Brauchen wir den Wettersegen noch? Fulda hat die Frage schon einmal beantwortet

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Darum geht es

Stefan Buß versichert, beim Wettersegen gehe es nicht um „Wunsch-Wetter“ – und zitiert vier Sätze später eine Formel, die exakt das bestellt: Regen, keine Trockenheit, kein Hagel, kein Blitz; die Institution, die diesen Segen spricht, hat in Fulda einmal 250 Menschen verbrennen lassen, weil sie dem Wetter geschadet haben sollten.

„Brauchen wir den Wettersegen noch?“ fragt Stadtpfarrer Stefan Buß in seinem Impuls vom 19. August 2026 (!) auf Osthessen|News und beantwortet die Frage im dritten Satz mit Ja: „Vielleicht brauchen wir ihn heute mehr denn je.“

Wer eine Frage stellt, deren Antwort schon im Absender feststeht, betreibt keine Erkundung, sondern Werbung. Interessant ist trotzdem, wie die Antwort begründet wird – denn der Text stolpert dabei über die eigenen Füße, und zwar gleich mehrfach.

Das Dementi und die Bestellung

Buß weiß, dass der Wettersegen wie Magie aussieht, und beugt vor: „Aber wir dürfen ihn nicht missverstehen. Wir bitten Gott nicht darum, unser Wunsch-Wetter zu liefern.“

Sehr gut. Was folgt unmittelbar danach? „Wir bitten ihn um das, was wir nicht in der Hand haben: um Regen zur rechten Zeit, um Schutz vor Unwettern und um das notwendige Wasser für Mensch, Tier und Natur.“ Das ist – man muss den Satz nur zweimal lesen – die Definition von Wunsch-Wetter. Regen wann gewünscht, keine Unwetter, ausreichend Wasser. Wer eine Pizza mit extra Käse ohne Zwiebeln bestellt und dazu erklärt, er bestelle ja gar keine Wunsch-Pizza, hat trotzdem bestellt.

Endgültig zusammen bricht das Dementi am Schluss, wo Buß die Segensformel im Wortlaut zitiert:

„Gott, der allmächtige Vater, segne euch und schenke euch gedeihliches Wetter; er halte Trockenheit, Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern. Er segne die Felder, die Gärten und den Wald und schenke euch die Früchte der Erde.“

Gedeihliches Wetter, keine Trockenheit, kein Blitz, kein Hagel, kein Unheil, dazu Ertrag auf Feld, Garten und Wald. Das ist kein demütiges Sich-Fügen, das ist eine Lieferliste. Das Vorab-Dementi ist damit keine Klarstellung, sondern eine Immunisierung: Es entwertet den naheliegenden Einwand („ihr betet ums Wetter“), bevor er ausgesprochen werden kann, und lässt anschließend die volle Wetterbestellung unverändert stehen. Wir haben dieses Verfahren in dieser Reihe schon oft beschrieben – zuletzt beim Portal-Impuls, wo eine bedingungslose Offenheit behauptet wurde, die das Kirchenrecht der eigenen Institution an mindestens vier Stellen bestreitet. Hier ist die Naht nur besonders schlecht vernäht: Dementi und Widerlegung stehen in derselben Textspalte, keine dreißig Zeilen auseinander.

„Regen machen können wir nicht“ – die Prämisse hält keine Woche

Der ganze Text ruht auf einem einzigen Satz: „Wir können das Wetter vorhersagen, Satelliten beobachten und Niederschlagsmengen berechnen. Aber eines können wir bis heute nicht: Regen machen.“ Das ist die Lücke, in die der Segen einziehen soll – und sie ist kleiner, als Buß glaubt.

Erstens: Doch, ein bisschen. Wolkenimpfung mit Silberiodid gibt es seit 1946; jahrzehntelang blieb ihre Wirksamkeit statistisch strittig. 2020 hat die SNOWIE-Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences die Kette erstmals lückenlos vermessen: vom eingebrachten Silberiodid über die Eisbildung bis zum Schnee am Boden, mit Radar und Niederschlagsmessern quantifiziert. Der Effekt ist begrenzt, an Bedingungen geknüpft und kein Mittel gegen Dürre – aber „Regen machen können wir nicht“ ist als Absolutaussage schlicht überholt.

