atemzug für unüberprüfbar erklärt, ist als Trost kaum tragfähiger als das Schweigen, das sie ersetzen sollte.

Die Antwort aus säkularer Sicht

Die tatsächliche Antwort auf Stefans Frage ist einfach: Es gibt keine Hölle, weil es für ein postmortales Strafgericht keinerlei Evidenz gibt – ebenso wenig wie für den Himmel, der ihr gegenübergestellt wird. Die Sorge des Umfelds beruht auf einer unbewiesenen Annahme, nicht auf einer Tatsache, der sich Stefan stellen müsste.

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Für den Umgang mit besorgten Angehörigen hilft es, zwei Ebenen zu trennen: Ihre Sorge ist als Gefühl echt und ernst zu nehmen, auch wenn ihre Prämisse es nicht ist. Wer das offen anspricht – „Ich verstehe, dass euch das umtreibt, aber ich teile die Grundannahme nicht, auf der die Sorge beruht“ – nimmt die Angehörigen ernst, ohne sich selbst zu verleugnen.

Eine gute, unbelastete Beziehung ohne Angstdrohung ist Menschen möglich, unabhängig davon, ob sie an ein Leben nach dem Tod glauben. Ethisches Verhalten, Verantwortung für andere und der Wunsch nach Nähe zu geliebten Menschen brauchen keine Drohkulisse, um zu funktionieren – sie funktionieren nachweislich auch bei Menschen, die keine Hölle fürchten.

Wer selbst nicht mehr an die Hölle glaubt, muss sich nicht rechtfertigen, sondern kann das Thema entspannt einordnen: als eine Vorstellung, die aus einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Weltbild stammt, deren Verlust kein moralisches Vakuum hinterlässt, sondern Raum für eine Ethik schafft, die sich selbst begründen muss und genau dadurch überprüfbar bleibt.

Quelle

„Kommen Atheisten in die Hölle?“, Antwort von Frank Muchlinsky auf fragen.evangelisch.de

KI

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