Zweitens, und wichtiger: Die Fähigkeit, die gegen Trockenheit tatsächlich hilft, ist nicht das Erzeugen von Niederschlag, sondern der Umgang mit dem vorhandenen Wasser. Speicher, Leitungsnetze, Tropfbewässerung, Wiedervernässung von Mooren, Rückhalt in der Landschaft, Wasserwiederverwendung, Entsalzung, dürretolerante Sorten, Bewässerungsrecht und Entnahmeregulierung. Alles menschengemacht, alles überprüfbar, alles verbesserbar. Die Behauptung, hier ende das Können und beginne das Gebet, ist keine Beobachtung, sondern eine Zuständigkeitsreklamation.

Drittens die schöne Ironie des Erscheinungstages: Auf derselben Osthessen|News-Seite, auf der Buß erklärt, Regen liege außerhalb menschlicher Reichweite, steht in der Randspalte die Wettervorhersage für Fulda – Mittwoch leichter Regen, Donnerstag leichter Regen, Freitag leichter Regen. Errechnet aus Modellen, drei Tage im Voraus, ohne einen einzigen Segen. Der Regen kam übrigens auch dann, wenn er nicht bestellt worden war; das ist der Unterschied zwischen einer Vorhersage und einer Bitte.

Ein Segen ohne Erfolgskontrolle

Die Trockenheit, die Buß beschreibt, ist real und ernst. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie meldete für den 11. August 2026 fast flächendeckend nutzbare Feldkapazitäten unter 20 Prozent, also erheblichen Trockenstress bis in tiefere Bodenschichten; an rund 84 Prozent der hessischen Pegel lagen die Durchflüsse unter dem mittleren Niedrigwasserabfluss (HLNUG, Stand 11./12.08.2026). Der DWD ordnete die Lage in einen Verlauf ähnlich den Dürrejahren 2018 und 2022 ein. Die Böden sind trocken, die Sorge der Landwirte ist berechtigt.

Genau deshalb lohnt die Frage, was der Segen dazu beiträgt – und wie man das feststellen würde. Die Antwort lautet: gar nicht. Regnet es, war der Segen wirksam. Regnet es nicht, wurde eben nicht um „Wunsch-Wetter“ gebeten, sondern um „Regen zur rechten Zeit“, und die rechte Zeit kennt bekanntlich nur Gott. Kommt Hagel, ist das ein Prüfungsanlass. Jeder mögliche Ausgang bestätigt das Verfahren. Eine Behauptung, die durch nichts widerlegt werden kann, sagt nichts über die Welt aus – dasselbe Konstruktionsprinzip haben wir am Pfingstimpuls durchbuchstabiert.

Wo man Fürbitte kontrolliert untersucht hat, fiel das Ergebnis eindeutig aus: Die bislang größte Studie (Benson et al., American Heart Journal 151/2006) begleitete 1.802 Bypass-Patienten in drei randomisierten Gruppen und fand keine Verbesserung durch Gebet; die Gruppe, die sicher wusste, dass für sie gebetet wurde, hatte sogar mehr Komplikationen. Details dazu stehen in unserer Antonius-Kritik. Für den Wettersegen existiert nicht einmal ein Ansatz zu solcher Prüfung – und das ist kein Versehen, sondern Voraussetzung. Ein Ritual, dessen Erfolg messbar wäre, könnte auch versagen.

„Die Blitze breche ich“ – wie das mit dem Unheil-Fernhalten früher lief

„Er halte Trockenheit, Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern“ ist keine neue Formulierung. Sie steht in derselben Tradition wie die Glockeninschrift Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango – „Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze breche ich.“ Jahrhundertelang wurde beim Aufziehen eines Gewitters geläutet, weil geweihte Glocken das Unwetter vertreiben sollten. Das Verfahren hatte einen Nachteil: Es funktionierte nicht. Es hatte einen zweiten: Es tötete die Glöckner.

Der Mathematiker und Astronom Johann Nepomuk Fischer legte 1784 eine Schrift mit dem sprechenden Titel „Beweis, dass das Glockenläuten bei Gewittern mehr schädlich als nützlich sei“ vor; er referierte darin die zeitgenössische Berechnung, wonach der Blitz binnen 33 Jahren 186 Glocken getroffen und dabei 103 Läuter getötet habe. Man hatte, mit anderen Worten, ein Ritual zur Blitzabwehr, das Menschen an einem nassen Seil unter dem höchsten Punkt des Dorfes festhielt.

Und nun die Pointe, die man sich nicht ausdenken könnte: In Salzburg untersagte Fürsterzbischof Colloredo das Wetterläuten in den 1780er Jahren; ab Mai 1805 war es nur noch erlaubt, wenn die Gemeinde nachweisen konnte, dass ihre Kirche einen „Gewitterableiter“ besaß. Das geweihte Verfahren durfte weiterlaufen – unter der Bedingung, dass eine geerdete Metallstange die Arbeit übernahm. Benjamin Franklins Erfindung von 1752 war zunächst als „Ketzerstange“ beargwöhnt worden, weil sie sich Gottes Zorn in den Weg stellte.

Zweihundertfünfzig Jahre später ist sie Bauvorschrift, und der Segen ist Folklore. Was Blitz, Hagel und Unheil tatsächlich fernhält, sind Ableiter, Hagelnetze, Frühwarnsysteme und Versicherungen – Dinge, die man kaufen, prüfen und im Schadensfall verklagen kann.

Fulda, 1603 bis 1606: als Wettermachen noch ein Kapitalverbrechen war

Ein Stadtpfarrer von Fulda, der öffentlich über die Beeinflussung des Wetters durch übernatürliche Mächte spricht, betritt einen Ort mit Vorgeschichte. Es wäre unfair, ihm die Verbrechen seiner Amtsvorgänger persönlich zuzurechnen. Es ist aber nicht unfair, daran zu erinnern, dass der Gedanke, jemand könne aufs Wetter einwirken, in dieser Stadt einmal tödlich war.

Die Vorgeschichte beginnt in Rom. Die Bulle Summis desiderantes affectibus Innozenz‘ VIII. von 1484 stellte fest, Menschen beiderlei Geschlechts richteten durch Zauberei Schaden an – und zählte auf, welchen: die Erzeugnisse der Erde, die Trauben der Weinstöcke, die Früchte der Bäume, Weinberge, Obstgärten, Wiesen, Weiden, Ernten und Getreide. Die Bulle wurde dem „Hexenhammer“ (1487) vorangestellt, der das Erregen von Hagel und Unwetter als eigenen Deliktstyp abhandelte. Ernteschäden hatten damit einen amtlich bestätigten Verursacher, und der war menschlich und greifbar.

Der Historiker Wolfgang Behringer hat den Zusammenhang klimahistorisch aufgearbeitet: Die Häufung von Missernten, Kälteeinbrüchen und Hagelschlägen in der Kleinen Eiszeit fällt mit den Höhepunkten der Verfolgung zusammen; Wetterschäden erzeugten Erklärungsdruck, und die verfügbare Erklärung hieß Schadenzauber („Weather, Hunger and Fear“, German History 13/1995; „Climatic Change and Witch-Hunting“, Climatic Change 43/1999).

Im Hochstift Fulda führte das unter Fürstabt Balthasar von Dernbach und seinem Zentgrafen Balthasar Nuß zwischen 1603 und 1606 zu etwa 250 Hinrichtungen, ganz überwiegend an Frauen. Auf dem ehemaligen dompfarrlichen Friedhof in Fulda erinnert seit 2008 ein Gedenkstein an 270 hingerichtete Frauen und zwei Männer. Nuß wurde am Ende selbst hingerichtet – nicht wegen der Folter und der Scheiterhaufen, sondern weil er sich an den Prozesskosten der Hinterbliebenen bereichert hatte.

Man halte die beiden Sätze nebeneinander. 1603: Wer das Wetter beeinflusst, kommt auf den Scheiterhaufen. 2026: Wir bitten darum, dass das Wetter beeinflusst wird. Die Vorstellung, Wettergeschehen sei durch übernatürliche Einwirkung steuerbar, ist in beiden Fällen dieselbe. Verschoben hat sich nur, wer den Hebel bedienen darf. Solange die Zuständigkeit anderen zugeschrieben wurde, war sie ein Verbrechen; als Eigenanspruch der Kirche ist sie ein Segen. Beendet wurde der Wahn nicht durch bessere Theologie, sondern durch Meteorologie, Physik und den Umstand, dass sich Ernteausfälle irgendwann besser erklären ließen als durch Nachbarinnen.

Der Adressat ist der Verdächtige

Bleibt die Frage, an wen die Bitte eigentlich geht. Buß adressiert „Gott, der allmächtige Vater“. Wenn dieser Gott Trockenheit fernhalten kann, dann kann er sie auch schicken – und er tut es in denselben Schriften, aus denen der Impuls seine Autorität bezieht, mit ausdrücklicher Ansage. Amos 4,7: „Ich habe euch auch den Regen vorenthalten, drei Monate vor der Ernte. Ich ließ regnen über der einen Stadt, über der anderen ließ ich es nicht regnen“ – der Abschnitt endet fünfmal mit dem Refrain, dass die Betroffenen trotzdem nicht umgekehrt seien. Die Dürre ist dort kein Unglück, sondern ein pädagogisches Instrument. Jesaja 45,7 lässt denselben Gott sagen, er erschaffe das Licht und das Dunkel, mache das Heil und erschaffe das Unheil.

Wer vor diesem Hintergrund um Regen bittet, richtet die Bitte an den mutmaßlichen Urheber der Trockenheit. Das ist keine Spitzfindigkeit, sondern die Theodizee in ihrer Wetterversion: Ein allmächtiger, allwissender und allgütiger Adressat, der den Regen geben könnte und es nicht tut, ist entweder nicht allmächtig, nicht allwissend oder nicht allgütig. Der Impuls löst das Problem nicht, er erwähnt es nicht. Ausführlicher steht das in unserem Beitrag „Gottes Wille erklärt alles – und deshalb nichts“ und kompakt in „Epikur: Theodizee in 90 Sekunden“.

Nebenbei: Buß hat das Thema schon einmal bearbeitet. Zu Erntedank 2021 erzählte er das Märchen vom Bauern, der ein Jahr lang die Wetterkontrolle übernimmt, den Wind vergisst und am Ende hohle Ähren erntet – Moral: „Bitte, sei Du wieder zuständig.“ Unsere Kritik dazu steht hier. Die Botschaft ist seit fünf Jahren dieselbe: Der Mensch ist mit der Wirklichkeit überfordert, oben sitzt jemand, der es besser kann. Fünf Jahre später sind die Böden trocken, und oben hat sich niemand gerührt.

„Bearbeiten – ja. Nutzen – ja. Aber vor allem: hüten.“

Der ökologische Teil des Impulses ist der sympathischste und zugleich der aufschlussreichste. Buß zitiert Genesis 2,15 – Gott setzte den Menschen in den Garten, „damit er ihn bearbeite und hüte“ – und fragt: Gehen wir sorgsam mit Wasser um? Achten wir den Boden? Sind wir bereit, Verantwortung zu übernehmen?

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Drei Anmerkungen dazu.

Erstens die Auswahl. Ein Kapitel vorher steht der andere Satz, der die Wirkungsgeschichte weit stärker geprägt hat: „Macht euch die Erde untertan“ (Gen 1,28). Lynn White jr. hat 1967 in Science die These formuliert, dass gerade diese Traditionslinie der westlichen Naturausbeutung ihre religiöse Lizenz gab. Man muss White nicht in allem folgen, um zu bemerken, dass hier die freundlichere von zwei Stellen ausgewählt und die unfreundlichere weggelassen wird. Es ist dieselbe Technik wie bei Buß‘ Paulus-Zitaten zu Mariä Himmelfahrt: Der Vers, der passt, wird zitiert; der Vers daneben, der nicht passt, bleibt stehen, wo er steht.

Zweitens die Reihenfolge. Die ökologische Wende der Kirchen kam spät. Silent Spring erschien 1962, der Bericht des Club of Rome 1972, die deutsche Umweltbewegung formierte sich in den Siebzigern – die Enzyklika Laudato si‘ stammt von 2015. Das ist der Standardablauf, den wir in dieser Reihe unter dem Stichwort Vereinnahmung führen: Eine säkular erkämpfte Einsicht setzt sich durch, und anschließend erklärt die Verkündigung, sie sei eigentlich immer schon gemeint gewesen.

Drittens der Substituierbarkeitstest, und er fällt vernichtend aus. Streichen Sie aus diesem Absatz jeden Gottesbezug: „Gehen wir sorgsam mit Wasser um? Achten wir den Boden? Sind wir bereit, Verantwortung zu übernehmen?“

Der Appell steht unverändert. Er funktioniert wortgleich im Mund einer Umweltbehörde, eines Bauernverbands oder eines Humanistischen Verbands. Was der Impuls hinzufügt, ist ausschließlich die Eigentumsfrage – „Die Erde ist nicht unser Eigentum. Sie ist Gottes Schöpfung“ –, und die schwächt die Sache eher, als sie sie stärkt: Wer den Boden nur deshalb schont, weil er einem Eigentümer im Himmel gehört, hat kein Argument mehr, sobald er an diesen Eigentümer nicht mehr glaubt. Der Boden ist aber auch dann noch schützenswert.

Und was im ganzen Text fehlt, ist die Ursache. Kein Wort über den Grund, aus dem Dürresommer in Mitteleuropa häufiger werden. Eine Attributionsstudie zur europäischen Bodendürre 2022 kommt zu dem Ergebnis, dass ein solches Sommer-Bodenfeuchtedefizit im heutigen Klima etwa alle 20 Jahre zu erwarten ist, unter vorindustriellen Bedingungen aber nur etwa einmal pro Jahrhundert aufgetreten wäre (Earth System Dynamics 15/2024).

Der IPCC hält fest, dass menschliches Handeln in mehreren Regionen zur Zunahme landwirtschaftlicher und ökologischer Dürren beigetragen hat. Das ist die Antwort auf die Frage, warum die Böden trocken sind – und sie kommt in einem Text, der ausdrücklich zur Verantwortung aufruft, nicht vor. Stattdessen: „Wir bleiben Menschen, die vom Leben beschenkt werden.“ Die Ursache wird in eine Haltung umgebucht, die politische Frage in eine Dankbarkeitsübung.

Was Wasser tatsächlich in die Böden bringt

Die säkulare Alternative ist unromantisch und hat den Vorzug, dass man ihre Wirkung nachrechnen kann.

  • Vorhersage: Satelliten, Radar, Modelle. Der Regen dieser Woche stand drei Tage vorher fest – nicht weil ihn jemand erbeten, sondern weil ihn jemand berechnet hatte.
  • Rückhalt: Wiedervernässung von Mooren, Renaturierung von Bächen, Entsiegelung, humusaufbauende Bodenbearbeitung, Agroforst.
  • Verteilung: Verbundnetze, Speicher, Priorisierung von Entnahmerechten in Trockenphasen – ein Verteilungskonflikt zwischen Landwirtschaft, Industrie und Trinkwasserversorgung, der politisch entschieden werden muss und nicht durch Bitten.
  • Anpassung: dürretolerante Sorten, veränderte Fruchtfolgen, effiziente Bewässerung.
  • Ursachenbekämpfung: Emissionsminderung, denn jedes Zehntelgrad verschiebt die Wahrscheinlichkeit des nächsten Dürresommers.
  • Und schließlich Absicherung: Mehrgefahrenversicherungen und Ausgleichszahlungen für die Landwirte, die Buß sorgenvoll zum Himmel schauen sieht. Der Himmel wird nicht zahlen.

Nichts davon ist erhebend. Alles davon ist überprüfbar, kritisierbar und verbesserbar – und in genau dieser Reihenfolge dem Segen überlegen, der keines der drei Kriterien erfüllt.

Fazit

„Der Wettersegen soll deshalb nicht nur das Wetter verändern. Er soll auch uns verändern“, schreibt Buß. Der Satz ist ehrlicher, als er sein will. Denn das Wetter verändert er nachweislich nicht; bleibt die Veränderung der Menschen – und die besteht darin, dass man Dankbarkeit empfindet, wo man Wasserwirtschaft betreiben müsste, und Demut übt, wo Emissionsminderung anstünde.

Die Antwort auf die Titelfrage lautet deshalb: Nein.

Was Osthessen im Sommer 2026 braucht, sind gefüllte Speicher, vernässte Moore, ein belastbares Entnahmerecht, gute Sorten, funktionierende Versicherungen und eine Klimapolitik, die den nächsten Dürresommer unwahrscheinlicher macht. Der Rest ist eine Bestellung an eine Adresse, von der seit zweitausend Jahren keine Lieferung eingegangen ist – aufgegeben in einer Stadt, in der man einmal 250 Menschen verbrannt hat, weil man ihnen zutraute, was man heute erbittet.

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